Schriftgröße

AZ Kalk

Polizei kritisiert Räumungsabsicht

Von Helmut Frangenberg, David Graaf und Tim Stinauer, 29.03.11, 21:23h, aktualisiert 29.03.11, 21:39h

Die Sparkasse will an der Räumung des „Autonomes Zentrum“ in Kalk festhalten. Kritik an dem Vorhaben kommt nicht nur von den Grünen und der Linken. Auch die Polizei sieht den geplanten Einsatz skeptisch. Denn die Besetzer seien bislang immer friedlich gewesen.

Gebäude
Bild vergrößern
Nach knapp einem Jahr Besetzung steht die Räumung des "Autonomen Zentrums" in der Wiersbergstraße 44 bevor.
Gebäude
Bild verkleinern
Nach knapp einem Jahr Besetzung steht die Räumung des "Autonomen Zentrums" in der Wiersbergstraße 44 bevor.
Kalk - Die Sparkasse hat einen Räumungstitel für die ehemalige KHD-Kantine in der Kalker Wiersbergstraße erwirkt. Sie dringt auf die Räumung des besetzten Hauses, in dem seit nun fast einem Jahr ein „Autonomes Zentrum“ Kultur- und Politikveranstaltungen anbietet. Mehrere hundert Mitstreiter und Besucher des Zentrums hatten sich am Dienstagmorgen in Kalk versammelt, das Haus verbarrikadiert und Straßensperren errichtet.

Sparkasse und Gerichtsvollzieher haben die Polizei eingeschaltet, um die Räumung des Hauses durchzusetzen. Aufgrund des zu erwartenden Widerstandes wurde die Räumung am Nachmittag aufgeschoben. Zuvor hatten die Besetzer die Forderung der Polizei erfüllt, die Rettungswege wieder frei zu räumen. Die Sparkasse pochte darauf, „die Rechtsstaatlichkeit wiederherstellen“ zu wollen. Die Besetzung sei illegal. Außerdem gingen „Gefahren von dem Gebäude aus“.

Unternehmenssprecher Norbert Minwegen widersprach den Verantwortlichen des „Autonomen Zentrums“, die behauptet hatten, dass keine Gespräche mit der Sparkasse möglich gewesen seien. Man habe zuletzt durchaus auch angeboten, das Haus zu vermieten und dadurch eine Legalisierung der Nutzung zu erreichen, so Minwegen. Auch die SPD kritisierte die fehlende Bereitschaft der Besetzer, sich eine legale Struktur zu geben, um verhandeln zu können. Sie hätten einen Verein gründen müssen, der dann Vertragspartner sein könnte. Stattdessen habe man immer nur Leute „kennengelernt“, die nicht mehr als ihren Vornamen preisgeben wollten, sagte die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Susanna dos Santos.

Im Falle einer Räumung leisten wir keinen aktiven Widerstand

Sprecher der Besetzer kündigten an, passiven Widerstand gegen eine Räumung leisten zu wollen. Seit vier Uhr morgens hatten sich am Dienstag rund 200 Menschen in und vor dem Haus getroffen. In einem sogenannten „Aktionskonsens“ haben die Besetzer Verhaltensregeln festgelegt. Eine Regel lautet: „Im Falle einer Räumung leisten wir keinen aktiven Widerstand. Das bedeutet unter anderem: Nichts werfen, keine Barrikaden anzünden, keine körperlichen Angriffe auf Polizisten.“

Intern steht die Polizei einer Räumung zurückhaltend gegenüber. Die Besetzer hätten sich bislang stets friedlich verhalten, hieß es. Wie zu erfahren war, hat die Behördenleitung Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) ihre Bedenken schriftlich mitgeteilt, aber auch zugesichert, ihrer Pflicht zur Räumung im Falle eines Ersuchens durch den Gerichtsvollzieher nachzukommen.

Die Grünen kritisierten die geplante Räumung. „Die Nutzung des Gebäudes für soziokulturelle Aktivitäten sollte bis zu einer endgültigen Bebauung des Areals geduldet werden.“ Die Partei „Die Linke“ attackierte SPD und Oberbürgermeister. Sie versteckten sich hinter der Sparkasse, die zusammen mit der Polizei vor dem Verkauf des Hauses an die Stadt die „Drecksarbeit“ leisten müsse. Hintergrund ist die Entscheidung der Europäischen Union, die der Sparkasse aufgetragen hat, Tochterunternehmen zu verkaufen. Das Haus in Kalk gehört zu den Immobilien, die abgegeben werden müssen. Experten vermuten, dass die Stadt die Sparkassen-Töchter übernehmen muss. Die Vorgaben der EU könnten aus Sicht der Sparkasse auch durch einen Verkauf auf dem freien Markt an einen Dritten erfüllt werden.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige






Aktuelle Verkehrsinfos


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Erste Birkenstock-Verbrau

30. Juni 2012,
MMC Studios/Glashaus

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion


Anzeige



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste