Erstellt 05.05.11, 09:45h
"Hier muss sich endlich etwas ändern. Ich habe mir das lange genug angesehen. Ich stehe lieber auf und packe an, anstatt immer nur zu reden", sagte der Ex-Nationalspieler, der Borussias neuer Sportdirektor werden will. Sein Konzept blieb allerdings diffus, das wichtigste Argument bleibt sein Name. "Durch meine Beziehungen habe ich viele Möglichkeiten, den Verein zu verbessern. Das habe ich in den Gesprächen gespürt, die ich geführt habe", sagte der 42-Jährige. Namen möglicher Mitstreiter durfte Effenberg nicht nennen. Ex-Spieler wie Berti Vogts oder Günter Netzer stehen angeblich bereit, wollen aber offensichtlich erst das Ergebnis der Jahreshauptversammlung abwarten.
Denn das Rennen um die Macht beim fünfmaligen deutschen Meister ist völlig offen - zumal die Initiative einen schweren Stand bei vielen Fans hat, die den Ausverkauf des Klubs fürchten. "Wir haben Fehler gemacht", gestand Sprecher Norbert Kox ein und ließ wie zum Beweis notariell beglaubigte Erklärungen verteilen. Inhalt: Die Opposition verpflichtet sich "alles zu tun, um zu verhindern, dass Geschäftsanteile veräußert werden". Eine Hintertür blieb offen: "Es sei denn, die Mitgliederversammlung beschließt eine solche Veräußerung mit der erforderlichen Mehrheit." Das ist die größte Sorge vieler Anhänger. Die bleiben dann auch eher skeptisch. "Wir sind enttäuscht von dem, was präsentiert worden ist. Es waren wieder nur Worthülsen, aber keine Konzepte", sagte Thomas Ludwig, Vorsitzender des Mönchengladbacher Fanprojektes: "Wir Fans werden weiter als Stimmvieh reduziert, das sich schon durch Effenbergs Worte einfangen lassen wird. Wir fordern das persönliche Gespräch mit Stefan Effenberg, um ihm vorzustellen, was die Fans wirklich denken."
Kein Zweifel: Auf Effenberg wartet noch viel Überzeugungsarbeit. Sorgen macht sich der "Tiger", immerhin Mitglied in Borussias Jahrhundert-Elf, aber keine: "Wir werden die Fans überzeugen, da bin ich sicher", sagte er mit gewohnt breiter Brust. Kleinlaut wurde Effenberg erst bei der Frage nach seiner Erfahrung als Sportdirektor. "Ich habe keine", gab er zu und verwies auf Uli Hoeneß. Der sei schließlich schon "mit 27 oder 28 Jahren Manager bei Bayern München" geworden.
Ein wenig unter ging im Wirbel um Effenberg sein wichtigster Mitstreiter Horst Köppel. Der ehemalige Spieler und Trainer der Borussia, im Schattenkabinett als Präsident vorgesehen, übernahm den ruhigen Gegenpart und versprach: "Wir werden alles dafür geben, den Mythos Borussia zu erhalten und für sportlich bessere Zeiten zu sorgen." Sein forsches Urteil: "Stefan Effenberg und ich - an sportlicher Kompetenz werden Sie kaum Besseres in der Bundesliga finden." (sid)
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