Von Ralf Rohrmoser-von Glasow, 29.09.10, 16:19h, aktualisiert 29.09.10, 16:22h
Akgün erzählt - natürlich autobiografisch - von ihren Anstrengungen, als Quereinsteigerin Fuß zu fassen in sozialdemokratischen Ritualen, vom Kölsch nach der Ortsvereinsversammlung bis zum Straßenwahlkampf. Sie berichtete von den roten Genossen, die sich blaue Pillen wünschen. Aus ihrem Urlaub in der Türkei nämlich soll sie Viagra mitbringen, weil Medikamente dort viel billiger sind. Wer allerdings die wichtigen Herren waren, die sich für einsame Berliner Nächte stärken wollten, verriet Akgün nicht.
Augenzwinkernd gab sie Einblicke unter die Reichstagskuppel, verstieg sich nicht in reißerische Enthüllungsattitüden, widerstand allerdings auch der Versuchung, sich als die bessere Genossin darzustellen. Liebevoll skizzierte sie ihre Familie, die jeden Freitag zum „Dorf-Café“ zusammenkommt, um Neues aus der Hauptstadt zu erfahren.
Tante Semra etwa würde den Genossen schon mal gerne zeigen, was eine fromme Muslima ist. Nichte Hilal diskutiert mit ihrer Tante Lale das sozialdemokratische Outfit für die Plenarsitzung, Ehemann Ahmet präsentiert sich als Sparfuchs. Es ist ein eigener Mikrokosmos, der sogar einen CDU-Mann als neuen Partner einer der vielen Tanten verträgt. Politisch immer korrekt, mit ironischen Seitenhieben vor allem in Richtung türkischer Lebensweisen, entfaltet Akgün einen köstlichen Reigen kleiner Alltagsgeschichten rund um eine Bundestagsabgeordnete und ihre ersten Schritten in die Parallelwelt rund um den Reichstag.
Als die Tränen getrocknet waren, wurde die Referatsleiterin im nordrheinwestfälischen Integrationsministerium ernst. Im Januar erscheint ein weiteres Buch von ihr. Es beschäftigt sich mit der Frage, wie ein moderner Islam aussehen kann. Ein humorvolles Bändchen über Integration schwebt ihr vor.
Thilo Sarrazin nannte sie rassistisch, die Türkei sieht sie in absehbarer Zeit nicht in der Europäischen Union: „Ein klares Nein.“ Ihre offenen Antworten auf Fragen beeindruckten das Publikum mindestens so wie der heitere Wortwitz zuvor.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
04. März 2012,
E-Werk Köln
![]() |
Mahjongg Fortuna » 2337 Spieler |
![]() |
Zuma » 1507 Spieler |
![]() |
Bookworm » 1263 Spieler |
![]() |
Bubble Shooter » 1034 Spieler |
![]() |
Bejeweled 2 » 956 Spieler |