Erstellt 05.09.10, 14:46h
Der Handelskommissar hatte in einem Hörfunkinterview mit Blick auf die Nahost-Verhandlungen erklärt, in den USA habe eine jüdische Lobby viel Macht in der Politik. Dies dürfe nicht unterschätzt werden. De Gucht hatte auch die Haltung von Juden zum Nahostkonflikt kritisiert und erklärt, die meisten Juden glaubten, immer im Recht zu sein, was dazu führe, dass selbst mit gemäßigten Juden eine rationale Diskussion über die aktuellen Vorgänge im Nahen Osten kaum möglich sei.
Nach teils harter Kritik gab De Gucht am Freitag eine Erklärung an die Presse heraus. "Ich bedaure, dass die von mir gemachten Kommentare in einem Sinne gedeutet wurden, den ich nicht beabsichtigt hatte." Er habe die Jüdische Gemeinschaft nicht stigmatisieren wollen. Antisemitismus verstoße "fundamental gegen unsere europäischen Werte". Zuvor hatte ein Sprecher der Kommission die Einlassungen im Rundfunk als "persönliche Kommentare" bezeichnet. "Sie repräsentieren nicht die wohlbekannte Meinung der Kommission zum Nahost-Friedensprozess".
Der Europäische Jüdische Kongress stellte die Äußerungen in eine Reihe mit den Aussagen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin über ein angebliches jüdisches Gen. Das Schmähen von Juden sei "offenbar auf den höchsten Ebenen der Europäischen Union akzeptabel", hieß es in einer Mitteilung.
"Dass die pro-israelische Lobby in Washington die am besten organisierte sei, könnte man fast als ein Kompliment auffassen - käme dieses bloß nicht von jemandem, der die Juden so wenig mag wie Herr De Gucht es zu tun scheint", sagte Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden im Gespräch mit "Handelsblatt online". "Ich persönlich würde mir wünschen, dass Israels Freunde in den USA und in anderen Ländern möglichst viel Gehör finden", fügte Kramer hinzu. Schließlich versuchten sie, einem von Antisemiten mit der physischen Vernichtung bedrohten Staat zu helfen. "Wenn Herr De Gucht diesen Einfluss, der leider bei weitem nicht so groß ist, wie er glaubt, zunichte machen will, muss er sich fragen lassen, wes Geistes Kind er ist."
De Gucht hatte in der Vergangenheit mehrfach mit provokanten Äußerungen Aufsehen erregt. Als belgischer Außenminister und EU-Kommissar prangerte er lauthals Korruption in der Demokratischen Republik Kongo an. Die Kritik an der ehemaligen belgischen Kolonie führte zu schweren diplomatischen Verwicklungen. (afp, kna)
Der Wahrheit eine Chance
05.09.2010 | 21.36 Uhr | B.Melchert
Man muß ja nur Israel Shahak gelesen haben, um zu begreifen, welchen Einfluß die zionistischen Verbände in den USA auf dere Politik haben.
Das…
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