Von Sebastian Moll, 07.09.10, 13:55h, aktualisiert 07.09.10, 17:52h
Tatsächlich sind die Hass-Bekundungen gegen amerikanische Muslime in jüngster Zeit alarmierend. Ein Filmstudent steigt in New York in ein Taxi und sticht den Fahrer nieder, nur weil dieser Muslim ist. An den Rohbau einer Moschee in Tennessee wird Feuer gelegt. In Kalifornien wird ein Plastikschwein während einer Andacht in eine Moschee geworfen. Im Staat New York fangen Jugendliche vor einer Moschee während eines Ramadan-Festes an, wie ein Lynchmob mit Gewehren in die Luft zu ballern.
Das jüngste Kapitel: Der evangelikale Prediger Terry Jones aus Florida möchte während einer Zeremonie zum Jahrestag des 11. September den Koran verbrennen. Das Vorhaben hat sogar den Oberkommandanten der US-Streitkräfte in Afghanistan, David Petraeus, auf den Plan gerufen. Er warnt, dass die Aktion „die Sicherheit unserer Truppen und die gesamte Kampagne in Afghanistan gefährden könnte.“
Noch nie wurde in den USA derart offen Islamfeindlichkeit artikuliert. Nicht einmal unmittelbar nach dem 11. September 2001. Damals gab es zwar eine „erste Welle“ anti-islamischer Äußerungen. Evangelikale Anführer wie Jerry Falwell und Pat Robertson stellten in Frage, ob der Islam überhaupt eine Religion sei und nannten den Propheten Mohammed einen Banditen. Doch es war George Bush selbst, der aktiv dieser Stimmung entgegen wirkte, in dem er eine Moschee in Washington besuchte.
Die Beschwichtigung durch Bush funktionierte nicht zuletzt deshalb, weil die amerikanischen Konservativen auf ihn hörten. Alles, was Obama zugunsten der amerikanischen Muslime vorbrächte, würde hingegen als Beweis dafür ausgelegt, dass er selbst ein verkappter Islamist ist. So pflegen heute 24 Prozent der Amerikaner die Verschwörungstheorie, dass Obama in Wirklichkeit Muslim sei. Nicht zuletzt aus Angst davor, diese Stimmung noch weiter zu befeuern, verstrickte sich Obama in widersprüchliche Aussagen zu dem Projekt an Ground Zero und hat bislang auch nicht, wie sein Vorgänger, eine Moschee besucht.
Im Windschatten des Furors um den Bau am Ground Zero bricht sich ungefiltert der Zorn auf eine komplette Weltreligion Bahn. „Die Islamophobie“, sagte der islamisch-amerikanische Schriftsteller Arsalan Iftikhar, „ist die akzeptierte Form des Rassismus in den USA geworden. Jeder kann heute auf Muslime eindreschen ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.“
Die amerikanischen Muslime sind über diese Entwicklung verwirrt. Bislang hatten Umfragen immer ergeben, dass Muslime sich in keinem anderen Land der Welt so sicher und so frei fühlen, wie in den USA. Deshalb sind die amerikanischen Muslime auch eine der integrationswilligsten Bevölkerungsgruppen der USA.
Bleibt die Hoffnung, dass am Ende die amerikanischen Traditionen der Toleranz und der Religionsfreiheit gegen die Angst und den Hass siegen. Nicholas Kristof beschrieb in einer Kolumne in der New York Times am Wochenende, wie Amerika immer wieder solche Phasen der Phobie überwunden habe - den Hass gegen Katholiken, gegen Juden, gegen Japaner, gegen Chinesen, gegen Deutsche.
Koran-Verbrennung: Jones gründete auch in Köln Gemeinde
Terrorgefahr: BKA warnt vor deutschen Islamisten
Was/Wer ist gemeint?
10.09.2010 | 16.08 Uhr | pp01
Nachdem, was ich bisher gehört habe ist vordergründig der Islam gemeint und nicht die Moslems. Aber es sind da schon einige ziemlich undifferenzierte…
Und überhaupt, ich bin nicht Jurist!
09.09.2010 | 23.41 Uhr | cghinKA
ich weiß aber wo ich nachschauen muss, http://dejure.org, und wen ich ggf fragen kann!
über:
Bibel, Koran und Old Glory (die Flagge der USA)…
@ to whom it may concern
09.09.2010 | 22.54 Uhr | cghinKA
zur Klärung: (tausend Zeichen sind zu knapp!)
@pp01 Ich will keinesfalls eine Gruppe gegen die andere ausspielen; das führt nur zu mehr Zank und…
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