Schriftgröße

Interview

Frank Schaefer ist tief enttäuscht

Erstellt 16.04.11, 14:02h, aktualisiert 16.04.11, 14:21h

FC-Trainer Frank Schaefer hat sein Bedauern darüber geäußert, dass eine öffentliche Diskussion über seinen christlichen Glauben entstanden ist. Er bezeichnete das von FC-Sportdirektor Volker Finke zitierte Thema als „menschlich schon nicht einfach“.

Frank Schaefer
Bild vergrößern
FC-Trainer Frank Schaefer. (Bild: dapd)
Frank Schaefer
Bild verkleinern
FC-Trainer Frank Schaefer. (Bild: dapd)
Herr Schaefer, Sportdirektor Volker Finke hat in dieser Woche über Sie gesprochen und über mögliche Motive für Ihr Zögern in Sachen Vertragsverlängerung. Fühlen Sie sich richtig wiedergegeben?

FRANK SCHAEFER: Volker Finke steckt nicht in meiner Haut. Das ist ein persönliches und kein Sachthema. Er wollte helfen, meine Motivlage einzuordnen.

Es ging in seinen Aussagen auch um die Religion, um Ihren Glauben. Bedauern Sie es, dass diese Thematik in der Öffentlichkeit steht?

SCHAEFER: Das Thema wurde öffentlich stark aufgegriffen und geht stark in den ganz persönlichen Bereich. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, aber dass die ganze Thematik jetzt darauf reduziert wird und in eine Richtung gedrängt wird, die mein Leben bestimmt, ist menschlich schon nicht einfach. Immer wieder darüber zu lesen ist eine Erfahrung, die ich erst verarbeiten muss. Volker Finke hat versucht, die Beweggründe besser einzuordnen. Aber es herrscht eine Diskrepanz zwischen seinem Antrieb und den Dingen, die später daraus gemacht wurden.

Sportdirektor Volker Finke redet oft zur Mannschaft. Stört Sie das?

SCHAEFER: Aus Trainersicht ist es immer wichtig, sich auszutauschen. Es passiert immer, dass Ansprachen von anderen gehalten werden. Man verbrennt sonst, wenn man fünf-, sechsmal die Woche zur Mannschaft redet.

Wie ist ihr Verhältnis?

SCHAEFER: Wir haben ein intensives, vertrauensvolles und ehrliches Verhältnis und sprechen über alles. Wir profitieren von unseren Erfahrungen. Es wäre falsch, wenn einer nicht auf den anderen zurückgreifen würde.

Was denken Sie über die Veröffentlichungen von Kabinen-Interna wie etwa Finkes Kritik an Ihren Auswechslungen in Mönchengladbach?

SCHAEFER: In der Woche gibt es 200 Dinge in der Kabine, die interessant sind für die Öffentlichkeit. Das ist ein intimer Bereich, und es wäre naiv zu denken, dass Dinge nicht nach außen gelangen. Bei mir ist das aber nicht so, es bleibt alles intern. Das erwarte ich auch von den Spielern.

Dann müssen Sie die Vorfälle in dieser Woche enttäuscht haben?

SCHAEFER: Aus unseren Spielersitzungen, auch mit unserem Teampsychologen, der richtig gute Arbeit leistet und zum Erfolg nach der Winterpause beigetragen hat, kommen immer wieder Interna nach Außen. Das ist richtig enttäuschend für mich, gar keine Frage. Nur, wie willst du dem entgegentreten? Es ist einfach so, dass Journalisten natürlich Kontakte zu Spielern haben und da auch Netzwerke entstehen. Wie soll man da als Trainer reagieren? Jetzt mal allen Ernstes! Ich sage klar, dass das natürlich eine Situation ist, die mich richtig massiv enttäuscht.

Sind das Dinge, die Sie bezüglich Ihrer Zukunft ins Grübeln bringen?

SCHAEFER: Auch das, ja.

Waren die Ereignisse der vergangenen Woche somit für Ihre Zukunft als Profi-Trainer kontraproduktiv?

SCHAEFER: Es ist nur eine Woche. Im Großen und Ganzen muss man ganz klar sagen, wir haben hier 30 Punkte aus 20 Spielen geholt. Wir haben Rückfälle gehabt, wir haben wirklich in den sechs Monaten so viele Sachen dabeigehabt, die viele andere in einem längeren Zeitraum erleben. Das sind schon Erfahrungen, die ich auch nicht missen möchte. Das können Sie mir glauben. Aber ich muss schon sagen, wir haben hier auch richtig was bewegt. Wir haben Zuschauer wieder aufgeweckt, die den Klub wieder mit anderen Augen sehen und mit positiven Werten und mehr Sympathie verbinden. Und ich sage nicht, dass das Frank Schaefer und Dirk Lottner waren. Das hat etwas mit dem ganzen Team zu tun. Mitarbeiter, Geschäftsführung und Vorstand haben es wirklich geschafft, den 1.FC Köln wieder mit positiven Dingen zu besetzen. Wir haben richtig geile Spiele gehabt und es ist entscheidend, jetzt über die Ziellinie zu kommen und das Schiff sicher in den Hafen zu führen. Und so wird davon nichts dazu beitragen, dass sich irgendetwas kontraproduktiv in meiner Richtung bewegt.

Ist das Spiel gegen den VfB Stuttgart für Sie ein Matchball?

SCHAEFER: Der Abstiegskampf ist ein Marathon und wir sind auf der Zielgeraden. Wenn uns ein Sieg gelingt, ist es ein großer Schritt. Wir müssen alle Kraft investieren.

Wirkt die 1:5-Pleite vom Wochenende noch nach?

SCHAEFER: Wir sind in Mönchengladbach tief gefallen. Aber es ist ganz entscheidend, wieder aufzustehen. Im Leben und im Fußball. Das werden wir angehen.

Kann es sich ein Profi-Verein erlauben, die Trainerfrage erst nach der Saison zu klären?

SCHAEFER: Wir sind so aufgestellt, dass die Planung optimal verläuft. Wir haben unabhängige Gremien, die die Philosophie des Vereins festlegen. Ich bin zu 100 Prozent in alle Dinge integriert. Fühlen Sie sich von Präsident Wolfgang Overath unter Druck gesetzt? Schaefer: Ich möchte klarstellen, dass das Gegenteil der Fall ist. Dafür möchte ich mich beim Präsidium bedanken.

Leidet die Mannschaft unter der ungeklärten Trainerfrage?

SCHAEFER: Ich will das Team nicht belasten. Im Profifußball ist es gang und gäbe, dass man über die Medien viele Dinge aufnimmt. Man lernt, damit umzugehen. Bis jetzt ist das kein großes Thema zwischen mir und der Mannschaft.

Aufgezeichnet von Michael Krämer



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Unser FC-Reporter twittert


Anzeige


Bundesliga Liveticker


Bildergalerien


Aktion


Quiz


Forum


ksta.tv



1. Bundesliga


Service


Service


Top-Links (Anzeige)


Extra


Dienste