Von Stefan Sauer, 14.09.10, 12:26h, aktualisiert 14.09.10, 21:12h
Dabei, und dies betonte Pharmakologe Schwabe, sei der skandinavische Nachbar nicht wegen eines besonders geringen Preisniveaus zum Vergleich herangezogen worden, „sondern weil dort die Daten öffentlich zugänglich sind“. Die Ausgaben in anderen Ländern könnten mithin noch niedriger liegen.
Regulierung fehlt
Es scheint also nicht so kompliziert, Gründe für die extrem hohen Arzneimittelausgaben in Deutschland zu finden. Dass an Pillen und Kapseln zwischen Flensburg und Oberstdorf bestens verdient wird, liegt laut Schwabe an einer deutschen Besonderheit, die die gesetzlich Krankenversicherten und deren Arbeitgeber 2009 rund 9,4 Milliarden Euro kostete: „Deutschland ist neben Malta und Dänemark das einzige Land, in dem pharmazeutischen Unternehmen Preise für patentgeschützte Arzneimittel frei festlegen können. In allen anderen EU-Ländern werden die Preise reguliert.“ Diese Regulierung orientiere sich an internationalen Preisvergleichen, wobei Deutschland oftmals als Referenzland diene. Daher hätten die Pharmahersteller ein großes Interesse daran, die Preise auf dem hiesigen Markt besonders hoch anzusetzen - was wegen fehlender Regulierung problemlos möglich sei.
Der über 1000 Seiten starke Arzneimittelreport verdeutliche, dass nicht zuvörderst Ärzte, Patienten oder Apotheker für den starken Ausgabenanstieg der Arzneimittel verantwortlich seien, sondern eben die Pharmahersteller. „Unter vier Augen bezeichnen Branchenvertreter die Verhältnisse bei uns als paradiesisch“, berichtet der ehemalige Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und Mitglied des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Leonhard Hansen. Hauptkostentreiber sind von jeher wenige Arzneimittelgruppen mit patentgeschützten Präparaten. So stieg der Umsatz der patentgeschützten Produkte laut Report von 1,6 Milliarden Euro 1993 auf 13,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. „Sie erklären damit fast den gesamten Anstieg der Arzneimittelkosten in diesem Zeitraum“, so Pharmakologe Schwabe.
Dabei ziehen die Patent-Medikamente aber auch die Preise für nicht geschützte Präparate nach oben. „Für Generika werden 70 bis 80 Prozent des Preises für die Original-Arzneien verlangt, deshalb sind auch Generika in Deutschland extrem teuer“, weiß SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.
Sogar in der Schweiz sind Generika nach Schwabes Angaben billiger: „Viele althergebrachte Privilegien der Pharmaindustrie sollten abgeschafft werden.“ Wie das gehen könnte? Lauterbach schlägt eine „einfache Maßnahme“ vor: „Die Bundesregierung müsste die Preise nur auf dem durchschnittlichen europäischen Niveau festlegen, dann könnte die GKV jedes Jahr fast zehn Milliarden Euro sparen.“ Bis es soweit ist, steigen die Arzneimittelausgaben weiter. Nach einem Plus um 4,8 Prozent 2009 betrug die Steigerungsrate nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der AOK Schleswig-Holstein und Mitherausgeber des Arzneimittelreports, Dieter Paffrath, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 4,6 Prozent. Erneut ein Milliardengeschäft.
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@Bertha
14.09.2010 | 20.39 Uhr | R.Bell
und warum sind wir am teuersten?
Als ich ein Kind war, hat der Hausarzt alles gemacht, ausser Zähneziehen. Heute gibt es für jeden Furz zig…
Ja, ja...
14.09.2010 | 20.34 Uhr | fools hall of fame
... und genauso sieht's bei allen anderen deutschen Produkten, welche weltweit vertrieben werden aus... Deutsche Autos z.B., die sind im Ausland…
@vidal: Wieso sind wir am....
14.09.2010 | 18.39 Uhr | Bertha
.... teuersten? Das kann ich Dir sagen.
Deutsche gehen im Schnitt 18 Mal pro Jahr zum Arzt, Schweden dagegen nur 3 mal. Und Deutsche sind deshalb…
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