Von Matti Lieske, 03.09.10, 22:37h, aktualisiert 03.09.10, 23:26h
Die Kapitänsbinde von Lahm wirkte an diesem Abend besonders auffällig, so als habe er sich ein extra großes Exemplar umgebunden. Am liebsten hätte er wohl ein Modell in leuchtenden Regenbogenfarben getragen, aber das hätte die Uefa kaum genehmigt. Zumindest bei der Seitenwahl konnte er seine befristete Vertragsverlängerung als Spielführer noch genießen, bald danach begann jedoch der Ernst der EM-Qualifikation und damit rückte auch für Lahm die Kapitänsfrage in den Hintergrund und die belgischen Angreifer schoben sich in den Fokus. Zum Beispiel der 19-jährige Eden Hazard von OSC Lille, der auf Lahms Seite manchen Wirbel veranstaltete, der 22-jährige Marouane Fellaini vom FC Everton, der 17-jährige Romelu Lukaku vom RSC Anderlecht oder der 23-jährige Moussa Dembele vom FC Fulham.
Die deutsche Mannschaft war von Beginn an bemüht, den belgischen Zuschauern im Stade Roi Baudouin zu demonstrieren, wer hier auf dem Platz das Team darstellte, das bei der WM für Furore gesorgt hatte, und wer die Mannschaft, die seit vielen Jahren so gut wie nichts mehr erreicht hatte. Vor allem Bastian Schweinsteiger versuchte im Mittelfeld, das Spiel zu beruhigen, zu ordnen und ihm Struktur zu verleihen, so wie es einst der fast vergessene Michael Ballack zu tun pflegte. Vor allem versuchte er, es in jene Bahnen zu lenken, die sich bei der WM als so erfolgreich erwiesen hatten.
Es war jedoch bald zu sehen, dass der zuvor vielbeschworene Rhythmus tatsächlich noch ein wenig gestört war. Die Sprints von Miroslav Klose, die Dribblings von Thomas Müller, die Pässe von Mesut Özil und vor allem die Schüsse besaßen nicht die Konsequenz, die das Team bei der WM ausgezeichnet hatte. Offenbar war den deutschen Spielern zu Ohren gekommen, dass man Belgiens Keeper Logan Bailly mit Fernschüssen beikommen könne, also versuchten sie es immer wieder. Doch zweimal Özil und je einmal Podolski und Khedira schossen aus guten Positionen weit am Tor vorbei, bis sich Podolski in der 30. Minute dem Ziel zumindest annäherte.
Auf der anderen Seite bestätigten die Belgier die Löws Vorab-Analyse, dass sie über einen ganzen Schwarm von flinken, jungen Stürmern verfügen, die nicht nur Lahm wiederholt in Verlegenheit brachten. Vor allem Holger Badstuber hatte es mal wieder bös erwischt, und der Münchner muss sich langsam fragen, ob Löw etwas gegen ihn hat. Immer scheint Badstuber die kompliziertesten Aufgaben zu bekommen. Bei der WM hatte er es beim 0:1 gegen Serbien mit dem pfeilschnellen Krasic zu tun, diesmal sollte er den ebenfalls schnellen und sehr ballgewandten Lukaku bewachen, der ihm gleich mehrfach entwischte. Abgesehen von einem Schuss Dembeles, den Manuel Neuer um den Pfosten lenkte, blieben aber auch die Belgier bis zur Halbzeit ohne klare Torchance. Und als Eden Hazard Lahm und dessen Binde einmal locker hinter sich gelassen hatte und Lukaku in der Spitze freispielte, kam der rettende Abseitspfiff vom Schiedsrichter.
Für die zweite Halbzeit hatte sich das deutsche Team offenbar an sein Real-Madrid-Mittelfeld erinnert und spanisch angehauchten Ballbesitzfußball auf seine Fahnen geschrieben. Gute fünf Minuten gaben sie nach Wiederanpfiff die Kugel nicht mehr her, in dieser Zeit hätte Klose fast das 1:0 erstochert. Dies fiel dann gleich nach der nächsten Balleroberung. Schweinsteiger reagierte nach einem verunglückten Abwehrversuch der Belgier am schnellsten, spielte den Ball wm-reif zu Klose, und der schoss den Ball schnörkellos ins Tor. Genau diese Schnörkellosigkeit fehlte den belgischen Angreifern, als sie direkt nach dem Rückstand daran gingen, das Ballbesitzverhältnis umzudrehen, im deutschen Strafraum aber viel zu verzettelt agierten. Damit erleichterten sie die Aufgabe für die deutsche Abwehr, in der seit der Pause mit Heiko Westermann, der für den angeschlagenen Marcell Jansen gekommen war, nun ein waschechter Nicht-WM-Fahrer stand.
Die Mannschaft von Bundestrainer Löw zog sich nach der Führung sehr weit zurück und verzichtete fast völlig darauf, den Gegner schon in dessen Hälfte unter Druck zu setzen. Gegen die kombinationsfreudigen Belgier stellte diese Spielweise durchaus ein Risiko dar, doch das Team vertraute offenbar auf seine bewährte Konterstärke. Die hätte nach Eingabe von Lahm in der 70. Minute fast das 2:0 durch Müller gebracht, doch Keeper Logan Bailly konnte gerade noch parieren. Diese Drohgebärde reichte jedoch, um die kurze Drangphase der erlahmenden Belgier schon wieder zu beenden, und auch die Schlussoffensive der Gastgeber blieb ohne Wirkung.
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Nationalelf: Ballack bleibt der „Capitano“
Na ja!
04.09.2010 | 18.38 Uhr | nc-schwarel8
Seltsam fand ich das schon das man anstatt Fangesänge mitten in der zweiten Halbzeit die Nationalhymne singt in einem Stadion des Gastgebers! Aber…
Hooligans !
04.09.2010 | 14.09 Uhr | etisnochimmerjootjejange
Mir ist letzte Saison schon aufgefallen, dass sich der primitive Hooliganismus wieder mit schnellen Schritten in Richtung 70er-80er Jahre entwickelt.…
Wie hat Schweini über Nacht…
04.09.2010 | 11.52 Uhr | wasauchimmer
…plötzlich den Scorerpunkt gekriegt?
Ich hatte gestern gesehen, dass er den Ball von einem hier durchaus bekannten Belgier erobert hat und ihn…
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