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Ein Stein voller Mythen

Von Susanne Kreitz, 28.01.11, 19:37h, aktualisiert 28.01.11, 19:39h

Das Römisch-Germanische Museum zeigt in einer Sonderausstellung Schmuck aus der Basilikata. 1980 erschütterte ein schweres Erdbeben die italienische Region, anschließend wurden Gräber mit reichen Beigaben gefunden.

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Anhänger mit Darstellung eines gfeflügelten Kriegers. (Bild: RAKO)
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Anhänger mit Darstellung eines gfeflügelten Kriegers. (Bild: RAKO)
Köln - Für Schmuckkünstler in den Touristenorten an Nord- und Ostsee ist Bernstein heute noch ein einträgliches Geschäft, doch schon in der Antike war der Stein eine faszinierende Kostbarkeit. Und ein Mythos, rund 15 Theorien zur Entstehung gibt es. Die berührendste ist wohl die des Dichters Ovid: Phaeton habe mit dem Sonnenwagen seines Vaters Helios' den Himmel durchquert und sei dabei der Erdkugel zu nahe gekommen. Damit diese nicht verbrenne, traf ihn ein Blitz des Zeus. Phaeton stürzte in den Fluss Eridanos. Seine drei Schwestern wuchsen vor Trauer um den Bruder am Boden fest und wurden zu Bäumen. Ihre Tränen, die ununterbrochen aus der Baumrinde sickerten, wurden von der Sonne gehärtet und in Bernstein verwandelt.

Das Römisch-Germanische Museum (RGM) zeigt in einer Sonderausstellung „Zauber Bernstein - Schmuck und Amulette aus der Basilikata“. 1980 erschütterte ein schweres Erdbeben die Region am Fuß des italienischen Stiefels, anschließend wurden Gräber mit reichen Beigaben gefunden - aus Bernstein. In der Ausstellung ist jedem Grab eine Vitrine gewidmet.

Betrunkene Liebesgötter

Es gibt kleine Kunstwerke, geflügelte Wesen, Anhänger in Form eines Frauenkopfes, ein Schiff mit musizierenden und Wein trinkenden Amoretten (kleine Liebesgötter). Vor allem die Ketten aus mehreren Reihen dicker Perlen sind von einer verblüffend zeitlosen Schönheit. Die Perlen sind dunkelrot und haben eine spröde Oberflächen. „Bernstein wird im Lauf der Jahrzehnte in der Erde rot“, erzählt Friederike Naumann-Steckner, stellvertretende Leiterin des RGM. Im Wasser dagegen sei das Material unverwüstlich. Am Eingang zur Sonderausstellung liegt ein neuer Bernstein auf einem kleinen Podest, anfassen ist ausdrücklich erwünscht. Auf einer Seite sind Spuren zu sehen, wie das flüssige Harz an der Baumrinde entlang geflossen ist.

Ausgestellt sind knapp 200 Kleinkunstwerke, darunter vollständige Schmuck-Ensembles aus 17 Gräbern der Oberschicht der antiken Basilikata. Dass sie in Köln gezeigt werden können, ist, so Marcus Trier, kommissarischer Direktor des RGM, der Unterstützung des Italienischen Kulturinstituts in Köln zu verdanken.

Zauber in Bernstein, Römisch-Germanisches Museum, Roncalliplatz 4, bis 25. April, geöffnet täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr; 3. bis 8. März geschlossen.



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