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Spezialprodukte

Verkaufsstopp für Diabetikernahrung

Von Stefan Sauer, 06.09.10, 15:44h, aktualisiert 06.09.10, 21:06h

Lebensmittelhersteller machen mit speziellen zuckerarmen Produkten für Diabetiker einen riesigen Umsatz. Dabei ist der Nutzen der Diabetes-Nahrung gar nicht erwiesen. Nun soll der Verkauf der Lebensmittel untersagt werden.

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Die Spezialprodukte sollen sich positiv auf den Zuckergehalt im Blut auswirken. (Bild: Thinkstock)
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Die Spezialprodukte sollen sich positiv auf den Zuckergehalt im Blut auswirken. (Bild: Thinkstock)
Es handelt sich genau genommen um fortgesetzte Irreführung der Verbraucher im großen Stil - und wider besseres Wissen. Seit vielen Jahren weisen Studien und Untersuchungen an Mensch und Tier sehr deutlich darauf hin, dass sogenannte Diätlebensmittel für Zuckerkranke deren Gesundheitszustand nicht zu verbessern geeignet sind. Bereits 2007 und 2008 erklärte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass Lebensmittel mit dem Hinweis „Für Diabetiker geeignet“ ihrem Anspruch nicht gerecht werden. In seiner jüngsten Stellungnahme zum Thema vom März vergangenen Jahres empfiehlt das BfR kurz und bündig, die Kennzeichnung ersatzlos zu streichen, da sie „aus ernährungsmedizinischer und diabetologischer Sicht nicht mehr empfohlen“ werden könne.

Die nicht mehr ganz so neue Erkenntnislage hat nun auch die Bundesregierung auf den Plan gerufen. Noch in diesem Herbst soll „die 16. Änderungsverordnung dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand angepasst“ und also die Ernährungsempfehlung für Diabetiker gestrichen werden. Allerdings will die zuständige Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) großzügige Übergangsfristen gewähren, um „den betroffenen Unternehmen die notwendigen Umstellungen im Bereich der Kennzeichnung und Zusammensetzung der Produkte zu ermöglichen“. Bis 2013 soll der Diabetiker-Hinweis noch erlaubt sein, Restbestände länger haltbarer Lebensmittel aber auch später noch verkauft werden dürfen.

Derart lange Umstellungszeiten hält der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, für völlig unangemessen. „Die Produkte sollten und könnten ab morgen umetikettiert werden, die Abzockerei muss ein Ende haben.“ Um Abzockerei der Zuckerkranken nämlich handele es sich. „Die Produkte bieten den Diabetikern keinen Vorteil, manche sind sogar gesundheitsschädlich - aber teurer als normale Lebensmittel sind sie immer. Das ist Etikettenschwindel auf Kosten chronisch kranker Menschen.“ Daher seien die Übergangsfristen „nichts anderes als ein Erfolg der Lobbyisten, aber keiner für die mehr als sechs Millionen Diabetiker in Deutschland“, sagte Lauterbach.

Gesundheitliche Risiken durch Austauschstoffe

In der Tat spricht das BfR von gesundheitlichen Risiken, die von den speziellen Diät-Lebensmitteln für Diabetiker ausgehen können. So werde die Entstehung des „metabolischen Syndroms“, einer Kombination aus Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz, durch den enthaltenen Fruchtzucker (Fruktose) begünstigt. Das metabolische Syndrom seinerseits stehe „in engem Zusammenhang mit Diabetes mellitus Typ 2“. In der Folge könne es vorzeitiger Arteriosklerose kommen. Größere Mengen Fruktose förderten zudem die Einlagerung von Fetten in der Leber, mithin zur Entstehung einer „nicht alkoholisch bedingten Fettleber“. Fazit: Die erhöhte Aufnahme des Zuckeraustauschstoffs Fruktose zeitige „ungünstige Wirkungen auf den Stoffwechsel“.

Überraschend kommt das BfR auch zu dem Ergebnis, dass die diätischen Lebensmittel sogar Fettleibigkeit begünstigen können. Die hohen Fruktose-Anteile etwa in Diätlimonaden beeinträchtigten die hormonelle Gewichtsregulierung und führten zu einer geringeren Ausschüttung des körpereigenen Leptins, das „Sättigungssignale“ ans Hirn sende. Die Folge: Die Botschaft „satt“ kommt daher nicht mehr an - und sogleich der Nachschlag auf den Teller.

Daher empfiehlt das BfR Maßnahmen, die weit über die Pläne von Ministerin Aigner hinausreichten.



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