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RWE

Massive Proteste bei Hauptversammlung

Erstellt 20.04.11, 11:26h, aktualisiert 21.04.11, 06:48h

RWE-Chef Jürgen Großmann warnt auf der von Tumulten begleiteten Hauptversammlung vor einem übereilten Atomausstieg. Bei den kommunalen Aktionären des Unternehmes stößt Großmann mit diesem Pro-Atom-Kurs auf wenig Gegenliebe.

RWE Aktionäre
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Atomkraftgegener blockieren den Aktionären den Zugang zur Essener Grugahalle, in der die RWE-Hauptversammlung stattfindet. (Bild: dpa)
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Atomkraftgegener blockieren den Aktionären den Zugang zur Essener Grugahalle, in der die RWE-Hauptversammlung stattfindet. (Bild: dpa)
RWE-Hauptversammlung
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Atomkraftgegner protestieren während der Rede von RWE-Chef Jürgen Großmann in Essen. (Bild: dpa)
RWE-Hauptversammlung
ESSEN - Zwischen der Führung des Energiekonzerns RWE und kommunalen Aktionären gibt es einem Bericht zufolge erhebliche Differenzen über den künftigen Kurs des Unternehmens. Auf einem Treffen kommunaler Aktionäre am Dienstag, einen Tag vor der Hauptversammlung, habe sich ein breiter Konsens für einen raschen Atomausstieg abgezeichnet, berichtete „Spiegel Online“ am Mittwoch unter Berufung auf einen Sitzungsteilnehmer. Mit ihren Regionalverbänden halten kommunale Aktionäre rund 25 Prozent der RWE-Aktien. Dem Bericht zufolge vereinbarten die Gesellschafter nach Teilnehmerangaben, Vorschläge zur Änderung der Konzernstrategie auszuarbeiten und diese dem Vorstand vorzulegen. Bei einer weiteren Sitzung kommunaler Aktionäre mit dem Vorstand habe sich RWE-Chef Jürgen Großmann über den breiten Protest überrascht gezeigt und betont, ein rascher Ausstieg aus der Atomkraft sei mit ihm nur schwer zu machen.

Tumulte drinnen und draußen

Massive Proteste von rund 200 Demonstranten störten am Mittwoch die RWE-Hauptversammlung. Wegen einer Sitzblockade von mehr als einem Dutzend Demonstranten, die sich mit Wollknäueln verbunden hatten, mussten die Aktionäre minutenlang am Eingang anstehen. Dabei kam es immer wieder zu Diskussionen und teilweise tumultartigen Szenen. Die Polizei behielt die Lage jedoch unter Kontrolle.

„Abschalten, abschalten“, riefen die Demonstranten. „Gehirn abschalten!“, entgegnete ein entnervter Aktionär den AKW-Gegnern, während ein anderer den Umweltschützern lieber gleich den Vogel zeigte. „Stromkonzerne entmachten“, „alle AKWs abschalten“ oder, in Anspielung auf die Werbung des Essener Energiekonzerns, „VeRWEgen lügen“: Mehrere Umweltorganisationen und Parteien nutzten die RWE-Hauptversammlung als große Protestplattform. Darunter waren neben vielen jungen Demonstranten auch einige alteingesessene Atomgegner.

Gegenwind für Großmann auch bei der Versammlung: Mit Trillerpfeifen und lauten Protestrufen störten Demonstranten immer wieder seine Rede. An verschiedenen Stellen im Saal enthüllten die Atomkraft-Gegner Plakate mit den Aufschriften „RWE abschalten“ und „Atomprofite? Schluss jetzt!“. Aktionäre versuchten, die Plakate wieder herunterzuziehen und die Proteste zu beenden. Es kam zu kleineren Handgemengen. Sicherheitskräfte führten die Demonstranten schließlich aus dem Saal. Großmann zeigte sich wenig beeindruckt von den Protesten und unterbrach seine Rede nur kurz.

Der RWE-Chef warnte am Mittwoch erneut vor den Folgen eines übereilten Atomausstiegs für den Wirtschaftsstandort Deutschland gewarnt. Die Bundesregierung erwäge Maßnahmen, die wenig Rücksicht auf eine wirtschaftliche Stromversorgung nähmen, sagte der Manager auf der Hauptversammlung des Energieriesen. Eine schnelle Abschaltung der Reaktoren könne erhebliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Wohlstand in der Bundesrepublik haben.

Großmann räumte in seiner Rede das Primat der Politik in Energiefragen ein und betonte: „Wenn es der feste Wille der Mehrheit der deutschen Bevölkerung und der sie vertretenden Politik ist, zukünftig auf Kernkraft zu verzichten, werden wir uns dem nicht verschließen.“ Doch warnte er, ein solcher Schritt werde Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe verursachen.

Klage für die Aktionäre

Ausdrücklich verteidigte Großmann die Klage des Stromkonzerns gegen das Atommoratorium. Nach Auffassung des Konzerns gebe es keine Rechtsgrundlage für das vorübergehende Abschalten der Altreaktoren, sagte Großmann. Denn die deutschen Kernkraftwerke erfüllten die geltenden Sicherheitsanforderungen. Der Konzern sei seinen Aktionären deshalb diesen Schritt schuldig.

RWE steht derzeit im Mittelpunkt der Kritik der Atomkraftgegner, weil der Konzern als einziger der vier großen Energieversorger in Deutschland gegen das Atommoratorium der Bundesregierung klagt. RWE will damit gegen die vorläufige Abschaltung des Reaktors Biblis A vorgehen. (afp, dpa, epd)



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