Von Hariett Drack, 26.01.11, 11:09h, aktualisiert 03.02.11, 14:42h
Der gewaltsame Tod einer 80-jährigen Rentnerin beschäftigt seit Mittwoch das Landgericht. Sabine A., eine 26 Jahre alte Nachbarin, hat die Seniorin offensichtlich im Wahn erstochen. Die Staatsanwältin beantragt deshalb, A. auf Dauer in eine geschlossene Anstalt einzuweisen. „Die Tat geschah heimtückisch und aus niederen Beweggründen, aber auch im Zustand der Schuldunfähigkeit“, erklärte die Anklägerin am ersten von drei geplanten Verhandlungstagen.
Sabine A., die an Verfolgungswahn und einer „drogenindizierten Psychose“ leidet, hatte im Juni vergangenen Jahres bei der Rentnerin geklingelt, um sich wegen einer angeblichen Ruhestörung zu beschweren. Mit einem 20 Zentimeter langen Messer stach sie 17 Mal auf die Seniorin ein. Anschließend kehrte sie in ihre eine Etage tiefer gelegene Wohnung in dem Zollstocker Mehrfamilienhaus zurück, duschte und stopfte ihre blutigen Kleider in die Waschmaschine. Die Rentnerin starb fünf Wochen später im Krankenhaus an den Folgen der Verletzungen.
„Die Tathandlungen treffen zu, so weit sie sich erinnert“, sagt Sabine A.'s Verteidiger. „Es tut mir alles so leid“, fügt sie selbst hinzu, an das „eigentliche Tatgeschehen“ habe sie jedoch keine Erinnerung. Bei der Schilderung ihres Lebenslaufes wird deutlich, dass die junge Frau schon früh psychische Auffälligkeiten zeigte und ihr Elternhaus alles andere als eine Stütze war:
Verkorkste Kindheit
Beide Eltern sind heroinabhängig. Die Mutter hat wechselnde Männerbekanntschaften und duldet sexuelle Übergriffe auf die minderjährigen Tochter. Mit zwölf Jahren versucht das Mädchen, sich die Pulsadern aufzuschneiden, weil sie von drei Männern vergewaltigt wurde. Das Trio wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Ein Jahr später nimmt Sabine A. zum ersten Mal Drogen: Koks, Amphetamine, Cannabis. „Ich konnte mein Leben nicht anders ertragen“, gibt sie als Motiv an. Mit 18 Jahren geht sie „anschaffen“, wie sie sagt: „Ich kannte es ja nicht anders. Für mich war das normal“.
Immer wieder kommt es zu Aufenthalten in der Psychiatrie. Nur einmal scheint es für einen kurzen Moment in ihrem Leben aufwärts zu gehen. Sie wird 2004 schwanger und lässt nach eigener Aussage augenblicklich die Finger von den Drogen. Ihre heute fünfjährige Tochter lebt inzwischen beim Vater. Doch die Frau wird rückfällig, fühlt sich von Zufallsbekanntschaften aus der Straßenbahn verfolgt und lässt Alltagspflichten immer mehr schleifen. Sie bleibt mit der Miete im Rückstand, legt sich mit vielen Nachbarn an.
Am Tattag hatte sie Besuch vom Gerichtsvollzieher - der sie vergeblich drängte, psychiatrische Hilfe anzunehmen.
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