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Box-Weltmeister

Sturm verteidigt seinen Titel

Von Susanne Rohlfing, 05.09.10, 00:11h, aktualisiert 06.09.10, 11:41h

Vor dem Comeback hat es Zweifel gegeben, doch Felix Sturm hat keine Fragen offen gelassen. Nach 14-monatiger Abstinenz hat er seinen Titel als WBA-Weltmeister verteidigt und Giovanni Lorenzo keine Chance gelassen.

Felix Sturm
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Hat seinen Weltmeister-Titel verteidigt: Profi-Boxer Felix Sturm. (Bild: dpa)
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Hat seinen Weltmeister-Titel verteidigt: Profi-Boxer Felix Sturm. (Bild: dpa)
KÖLN - Die Liebeserklärung muss Felix Sturm noch loswerden. Es ist sein Abend. Er ist der Sieger. Er ist der Chef. Das Glück will er teilen. Die Worte gelten seiner verstorbenen Mutter und seiner Frau Jasmin, die nicht am Ring sitzt, sondern zu Hause bei „dem Kleinen“, dem gemeinsamen Sohn Mahir. „Ich liebe Euch“, sagt Sturm, „diesen ersten Kampf will ich Euch widmen - und meiner Mutter.“

Da steht Felix Sturm, mitten im Ring, mitten in der nahezu ausverkauften Lanxess-Arena in Köln, mitten im Leben als Profiboxer. Was er in der Nacht zum Sonntag seinen „ersten Kampf“ nennt, war tatsächlich sein 37., und der Sieg über Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik war Erfolg Nummer 34 für den 31-Jährigen aus Leverkusen. Auch boxerisch war dieser Kampf einer von vielen, ein solider, aber nicht herausragender Auftritt des WBA-Mittelgewichts-Weltmeisters, den die Kampfrichter klar 117:111, 117:111 und 118:111 Punkten für Sturm werteten.

Besonders war dieser Abend für Felix Sturm, weil er sich nicht nur als Boxer im Ring beweisen musste. Besonders schön war der Abend, weil das gut ging. Der Kämpfer ist jetzt sein eigener Veranstalter, nach dem Vorbild der Klitschkos wirtschaftet er nicht mehr in die Taschen seines ehemaligen Promoters Klaus-Peter Kohl, sondern in die eigenen. Das ist lukrativ, aber auch mutig. Sturm musste diesmal nicht nur gewinnen. Für einen guten Start ins Geschäft musste er mit seiner ersten Veranstaltung einen Paukenschlag auf dem deutschen Boxmarkt landen.

Das ist ihm gelungen. Er hat sich als Publikumsmagnet bewährt, obwohl seine erste eigene Show hier und da noch etwas mit kindlichem Übereifer erdacht wirkte. So flimmerte vor dem Einmarsch des Weltmeisters ein Animationsfilmchen über die Leinwände, in dem Sturm und Lorenzo sich auf Motorrädern duellieren. Sturm schubst den Kontrahenten von seinem Gefährt und erreicht als Sieger die Lanxess-Arena. Dort schwebte er dann, jetzt live, auf einem Podest aus den Tiefen der Halle empor. Er konnte sich aber nicht gleich auf den Weg in den Ring machen, da ihn das Podest höher und höher hievte. Sturm posierte nach guter Bodybuildermanier und ließ sich feiern. Schon vor dem Kampf, als eine Niederlage immerhin noch möglich war.

Nach vier Runden in Aktion war dann allerdings ziemlich klar: Den Kampf würde Sturm an diesem Abend nicht verlieren. Lorenzo landete seine wilden Schwinger, mit denen er schon manchen Gegner K. o. gehauen hat, wahlweise in der Luft oder an Sturms Deckung. In geschäftlichen Dingen will Sturm nicht mehr fragen müssen, sondern bestimmen. Im Seilgeviert allerdings hat sein neuer Trainer Fritz Sdunek das uneingeschränkte Sagen. „Mein Manko war in der Vergangenheit oft, dass ich zu eigensinnig war“, erklärte Sturm. Jetzt, in seinem zweiten Leben als Profiboxer, kann er so viel entscheiden, dass es ihm nichts mehr ausmacht, sich im Ring exakt an Sduneks Taktik-Vorgaben zu halten.

Sturm zermürbte Lorenzo mit seiner blitzschnellen Führhand und seiner kompakten Deckung. Nur das Ende, das gelang ihm nicht so, wie der Coach es wollte. Es fehlte die nötige Schlaghärte für einen K.-o.-Sieg. Die klare Punktentscheidung zweifelten im Anschluss aber nur Lorenzo und sein Team an. Und die Vorwürfe konterte Sturm verbal so messerscharf wie zuvor mit seinen Fäusten jeden Angriffsversuch des im Gesicht schwer gezeichneten Herausforderers: „Giovanni sollte sich nochmal eine Aufzeichnung des Kampfes ansehen, und vor allem sollte er mal in den Spiegel schauen.“

Sturm gestand auch: „Natürlich hätte ich lieber mit einem K. o. gewonnen.“ Und Sduneks leise Kritik lautete: „Seine Rechte hätte öfter und härter kommen müssen.“ Aber Sturm nahm das gelassen: „Das Schöne ist doch, dass Fritz mich jetzt noch weiter verbessern kann“, sagte er. Der Jungunternehmer strahlte dabei. Die Lust auf mehr war ihm anzusehen. Und diesen Abend, seinen großen Abend, den Erfolg und die Emotionen, ließ Sturm sich durch nichts verderben. Chefs machen das so.



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