Erstellt 27.01.11, 15:26h, aktualisiert 27.01.11, 17:14h
Bei einem Treffen mit deutschen und polnischen Jugendlichen sagte Wulff, nach dem Zweiten Weltkrieg habe es keinen einzigen Tag in der Welt ohne Krieg gegeben. Aus Anlass des 66. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers rief Wulff die Jugend auf, sich verantwortlich für das Geschehen in der Welt zu fühlen. Das Schlimmste für Freiheit und Demokratie sei Gleichgültigkeit, sagte der Bundespräsident. "Die Erinnerung muss ewig wachgehalten werden. Das sind wir nicht nur uns, sondern allen schuldig."
Wulffs polnischer Kollege Bronislaw Komorowski sagte, es gelte die Frage zu stellen, wie die Welt vor Verbrechen, Hass und der Missachtung der Menschenrechte geschützt werden könne. "Dies sind wir allen schuldig, die in Auschwitz gestorben sind, aber auch all jenen, die vor nicht so langer Zeit auf dem Balkan und anderswo gestorben sind", sagte der polnische Präsident.
Gemeinsam mit mehreren Überlebenden, Jugendlichen und Vertretern der jüdischen Gemeinde legten beide Staatschefs Kränze an der Hinrichtungsmauer in Auschwitz nieder. Anschließend nahmen die Präsidenten an der zentralen Gedenkfeier in Birkenau für die rund 1,1 Millionen während der Nazizeit in den beiden Lagern ermordeten Menschen teil.
In Berlin sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bei der Gedenkstunde im Parlament, in welch schrecklichem Ausmaß auch Angehörige der Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt worden seien, sei lange Zeit außerhalb des öffentlichen Bewusstseins geblieben. "Umso wichtiger ist es, dass wir uns an sie erinnern." Noch heute fühlten sich viele Sinti und Roma diskriminiert und stigmatisiert, auch in Deutschland. Sie seien die größte und "zugleich die wohl auch am meisten diskriminierte Minderheit Europas", sagte Lammert. Er begrüße es daher, dass sich Ungarn während seiner EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2011 für eine Verbesserung ihrer Situation einsetzen wolle.
Lammert bekräftigte, dass die Nachgeborenen die Schrecken der Geschichte nicht vergessen dürften. "Die Opfer verpflichten uns, alle Formen von Diskriminierung und Intoleranz zu ächten und jeder Art des Hasses und der Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten", sagte der Bundestagspräsident.
Der niederländische Holocaust-Überlebende Zoni Weisz, der als erster Vertreter von Sinti und Roma bei der erstmals 1996 abgehaltenen Gedenkstunde im Bundestag sprach, bezeichnete die Verfolgung seines Volkes durch die Nationalsozialisten als "vergessenen Holocaust". Die Medien hätten diesem Thema wenig Aufmerksamkeit gewidmet, in vielen Gedenkreden sei in keiner Weise an das Schicksal der Sinti und Roma erinnert worden. Die Gesellschaft habe fast nichts daraus gelernt, "sonst würde sie heute verantwortungsvoller mit uns umgehen", sagte Weisz. Bis heute würden Sinti und Roma vor allem in osteuropäischen Ländern wie Bulgarien und Rumänien noch immer menschenunwürdig behandelt. (afp)
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