Von Johannes Puderbach, 06.02.11, 17:19h
Hintergrund
„Die Staumauer des Kronenburger Sees hat keine Fischtreppe“, erklärten Reinhold Müller, Dahlemer Bürgermeister und Verbandsvorsteher der Zweckverbandes Kronenburger See, und seine Stellvertreterin Diane Schmitz, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Obere Kyll, den Hintergrund der Aktion. Wegen der Betonmauer können die Forellen nicht zu ihren natürlichen Brutstätten oberhalb des Stausees gelangen. Aus diesem Grund ist der Zweckverband verpflichtet, für einen ausreichenden Fischbestand zu sorgen.„Bisher setzten wir alljährlich rund 1500 Jungfische aus, die in der Zucht von Menschen gefüttert wurden“, so Müller. Doch diese Fische waren ziemlich zahm und kannten die Gefahren der freien Natur nicht. Sobald sie den Schatten eines Kormorans erblickten, dachten die Forellen wohl, ein Mensch wolle sie füttern. Sie kamen an die Oberfläche der Kyll und waren auch schon aufgefressen.
„Nun wollen wir ein naturnahes Verfahren anwenden“, erklärte Dr. Heinz Rütz, der diese neue Methode schon an der Ahr angewendet hat. Und zwar schaffte der Zweckverband sechs „Babyfisch-Brutboxen“ an, vier weitere Exemplare kaufte der ASV, der insgesamt rund 15 Kilometer der Kyll gepachtet hat. In jede dieser Brutboxen kommen 5000 Forelleneier, die vom Bauch der Mutter abgestreift wurden. Dabei handelt es sich um Eifeler Bachforellen.
270 Tagesgrade
Nach dem Befüllen wurden die Brutboxen mit Hilfe von Seewart Andreas Mainz in die fünf Grad kalte Kyll gesetzt. Nach insgesamt 270 Tagesgraden - dies entspricht zum Beispiel 27 Tagen mit zehn Grad Wassertemperatur - werden aus rund 98 Prozent dieser Eier winzige Fische schlüpfen. Und erst dann können sie ihre „Babyfisch-Brutbox“ verlassen und die Kyll erkunden. „Die Überlebensquote der Forellen ist bei dieser Methode wesentlich höher“, erklärte Rütz.Schon als winzige Fische lernen sie das Nahrungsangebot der Kyll kennen, passen sich der Wasserchemie an, gewöhnen sich an Krankheitserreger und passen auf ihre natürlichen Fressfeinde auf. Diese Methode wurde in vielen anderen Bächen bereits mit Erfolg erprobt.
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