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Kult auf Kölsch

„Hochamt“ am Dom für die Fööss

Von Norbert Ramme, 05.09.10, 12:39h, aktualisiert 06.09.10, 09:46h

40 Jahre Jahre Bläck Fööss: Die kölsche Band feierte das Jubiläum am Samstagabend vor dem Dom. Zum Konzert kamen 8.000 Fans – und Gaststars wie die Wise Guys, Wolfgang Niedecken und Stefan Raab.

Wolfgang Niedecken
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Auch BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken spielt beim Jubiläum der Bläck Fööss auf. (Bild: Worring)
Wolfgang Niedecken
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Auch BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken spielt beim Jubiläum der Bläck Fööss auf. (Bild: Worring)
Innenstadt - „So was hat man lange nicht geseh'n, so schön, so schöööön.“ Zum Abschluss wurden die Bläck Fööss minutenlang von rund 8000 begeisterten Fans gefeiert. Das Jubiläumskonzert zum 40-jährigen Bestehen der Band vor dem Dom war gleichzeitig ein Fest für die kölsche Seele. Die Domglocken hatten am Samstag den überaus eindrucksvollen Festabend eingeläutet, der mit der „Jode Naach“-Melodie ausklang - hoch auf einer Balustrade des Doms intoniert von der Kapelle „Blos mer jet“ aus Rath-Heumar. Dazwischen ließen die Fööss zweieinhalb Stunden lang vier Jahrzehnte Revue passieren - ganz großes Kino.

Zwischen Kathedrale und Museum, zwischen Historie und Moderne standen die Fööss auf einer neuartigen Bühne mit transparenten Außenwänden. Eine ähnliche hatten die Konzertveranstalter Micki Pick und Bruno Eichel aus dem Management der Fööss, bei einem Kirchenfest in Mainz entdeckt. Auf die Bühne geleitet wurden Erry Stoklosa, Bömmel Lückerath und Co mit dem traditionellen Larida-Marsch von sechs Spielmannszügen (Rote und Blaue Funken, Ehrengarde, Altstädter, Treuer Husar und Blau-Gold) und durch ein Spalier von Abordnungen aller Traditionskorps in Uniform. „Blötschkopp“ Marc Metzger versetzte beim Aufmarsch die Fans erstmals in Verzückung - mit einer Aneinanderreihung von 53 Fööss-Titeln in drei Minuten.

Schon zu den ersten Liedern „Mer losse d'r Dom en Kölle“ und „Rievkooche-Walzer“ wurde mitgesungen und geschunkelt, auch bei der „Upper Class“ auf der VIP-Tribüne oder dem Balkon des Dom-Hotels. Unter den Gästen waren Ex-Oberbürgermeister Norbert Bürger, Richard Rogler, Jean Pütz, Heribert Malchers, Marie-Luise Nikuta und die ehemaligen FC-Stars Wolfgang Weber und Karl-Heinz Thielen.

Tipp von Graham Bonney

Das Reibekuchen-Lied war 1970 der Start einer kölschen Karriere gewesen. Stoklosa kommentierte das „Hochamt“ vor dem Dom: „Wenn mir vor 40 Jahren jemand gesagt hätte, dass wir heute vor so einer Kulisse am Dom singen - ich hätte das nicht geglaubt.“ Der Tipp, kölsch zu singen statt englisch, kam damals von Graham Bonney (heute 67). Der Engländer, als dessen Begleitband die Musiker einst durch Deutschland tingelten, war auch der erste Gast beim Konzert. Nach „Super Girl“ aus dem Jahr 1966 sang Bonney seine Schlagererfolge „Siebenmeilenstiefel“ und „Wähle 3-3-3“ sowie den Evergreen „Ich bin 'ne kölsche Jung“.

Einen weiteren Klassiker, das Lied von der „Kaffeebud“ sang ein „Sülzer Jung“. TV-Moderator Stefan Raab („Ich bin ein großer Fan der Fööss“) hatte in seinen Mülheimer Studios geprobt und stand plötzlich als Überraschungsgast zwischen den Fööss. „Das passt schon gut“, fanden Stoklosa und Lückerath. „Der kommt aus Sülz, das Lied spielt in Sülz und wir hatten dort an der Gustavstraße jahrelang unser Büro.“ Dies blieb ein einmaliges Zusammenspiel. Bei den Konzerten am Sonntagnachmittag und Montagabend ist Raab nicht dabei. Nur am Samstag gratulierte auch Kabarettist Jürgen Becker und erinnerte an Hans Knipp, den langjährigen Songschreiber der Fööss („Der Heinrich Böll des Heimatliedes“). Am Sonntag kam Ludwig Sebus, der selbst seinen 85. Geburtstag feierte, zu einem kleinen Besuch, ehe ihn Fans und Kollegen am Tanzbrunnen hochleben ließen.

Zu allen drei Konzerten auf dem Roncalli-Platz hatte sich Wolfgang Niedecken angesagt. Der BAP-Frontmann stimmte eine rockige Version des „Pänz“-Liedes und sein eigenes „För ne Moment wor ich am dräume“ an und zollte den Fööss „Respekt, dass ihr in all den Jahren beim Kölschen geblieben seid.“

Hochdeutsch singen durften die Wise Guys („Jetzt ist Sommer“), die allerdings auch in der Muttersprache textsicher waren: „Kumm loss jonn, loss mer Rollbrett fahre“. Das kann man vom Jugendchor St. Stephan auch stets erwarten. Der Chor unterstützte die Band bei den ganz großen Hymnen. „Rut und Wiess“ und „Stammbaum“, „Do bes die Stadt“ und „Veedel“. Zuvor hatte es eine Premiere gegeben: Die Fööss stellten ihr Werk „Mir han e Hätz för Kölle“ öffentlich vor. Kafi Biermann - als einziger im Anzug - sang von „Ereignissen, die uns an der Stadt haben zweifeln lassen“. Trotz kritischer Töne kommt es zu einem versöhnlichen Fazit: „Mer han immer noch e Hätz för Kölle. Kölle is un bliev uns Heimat, janz ejal, wat och passeet. Et hätt noch immer jot jejange“. Da waren sich Fööss und Fans ganz einig.



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