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Ölkatastrophe

BP räumt eigene Fehler ein

Von Jakob Schlandt, 08.09.10, 14:01h, aktualisiert 09.09.10, 00:12h

Der Ölkonzern BP räumt in einem internen Bericht ein, dass technische Fehler und Versagen der eigenen Ingenieure zur Katastrophe im Golf von Mexiko geführt hätten. Allerdings besteht BP darauf, nicht allein verantwortlich zu sein.

Ölplattform Deepwater Horizon
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Die brennende Ölplattform Deepwater Horizon im April 2010. (Archivbild: dpa)
Ölplattform Deepwater Horizon
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Die brennende Ölplattform Deepwater Horizon im April 2010. (Archivbild: dpa)
FRANKFURT-M. - Um 21.20 Uhr bestellt der Chef der Bohrmannschaft seinen „Toolpusher“, den ersten Ingenieur, zum Rapport. Auf der Deepwater Horizon herrscht entspannte Stimmung, über dem Golf von Mexiko ist gerade die Sonne untergegangen. Wie der Drucktest gelaufen sei, will der BP-Mann von seinem Untergebenen wissen. „Gut“, lautet die knappe Antwort, mit der sich der Chef zufrieden gibt.

Eine fatale Fehleinschätzung, wie aus dem Untersuchungsbericht hervorgeht, den BP gestern vorgelegt hat. 20 Minuten später schießt zuerst Schlamm aus dem Bohrloch, dann Gas, das sich Sekunden später entzündet und zwei große Explosionen auslöst. Elf Menschen sterben. Zwei Tage später sinkt die Deepwater Horizon und das aus dem Bohrloch austretende Öl löst die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus.

Beim Drucktest sollte festgestellt werden, ob die Abriegelmechanismen des Bohrlochs, dass zeitweise stillgelegt werden sollte, funktionierten. Doch die Ingenieure übersahen, dass bereits zu diesem Zeitpunkt Gase aus dem Bohrloch nach oben drückten und drohten, ins vom Meeresgrund hinaufführende Bohrgestänge zu gelangen.

Kurze Zeit später wurde trotz der gefährlichen Situation schwerer Bohrschlamm, der kaum von Gasen durchdrungen werden kann, durch Salzwasser ersetzt, durch das Gas sich einen Weg bahnen konnte. Der fehlerhafte Drucktest, an dem auch der Betreiber der Bohrinsel, die Schweizer Firma Transocean, beteiligt gewesen sein soll, ist nur eines unter vielen Versäumnissen, die der BP-Report auflistet. Eine komplexe Ansammlung miteinander verwobener Ereignisse habe das Unglück ausgelöst. Beigetragen zum Unglück hätten Fehlfunktionen der Ausrüstung, menschliches Versagen und grundlegende Konstruktionsfehler seien zusammengekommen und hätten zur Eskalation der Ereignisse geführt.

„Zahlreiche Unternehmen, Arbeitsteams und Umstände haben eine Rolle gespielt“, heißt es. So habe zum Beispiel auch die Zementummantelung, die BP bei Halliburton in Auftrag gab, versagt, ebenso wie der sogenannte Blow-Out-Preventer am Meeresboden, der schon vor dem Unglück teilweise kaputt und offenbar sehr schlecht gewartet war.

BP nimmt mit dem Report wie erwartet einen Teil der Schuld auf sich, versucht aber auch zu zeigen, dass viele andere Firmen in die fatale Kette der Ereignisse involviert waren. BPs designierter Konzernchef Bob Dudley sagte, es gebe eine „gemeinsame Verantwortung“. BPs Aktien legten bis gestern Nachmittag um gut zwei Prozent zu, denn unter Händlern wird nun spekuliert, dass die Chancen gestiegen seien, dass BP die Kosten für die Aufräumarbeiten und hohe Schadenersatzforderungen möglicherweise nicht allein begleichen muss. Andererseits ist in den US-Öl-Gesetzen klar herausgestellt, dass BP die Hauptverantwortung trägt, weil das Unternehmen das Gebiet rund um die Quelle für zehn Jahre geleast hatte.

Der Besitzer der Bohrinsel, Transocean, widersprach darüber hinaus gestern den Untersuchungsergebnissen. BP habe durch Einsparungen ein erhöhtes Unfallrisiko in Kauf genommen. Transocean will nun eine eigene Untersuchung vorlegen. Die involvierten Firmen werden sich also vermutlich noch jahrelang den schwarzen Peter zuschieben.

Greenpeace-Öl-Experte Jörg Feddern forderte gestern, die Konsequenz aus dem Unglück müsse lauten, Ölbohrungen in der Tiefsee einzustellen. „Das Zusammenspiel von menschlichen und technischen Problemen kann bei Tiefseebohrungen immer wieder auftreten und betrifft nicht nur BP. Doch weder BP noch andere Ölkonzerne ziehen Konsequenzen aus diesem Desaster. Sie machen weiter wie bisher.“



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