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Deutsche Bank

Rekord-Kapitalerhöhung geplant

Erstellt 10.09.10, 14:48h

Die Deutsche Bank plant ihr Kapital um bis zu neun Milliarden Euro zu vergrößern. Mit der größten Erhöhung ihrer Geschichte will Bank-Chef Josef Ackermann die Postbank kaufen. Experten erwarten enorme Kursabschläge.

Deutsche Bank Gebäude
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Die Deutsche Bank in Frankfurt. (Bild: dpa)
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Die Deutsche Bank in Frankfurt. (Bild: dpa)
FRANKFURT - Mit der größten Kapitalerhöhung ihrer Geschichte will sich die Deutsche Bank für die schärfere Regulierung rüsten. Der Plan des Branchenprimus sehe vor, die Aktionäre schon bald um bis zu neun Milliarden Euro anzuzapfen, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen Reuters am Freitag. Mit dem Geld will Bankchef Josef Ackermann eine Komplettübernahme der Postbank finanzieren und deren dünne Kapitaldecke stärken - damit das Geldhaus die neuen Vorgaben der Regulierer problemlos erfüllt. Das hohe Volumen überraschte viele Finanzexperten: Die Kapitalerhöhung wäre zufolge die zweitgrößte in Deutschland nach der Emission der Deutschen Telekom vor gut zehn Jahren.

In Finanzkreisen wird bereits für die nächste Woche mit dem Schritt gerechnet. In den nächsten Tagen würden voraussichtlich die Investmentbanken ausgewählt, die die Erhöhung begleiten sollen. Am Wochenende beraten die Notenbankgouverneure und Chef-Finanzaufseher in Basel über schärfere Eigenkapitalvorschriften für Banken. Das Basel III genannte Regelwerk sieht nach Informationen aus Finanzkreisen eine Verdopplung der bisherigen Mindestanforderungen vor. Details hierzu werden am Montag erwartet. "Die Deutsche Bank wird abwarten, was am Wochenende beschlossen wird, und dann den Markt als Erste anzapfen", sagte ein hochrangiger Investmentbanker.

Enormer Kursabschlag erwartet

Wenn das größte deutsche Geldhaus mit einem Schlag neun Milliarden Euro einsammeln will, müsste es Experten zufolge aber einen enormen Kursabschlag von 20 bis 30 Prozent hinnehmen, damit der Markt die Summe verdauen kann. Würde sie ihr gesamtes genehmigtes Kapital von gut 300 Millionen Aktien ausschöpfen, entsprächen die angepeilten Erlöse einem Ausgabekurs von 30 Euro - derzeit notiert das Deutsche-Bank-Papier bei 47,50 Euro. Am Freitag verloren die Titel wegen der Aussicht auf eine kräftige Verwässerung gut fünf Prozent, während Postbank-Papiere dank der Übernahmeperspektiven 4,5 Prozent auf 27 Euro zulegten.

Bankchef Ackermann musste sich schon oft gegen Kritiker zur Wehr setzen, die die Kapitalausstattung seines Hauses als schwach im Vergleich zu anderen Investmentbanken bezeichneten. Er wies dies immer wieder zurück und betonte stattdessen, die Aktionäre nur für Zukäufe zur Kasse zu bitten. "Daher wird die Deutsche Bank die Postbank vordergründig als Hauptmotiv anführen", sagte ein Investmentbanker. Das Institut hält bereits knapp 30 Prozent an der Postbank. Seit Monaten kursieren Spekulationen, dass sich die Deutsche Bank die Bonner Privatkundenbank bald komplett einverleibt. Damit will Ackermann die immer wieder kritisierte Abhängigkeit vom Investmentbanking reduzieren und sich vollen Zugriff auf die 14 Millionen Privatkunden der Postbank sichern.

Im Februar 2012 bekommt die Deutsche Bank über eine Umtauschanleihe ohnehin weitere 27,4 Prozent vom anderen Großaktionär Deutsche Post - der dann auch an die freien Aktionäre zu zahlende Wandelkurs liegt aber bei 45 Euro. Wegen des derzeit niedrigeren Kurses wäre es für die Frankfurter daher billiger, den Postbank-Eignern schon jetzt ein Angebot zu machen.

Kaufpreis für Postbank etwa bei drei Milliarden Euro

Als Kaufpreis für die restlichen Postbank-Aktien erwarten Analysten zwei bis drei Milliarden Euro. "Daneben muss die Deutsche Bank einige Milliarden einrechnen, um die unterkapitalisierte Postbank zu stärken", sagte Dieter Hein, Finanzexperte beim Analysehaus Fairesearch. DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr geht von einem gesamten Kapitalbedarf von 8,2 Milliarden Euro aus. Als Basis legt er eine Kernkapitalquote bei der Deutschen Bank von elf Prozent an. Dies entspricht dem heutigen Niveau, während die Postbank nur auf 7,3 Prozent kommt. Mit elf Prozent würde das Institut die voraussichtlich ab 2013 geltenden Vorgaben von Basel III klar erfüllen - zumindest wenn man die heutige Definition des Kernkapitals zugrundelegt.

Die deutsche Bank wird nicht das letzte Institut weltweit sein, das sich in Folge der neuen Vorschriften frisches Kapital besorgt. Auch die größte griechische Bank, die NBG, hat bereits angekündigt, sich bis zu drei Milliarden Euro von den Aktionären zu besorgen. Der Bundesverband deutscher Banken rechnet für die zehn größten Geldhäuser hierzulande mit einem Kapitalbedarf von mehr als 100 Milliarden Euro. "Der Markt ist nach einer Kapitalerhöhung der Deutschen Bank nicht abgegrast, die Investoren warten schon auf die nächsten Kandidaten nach Basel III", sagte ein Investmentbanker. Die teilverstaatlichte Commerzbank denkt ebenfalls über einen solchen Schritt nach, der Termin ist aber noch offen. Ob dies 2010 angesichts des niedrigen Aktienkurses von 6,30 Euro noch was wird, bezweifeln allerdings immer mehr Experten. "Wenn die Commerzbank frisches Kapital braucht, wird sie eher nochmal zum Bund gehen", betonte Fairesearch-Analyst Hein.



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