Von Kirsten Boldt, 25.03.11, 07:16h, aktualisiert 07.04.11, 08:07h
Vor ein paar Tagen haben jüngere Schüler im Eingang der Kaiserin-Theophanu-Schule eine Art Klagemauer errichtet. Rund um das Schild „Ein Herz für Japan“ sind gute Wünsche und Aufrufe zum Durchhalten drapiert. „Halte durch, Japan!“, „Betet für Japan!“, „Ihr seid nicht allein“, „50 Männer, die vielleicht die Welt retten“ steht auf den gelben Klebezetteln; und auch ein Flehen: „Ihr seid doch mein Pokemon!“.
„Viele sind durch die Fernsehbilder tief betroffen vom Leid der Menschen. Die Kinder und Jugendlichen selbst fühlen sich oft hilflos, sie können ja nicht direkt helfen. So drücken sie wenigstens ihr Mitgefühl aus“, sagt Heike Trumpa.
Seit fünf Jahren engagiert sich die Diplom-Übersetzerin für Japanisch/Koreanisch in der Schule für ein in Köln einmaliges Angebot: ein Japanisch-Grundkursus ab Klasse zehn, der als drittes oder viertes Abiturfach gewählt werden kann. 26 Schülerinnen und Schüler lassen sich derzeit nicht nur auf eine vollkommen andersartige Sprachstruktur ein, sondern auch auf eine fremde Kultur. Täglich stellt Trumpa Dossiers mit den neuesten Presseberichten über die Natur- und Nuklearkatastrophen zusammen. „Das Bedürfnis nach Information und dem Gespräch darüber ist groß. Aber was die Schüler verkraften müssen, ist auch psychisch belastend.“
„Mein Radiowecker ist auf die Nachrichten eingestellt. Jeden Morgen höre ich als allererstes, dass die Lage im Kraftwerk Fukushima weiterhin dramatisch ist, dass sich die Lage ein wenig gebessert hat oder dass doch wieder Rauch aufgestiegen ist. Es ist deprimierend, aber ich will das trotzdem sofort erfahren“, sagt Elena Kubitzki (18).
Als Tochter eines japanischen Vaters erlebte Rosa-Rey Knapp (18) die Sorge um die Verwandten im fernen Osten am stärksten: „Mein Großvater, eine Tante und einOnkel leben in Kashiwazaki im Nordwesten Japans. Bei denen ist aber alles in Ordnung.“ Sorgen um ihre japanische Gastfamilie in Fukuoka im Süden des Landes macht sich Helena Koutny (17). Während der Japan-Schulreise vergangenen August wohnte sie bei einer Studentin. „Ich habe ihr eine Mail geschickt und wollte wissen, wie es ihr geht. Aber bis jetzt habe ich keine Antwort bekommen.“
Um doch etwas für die Menschen in Japan tun zu können, sammelt die Schule jetzt Spendengelder. „Wir haben beschlossen, es dem Verband der Deutsch-Japanischen Gesellschaften zukommen zulassen“, erklärt Schulleiterin Monika Lindberg. Der Verband will nach eigener Aussage mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Sendai völkerverbindende Projekte unterstützen.
Dass auch Politiker derzeit nach Formen suchen, ihr Mitgefühl mit den Opfern der Katastrophen zu zeigen, erlebten die Schüler am vergangenen Freitag. Schulministerin Sylvia Löhrmann reiste aus Düsseldorf an, verbrachte mit ihnen die Schweigeminute im Gedenken an die Opfer und sprach mit ihnen darüber, wie sie die Geschehnisse in Japan erleben.
Wenn sich die Strahlenbelastung in Fukushima nicht bald so verringert, dass die Deutsche SchuleTokio/ Yokohama in ihre Räume in Yokohama zurückkehren kann, wird das Gymnasium zum Notquartier für 36 Abiturienten und ihre Lehrer. Die Schüler müssen noch ihre mündliche Prüfungen absolvieren. „Bei unserem starken Interesse an Japan ist es für uns selbstverständlich , die Räume anzubieten“, sagt Lindberg. Der Leiter der Auslandsschule will sich am Freitag die Schule in Kalk ansehen.
Infos: Erfahrungen mit einer andersartigen Kultur
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