Von Jakob Schlandt, 07.09.10, 21:42h
Bumillers Firma wäre für Rot-Grün und auch den SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel in der großen Koalition ein Aushängeschild gewesen. Eine Politik, die Spuren hinterlassen hat: Für Windparks sind in Deutschland in der Regel mittelständische Firmen die Investoren, bei Solaranlagen sogar oft die Bürger selbst. Die großen Stromkonzerne blieben außen vor und mussten zusehen, wie ihnen Jahr für Jahr mehr als ein Prozent des Strommarktes abhanden kam - allein durch die Erneuerbaren.
Doch nach knapp zehn Jahren wird in Deutschland der Aufbruch in eine bürgernähere Energieversorgung von der Regierung beendet. Fast alle Hebel sind von der schwarz-gelben Koalition in Richtung Großkonzerne umgelegt worden. Am prägnantesten ist die Laufzeitverlängerung von acht bis 14 Jahren für die deutschen Kernmeiler. Nach einer Berechnung des Arrhenius Instituts für Energie- und Klimapolitik belaufen sich die Zusatzeinnahmen durch die Meiler auf rund 85 Milliarden Euro.
Doch ob das eintrifft und wie viel davon abgeschöpft wird, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Das hängt vom Strompreisniveau der Zukunft ab. Fakt bleibt aber: Mit mehreren Dutzend Milliarden Euro Zusatzeinnahmen dürfen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW in den kommenden Jahrzehnten rechnen.
Doch es geht nicht nur um Geld. Die deutschen Atommeiler lassen sich zwar recht flexibel bis auf gut die Hälfte ihrer Leistung drosseln. Doch darunter geht nichts mehr. Ökostrom-Quellen wie die Solaranlagen, die Bumiller auf Dächern installiert, liefern aber nicht auf Bestellung Strom, sondern dann, wenn die äußeren Bedingungen günstig sind.
Der Konflikt mit den Kernkraftwerken ist so programmiert. Im Energiekonzept wird deshalb schon vorsichtig an der Demontage des Vorrangs der Erneuerbaren gearbeitet - damit würde allerdings die wichtigste Investitionsgrundlage für die Betreiber zerstört. So heißt es, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, dass die Abnahme des Öko-Stroms regelt, solle „stärker am Markt orientiert werden“.
Aber sogar der weitere Ausbau der Erneuerbaren soll sich an der Großindustrie orientieren. Vor allem ab 2030 werden ihnen kaum Potenziale zugerechnet - und damit vor allem die Förderung der Photovoltaik auch langfristig zu einem deutschen Irrweg erklärt. Stattdessen soll der Windkraft auf hoher See unter die Arme gegriffen werden. Fünf Milliarden Euro an günstigen Krediten für die ersten zehn Projekte sollen bereitgestellt werden. Bei RWE etwa sind Hochsee-Windräder mit vier Gigawatt Leistung vor den deutschen Küsten in Planung, die erste Windfarm soll schon 2013 fertig sein. Auch EnBW hat ein großes Projekt in Planung. Kein Wunder: Bei den Milliardenprojekten können die Konzerne ihre Erfahrung mit Großanlagen und ihre überlegene, durch die Laufzeitverlängerung gestärkte Finanzmacht voll ausspielen. Bei RWE wird hoch und heilig versprochen, nicht noch einmal die Fehler der Vergangenheit zu machen. „Wir haben lange das Potenzial der Erneuerbaren verkannt“, sagt ein Sprecher. „RWE ist spät gestartet und geht jetzt mit großen Schritten voran.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass der neue deutsche Energiemittelstand unter die Füße des selbst ernannten guten „Energieriesen“ kommt, ist allerdings beträchtlich.
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08.09.2010 | 08.56 Uhr | quintus prior
Kein Mensch wird sich in 100 Jahren noch an eine Regierung Merkel/Westerwelle erinnern. Aber den drei Mal so hohen Berg an tödlich giftigem Atommüll,…
Lob für die Regierung!
08.09.2010 | 00.57 Uhr | rheinwein
Ich gegrüße die getroffene Entscheidung sehr, würde aber die Laufzeitenden sogar ganz offen lassen.
Alles andere macht keinen Sinn und würde der…
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