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„Harvey's“

Forderung nach Ruhe

Von Helmut Frangenberg, 18.01.11, 10:58h

Seit zehn Jahren setzt sich Wirtin Antje Hoepfner mit einem Hausbewohner auseinander, der in der Wohnung über ihrem „Harvey's“ im Agnesviertel wohnt. Nun ist das Traditionslokal geschlossen – der Mitevertrag für die Kneipe wurde gekündigt.

Antje Hoepfner
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Antje Hoepfner muss ihr Lokal schließen. (Bild: Bause)
Antje Hoepfner
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Antje Hoepfner muss ihr Lokal schließen. (Bild: Bause)
Fast dreißig Jahre hat Antje Hoepfner das „Harvey's“ im Agnesviertel betrieben. Jetzt ist die Institution im Viertel geschlossen - nach einer zehnjährigen Auseinandersetzung mit einem Hausbewohner, der im Jahr 2000 die Wohnung über der Kneipe gekauft hatte - wohlwissend, wo er sich niederließ.

„Wenn man die Gerichtsakten über diesen Streit liest, könnte man glauben, ich hätte hier eine Rockerkneipe betrieben“, sagt Hoepfner (70). Immer wieder neue Berichte über Krach und Gerüche sowie die Erwiderungen dazu dürften mehrere Regalmeter füllen. Dabei sei das Harvey's eine ganz normale Veedelskneipe gewesen. Lautere Parties habe es nur von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch gegeben, sagt Hoepfner.

Ihr Vermieter ließ Lärmmessgeräte aufstellen, erneuerte Decke und Boden, dichtete Rolladenkästen ab, besserte immer wieder nach. Schien ein Problem gelöst, fand der Nachbar, ein Arzt aus Düren, ein neues, erzählt die Wirtin. „Der Herr wollte zentral wohnen, aber Ruhe haben wie am Königsforst.“

Kein Kompromiss möglich

Selbst an Karneval habe der Nachbar das Ordnungsamt gerufen. Nach Aschermittwoch schickte er dem Vermieter die Rechnung eines Kölner Top-Hotels in Domnähe, weil er zum Auszug gezwungen worden sei. Um ihrem Vermieter Ärger zu ersparen, habe sie dann sogar an den meisten Karnevalstagen geschlossen. Nach dem Tod ihres bisherigen Vermieters hatten seine Erben nun jedoch kein Interesse mehr an dem nervenaufreibenden Streit. Und kündigten den Mietvertrag.

Ein Interessenausgleich sei nie wirklich möglich gewesen, meint Stammgast Klaus Trapp. „Da war kein Millimeter Spielraum. Die Schließung ist ein schmerzhafter Verlust fürs Veedel.“ Für Hoepfner, die vor dem Harvey's im Kwartier Latäng die legendäre „Kneipe ohne Namen“ betrieb, geht es um Grundsätzliches: Die Durchsetzung der Interessen Einzelner würde zu einer „Verarmung des sozialen Lebens in der ganzen Stadt“ führen. Kneipen seien „Orte, die die Großstadt lebenswert machen“. Auch die Rechtsprechung in dieser Frage verstehe sie nicht. Das sei, als ziehe jemand in ein Dorf und klage dann gegen den krähenden Hahn.

Hoepfner hätte gern noch ein paar Jahre gearbeitet und dann die Kneipe gegen eine Ablöse weiter gegeben. Die Rente, die sie nun beziehe, reiche wohl nicht aus, um ohne staatliche Unterstützung über die Runden zu kommen. Ihr Stammgäste hatten angeboten, die Kneipe zu übernehmen - doch man ließ sie nicht. Die Vermieter werden aus dem Lokal nun wohl eine Eigentumswohnung machen.



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