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Empörung in Erftstadt

„Die katholische Kirche wird verlieren“

Von Horst Komuth, 05.05.11, 18:49h, aktualisiert 17.05.11, 10:08h

Die Entscheidung des Erzbistums, den bekennend schwulen Religionslehrer David Berger von seiner Lehrtätigkeit zu entbinden, stößt auf harsche Kritik bei Geistlichen und den Schülersprechern des Liblarer Ville-Gymnasiums.

Ville Gymnasium
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Das Ville-Gmynasium in Liblar ist in gedrückter Stimmung. (Bild: privat)
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Das Ville-Gmynasium in Liblar ist in gedrückter Stimmung. (Bild: privat)
Erftstadt - Die Entscheidung des Kölner Kardinals Joachim Meisner, den bekennenden homosexuellen Lehrer David Berger von seinen Aufgaben als Religionslehrer am Liblarer Ville-Gymnasium zu entbinden, hat in Erftstadt Empörung und harsche Kritik hervorgerufen. David Berger unterrichtet in Liblar seit Jahren Religion und Deutsch in der Sekundarstufe I. „Ich bin tief betroffen über die Entscheidung der katholischen Kirche, dem Erftstädter Lehrer David Berger wegen seines Bekenntnisses zur Homosexualität die Lehrerlaubnis für katholischen Religionsunterricht an Schulen zu entziehen. Ich wusste von den Querelen, und deshalb kommt für mich die Entscheidung aus Köln nicht überraschend“, sagt der Liblarer Pfarrer Winfried Jansen.

„Allerdings hatte in Erftstadt niemand Probleme mit Berger. Aber nach seiner Buchveröffentlichung und der Kritik an der Amtskirche war klar, dass etwas passiert. Das Imperium schlägt jetzt zurück. Die Mächtigen sind sich einig und haben gehandelt. Ich hingegen hätte es für gescheit empfunden, wenn das Erzbistum das Gespräch mit Berger gesucht und die Zusammenarbeit fortgesetzt hätte“, sagt Jansen. Tatsächlich habe die Entscheidung aus Köln der Kirche geschadet. „Das Image der Kirche wird weiter angekratzt, und vielleicht gibt es wegen der Entscheidung noch ein paar weitere Kirchenaustritte.“

„Wir fanden ihn im Unterricht immer super“

„Die Entscheidung des Erzbistums war natürlich das Gesprächsthema auf einer Sitzung aller Klassenvertreter“, berichtet Schülersprecher Patrick Vetterling. Dabei habe es an Religionslehrer David Berger nichts auszusetzen gegeben. Im Gegenteil. „Wir fanden ihn im Unterricht immer super. Jetzt ist die Stimmung am Gymnasium natürlich sehr gedrückt“, sagt Vetterling. Erstaunlich findet er die Entscheidung des Kardinals, weil Berger doch theologisch einwandfrei gearbeitet und gelehrt habe. „Unser Lehrer hat sich nie kirchenfeindlich geäußert“, betont der Schülersprecher. Von den Querelen mit der Spitze der Amtskirche hätten die Schüler durch die Medien erfahren. Im Unterricht sei das aber nie ein Thema gewesen. Nun werde überlegt, ob und wie die Gymnasiasten auf die Entscheidung von Erzbischof Meisner reagieren könnten und ob eventuell ein Schreiben verfasst werde.

Das Ansehen der Kirche hat durch die Entscheidung des Bistums nach Meinung des Bliesheimer Pfarrvikars und bekannten Buchautors Willi Hoffsümmer Schaden genommen. „Herr Meisner argumentiert immer, dass es ihm um die Wahrheit gehe. Aber was ist denn die Wahrheit, wer hat sie denn?“, fragt der Geistliche. „Die Kirchenführung hätte besser geschwiegen und Toleranz gezeigt“, meint der Bliesheimer. „Die katholische Kirche wird hier nur verlieren können, weil sie nur ausgrenzt. Das mit anzuschauen tut so weh. Im Himmel gibt es keine Mauern zwischen rechts und links, dort zählt nur die Liebe“, formuliert es der Vikar.

„Ich könnte jetzt einen Brief an den Kardinal schreiben. Aber der würde nirgends abgedruckt. Da würde nur wieder der Generalvikar Schwaderlapp antworten.“ Die Kirche habe schon ohne diese Entscheidungen der Kölner Führung genügend Sorgen. „Die Gemeinden verdorren regelrecht, Priester leiden unter Burnout. Doch wenn die Wurzeln der Ortskirche vertrocknet sind, ist es mit der Zukunft der Kirche irgendwann vorbei“, warnt der Theologe. „Alle Fachbücher lehren etwas anderes, aber Köln macht, was es will“, ärgert Hoffsümmer sich.

Respekt verdient

Unverständnis kommt auch von der CDU. Ihr Stadtverordneter Christian Kirchharz, der sich nach eigenen Worten seit Langem mit der Person David Bergers befasst hat, hofft auf einen Verbleib des Theologen am Gymnasium. Denn sein pädagogisches Können stehe außer Frage, sagt Kirchharz.

„Ich bin selbst ein überzeugter und praktizierender Christ und stets zur Toleranz gegenüber meinen Mitmenschen erzogen worden. Exakt diese Werte gebe ich meinen Kindern heute auch mit auf den Weg. Das öffentliche Bekenntnis David Bergers zu seiner Homosexualität hat unser aller Respekt verdient“, erklärt Schuldezernent Volker Erner. „Ich hätte mir gewünscht, dass gerade die katholische Kirche dem Thema mehr Toleranz entgegengebracht hätte. Diesen Wunsch verbinde ich mit der dringenden Bitte an Kardinal Joachim Meisner, die in meinen Augen nicht nachvollziehbare Entscheidung umgehend zu revidieren.“



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