Von Bernhard Bartsch, 07.09.10, 10:52h, aktualisiert 07.09.10, 18:30h
Doch was bisher als Volkssport galt, wird vielen Chinesen unheimlich, nachdem die Flugaufsichtsbehörde CAAC eingestehen musste, dass sich auch in ihren Reihen viele Schummler befinden. Über 200 Piloten sollen in den vergangenen Jahren auf der Basis von falschen Angaben zur Flugerfahrung eingestellt worden sein, berichteten chinesische Medien. Mehr als die Hälfte der Flugkapitäne arbeitete für die Fluglinie Shenzhen Airlines, die in der Kritik steht, nachdem Ende August eine ihrer Maschinen im nordchinesischen Yichun über die Landebahn hinausschoss. 42 Menschen starben.
Den Jobbewerbern soll der Betrug leicht gefallen sein, weil Chinas Fluglinien einen Großteil ihrer Piloten von der Armee rekrutieren, in deren Reihen es viel Korruption gibt. Künftig sollen Referenzen genauestens geprüft werden, versprach ein CAAC-Sprecher.
Auch unter prominenten Chinesen sind Lebenslauflügen weit verbreitet. Im Juni enthüllte der Blogger Fang Zhouzi, dass Chinas bestbezahlter Manager seine akademischen Titel frei erfunden hatte. Tang Jun, ehemals China-Chef von Microsoft und heute Präsident des chinesischen IT-Konzerns Huadu, hatte stets behauptet, in Japan einen Masterabschluss gemacht und danach am renommierten California Institute of Technologie promoviert zu haben. In Wahrheit hatte er sein japanisches Studium jedoch abgebrochen und sich später bei einer unseriösen kalifornischen Briefkastenuniversität einen Doktortitel gekauft.
Gefälschte Lebensläufe sind auch für deutsche Unternehmen in China ein Problem. „Bei vielen Bewerbern wissen wir, dass ihre Referenzen von vorne bis hinten erfunden sind“, sagt die Pekinger Personalleiterin eines großen deutschen Konzerns. „Aber am Ende bleibt uns häufig gar nichts anderes übrig, als einen solchen Schaumschläger einzustellen, weil alle anderen genauso sind.“
Zumindest Angaben zum Universitätsabschluss lassen sich inzwischen nachrecherchieren, weil alle chinesische Hochschulen ihre Absolventen in öffentlichen Datenbanken erfassen. Weil aber auch dort geschummelt werden kann, hat die deutsche Botschaft in Peking vor einigen Jahren eine Prüfstelle eingerichtet. Rund 20 Mitarbeiter sind dort damit beschäftigt, jeden Chinesen, der sich in Deutschland um einen Studienplatz bewerben will, zu überprüfen.
Finanziert wird das Büro allerdings nicht von deutschen Steuergeldern, sondern über Gebühren der chinesischen Bewerber.
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