Von Tobias Kaufmann und Thorsten Keller, 28.04.11, 16:29h, aktualisiert 28.04.11, 16:29h
THORSTEN KELLER: Nicht ganz. Es ist die Angst davor, in der kommenden Saison zweimal montags um viertel nach Acht gegen den 1. Fußballclub Köln spielen zu müssen. In Wolfsburg spielte der FC jedenfalls so, als sei er zum Abstieg wild entschlossen.
KAUFMANN: Tja, ohne Entschlossenheit kommt man nicht weit im Abstiegskampf. Ein ähnliches Wort ist allerdings beim FC in unglaublichem Tempo verschüttet worden. Geschlossenheit. Ich war zehn Tage im Urlaub - und jetzt ist fast nichts mehr wie zuvor beim FC. Ich könnte mir fast vorstellen, dass das Chaos in Köln Eurem Königs die Krone rettet.
KELLER: Was für ein Sinneswandel. In deiner Kolumne vor einer Woche war der Sargdeckel schon drauf bei meiner Borussia. Aber da konnte ja niemand wissen, dass in der Osternacht die Gladbacher Auferstehung von den Toten zu besichtigen sein würde. Ich war im Stadion und sah das beste Saisonspiel - und das gegen den kommenden deutschen Meister. Andererseits wollen wir mal die Freikirche im Dorf lassen. Auch für ein 1:0 gegen Dortmund gibt es nur drei Punkte. Gib' mir mal einen Tipp aus berufenem Munde: Wie gewinnt man gegen Hannover?
KAUFMANN: Auswärts eher gar nicht. Aber wo wir gerade dabei sind: Wie schlägt man Leverkusen?
KELLER: Auch wenn du das jetzt nicht hören willst: Zuhause eher gar nicht.
Der Nubbel ist nicht schuld
KAUFMANN: Aber was ist in diesen Tagen schon so wie man es hören will? Das einzige, was ich von Frankreich aus mit Befriedigung vernommen habe, ist, dass FC-Fans das "Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot"- Graffiti höchstselbst übertüncht haben. Ob sich sonst noch irgendwas in diesen Club, diesem Team und diesem Umfeld übertünchen kann, ist eine andere Frage. Es gibt bekanntlich zwei Institutionen, die man nicht täuschen kann: Gott und die Tabelle.
KELLER: Wobei noch kein geistig gesunder Sterblicher Gott geschaut hat; im Gegensatz zur Tabelle, die niemals lügt. Wenn Gladbach am Ende unterm Strich steht, dann haben sie es nach dieser Vorrunde (mit 10 Punkten und 47 Gegentoren) auch verdient. Falls der FC noch abschmiert, weil er in den letzten sechs Saisonspielen sechsmal verloren hat, gilt das Gleiche. Da hilft dann auch kein Lamento über den vollverglasten Medien-Nubbel an der Amsterdamer Straße, der angeblich alles schuld ist. Apropos Medien: Hilft jetzt nur noch beten? Ich fand die Express-Zeile vom Donnerstag grandios, und das sage ich nicht oft über den Express.
KAUFMANN: Stimmt. Aber natürlich ist die Zeile Quatch. Jetzt hilft nur noch siegen.
KELLER: Kein Widerspruch. Sportfreunde siegen. Aber welcher der beiden FC-Trümmer soll es denn richten, die Finke- oder die Schaefer-Fraktion? In Gladbach scheint wenigstens der Zusammenhalt im Team intakt. Alle ziehen an einem Strang, sogar der zuletzt nach Griechenland ausgeliehene Raul Bobadilla. Was vielleicht auch dem großen blonden Motivator mit der furchtbaren blonden Frau geschuldet ist. Das ist Ansporn - keine Angst.
KAUFMANN: Na, dann hoffe ich, dass die Kombination Meisterschale und Müngersdorf bei unseren gemeinsamen Freunden aus der Pillenfabrik nicht für Ansporn sorgt - sondern für Angst.
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