Von Christoph Albrecht-Heider, 06.09.10, 10:05h, aktualisiert 10.09.10, 19:20h
Der Prozess gegen den Wetter-Moderator aus der Schweiz, der der Vergewaltigung angeklagt ist und 132 Tage in Untersuchungshaft saß, war kurz nach der Eröffnung auf den kommenden Montag vertagt worden. Die Verteidigung hatte einen 67-seitigen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Michael Seidling und die Richterin Daniela Bültmann eingereicht. Zu den Inhalten ihres Antrags wollte die Verteidigung nichts sagen. Im Vorfeld des Prozesses war in Zeitungsberichten die Rede davon gewesen, dass Seidling und der Vater des mutmaßlichen Opfers sich womöglich über ihre Tätigkeiten in ihrem jeweiligen Sportverein kennen, die im Handball eine Spielgemeinschaft bilden. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich wenig überrascht von dem Antrag.
Nebenklägerin im Saal
Die Frau, die Kachelmann der Vergewaltigung bezichtigt und als Nebenklägerin auftritt, war überraschenderweise erschienen. Das Gericht wird sie erst am 13. Oktober zu jener Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 befragen, in der es zu der Vergewaltigung gekommen sein soll. Es wäre nur zu verständlich gewesen, wenn die 37 Jahre alte Radiomoderatorin aus Schwetzingen bis dahin die Öffentlichkeit hätte meiden wollen. Aber so saß Sabine W., ein schlanke Frau mit langen blonden Haaren und blassem Gesicht, im Saal, als Kachelmann eintrat. Der Blickkontakt der beiden war nur kurz. Vielleicht soll die Präsenz von Sabine W. für Stärke stehen, für eine demonstrative Kampfansage. Vielleicht haben psychologische Motive auch den Ausschlag dafür gegeben, dass die Verteidigung des Wettermoderators kurz vor Prozessbeginn noch die Heidelberger Anwältin Andrea Combé (52) ins Team geholt hat. Die Glaubwürdigkeit des Angeklagten könnte wachsen, so das Gedankenspiel, wenn der mutmaßliche Vergewaltiger von einer Frau verteidigt wird.
Im Saal 1 des Mannheimer Landgerichts war der erste Prozesstag also nach wenigen Minuten Geschichte. Vor dem Gebäude war mehr los: Dort nutzte TV-Entertainer Oliver Pocher die große Medienpräsenz aus. Und spielte die durch die ständige Wiederholung im Fernsehen schon ikonenhaft gewordenen Gesten des Angeklagten - Umarmen eines Justizbeamten nach Entlassung aus der Untersuchungshaft und das schulterzuckende „Ich bin unschuldig“ nach. Wobei er noch aussah wie der „alte“ Kachelmann: in Lederjacke, unrasiert und mit etwas zotteligen Haaren. Der „neue“ Kachelmann war dagegen zum Gerichtstermin sorgfältig frisiert und in dezentem Anzug, weißem Hemd und Krawatte erschienen.
Kachelmanns Anwälte nutzten jedes Mikrofon, um die Staatsanwaltschaft erneut für ihren bisherigen Umgang mit ihrem Mandanten zu kritisieren. Ralf Höcker sprach von einer „Hetzjagd gegen einen Menschen“, während Reinhard Birkenstock der Staatsanwaltschaft vorwarf, „mit halbwahren und falschen Informationen“ an die Öffentlichkeit gegangen zu sein.
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Befangen
07.09.2010 | 08.53 Uhr | SchmitzeJupp
Ist angesichts der Vorverurteilung besonders durch die Mannheimer Staatsanwaltschaft und die Presse ein fairer Prozess überhaupt noch möglich? Ich…
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06.09.2010 | 12.53 Uhr | brutus
eines Sportvereins kann ich mir diese Aussage erlauben: Wenn ich Vizepräsident eines Vereins bin und mit einem anderen Verein kooperiere, dann kenne…
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