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Bolzplatz

Restprogramm für Rechenkünstler

Von Tobias Kaufmann und Thorsten Keller, 06.05.11, 11:12h, aktualisiert 06.05.11, 11:15h

Borussia Mönchengladbach braucht zwei Siege, während Köln nur noch ein Remis in Frankfurt benötigt, um sicher die Klasse zu halten. Die Erzrivalen spekulieren vor dem 33. Spieltag über Rettung und Untergang.

Bolzplatz: Kaufmann & Keller
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Bolzplatz: Kaufmann denkt gegen Keller - und umgekehrt. (Bild: Hennes)
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Bolzplatz: Kaufmann denkt gegen Keller - und umgekehrt. (Bild: Hennes)
THORSTEN KELLER: Die falsche Borussia wird deutscher Meister, im Gegensatz zu Bayer Leverkusen, wozu auch der 1. Fußballclub Köln am 32. Spieltag beigetragen hat. Und Gladbach gewinnt hochverdient in Hannover. Das klingt nach einem perfekten Wochenende für alle Freunde des Fußballs. Wenn man nicht gerade Christoph Daum oder Heribert Bruchhagen heißt.

TOBIAS KAUFMANN: Auch wenn ich dieses Gefühl nicht teile, so bin ich doch froh, dass Du all Deine Abneigung und Häme neuerdings ¨auf Christoph Daum fokussierst statt auf beispielsweise Lukas Podolski. Und natürlich gratuliere ich Dir sportlich fair, dass die beiden letzten Spieltage doch noch von Bedeutung sind für Dich und die Deinen - auch wenn der Zusammenhang "Freunde des Fußballs" und "Gladbach gewinnt" nicht ganz erschließt. Aber vielleicht liegt das auch an mir. Mir erschließt sich ja auch nicht der Zusammenhang zwischen"Menschenfreundlichkeit" und "Du darfst Osama nicht töten". Unstrittiger dürfte sein: Frankfurt darf man töten. Also fußballerisch.

KELLER: Ach gut, ohne einen abstrusen Schlenker zur Weltpolitik geht es diese Woche nicht. Meine (unbewiesene) Version der Geschichte geht so: Die Sportfreunde CIA wollten Osama bin Laden aus dem Vertrag mit Blau-Weiss Dschihad Islamabad herauskaufen. Dann muss der Streit sind um die Ablösesumme eskaliert sein. Der Araber regt sich ja schnell mal auf. Aber zurück zu den existenziellen Fragen. Wird sich der Karnevalsverein in Frankfurt tot stellen, nur um Gladbach zu ärgern? Ich kann's mir nicht vorstellen. Wie soll das gehen, wenn der Gegner auch nicht mehr lebt?

KAUFMANN: Ja, diesen Gedanken hatte ich auch. Also nicht den, absichtlich zu verlieren, sondern den, dass man von einem toten Gegner nicht mehr behelligt werden kann. Aber das ist so eine Sache bei meinem FC. Bei uns werden selbst die totesten Toten noch zum ekligen Zombie. Bei euch ist es hoffentlich umgekehrt. Ihr rechnet nach den beiden heroischen 1:0-Siegen gegen die Crème der Liga doch fest damit, jetzt noch sechs lockere Punkte einzufahren. Könnte aber sein, dass es genau diese Stimmung ist, die es braucht, damit Cissé einen mit dem ersten und einzigen Ballkontakt des Tages in die Knie zwingt.

KELLER: Ja, mache mir durchaus Sorgen. Stürmer wie Papis Cisse (oder Novakovic oder früher der Rheuma-Kai), die haben an einem guten Tag drei Ballkontakte und schießen dabei zwei Tore. Dagegen hilft - hoffentlich - die humorlos-rustikale Stranzl-Grätsche. Gladbach hat immerhin zuletzt in fünf Spielen nur drei Gegentore kassiert. Das Bizarre am Abstiegskampf 2011 ist für mich: Selbst 38 Punkte könnten nicht reichen. Das nur als kleine Aufmunterung für den Kölner. KAUFMANN: Danke, aber rechnen kann ich. Was meinst Du, was ich vor, nach und während der Spiele tue? Tabelle angucken und hin- und her rechnen. Der FC hat sich eine komfortable Ausgangssituation ja nicht zuletzt durch die völlige Zerstörung seines bis vor sechs Wochen ordentlichen Torverhältnisses versaut. Aus dem virtuellen Extrapunkt ist dank der Wochen voller Tratsch, Knatsch und Klatschen ein virtueller Minuspunkt geworden. Und das, obwohl wir einen Torwart haben. Ihr musstet dafür ja erstmal über den Jugendkader drüber lesen, bis Ihr jemanden gefunden hat, der sich in die Bude stellt und dann auch noch ab und zu mal einen hält.

KELLER: Danke für den Hinweis, aber die Schießbude der Rückrunde ist doch eindeutig der FC. Trotz Rensing. Wenn es in Gladbach schief geht, wird man zu Recht fragen, ob sie zu spät den Torwart oder denTrainer gewechselt haben. Oder beides. Ich rechne übrigens auch die ganze Zeit wie ein Geisteskranker vor und zurück: In meiner Prognose hat der FC am Ende 39 Punkte, Frankfurt 35 und Gladbach mindestens 36 Punkte. Die großen Unbekannten in der Kalkulation sind Wolfsburg und Bremen. Was kommt dabei raus, wenn der Kaufmann rechnet?

KAUFMANN: Der FC hat 40 Punkte am Ende. Gladbach 34, Frankfurt 35. Vielleicht auch umgekehrt. Jedenfalls hast Du neulich beim Stammtisch als Einziger Frankfurt noch unten rein getippt, das war ziemlich visionär. Ich dagegen bin total sauer, dass sich Stuttgart und VW so mir nichts dir nichts aus dem Staub gemacht und dann auch noch hinter sich das Kellerlicht ausgeknipst haben. Ich würde sogar Lautern und Hoffenheim die Daumen drücken, damit Magath mit Motorschaden liegen bleibt. Aber auf mich hört wieder keiner.

KELLER: Vor allem dein eigener Verein nicht. Als Magath und seine Radkappen kaum noch fahrbereit waren, kam am Ostersonntag der hilfsbereite Pannendienst aus dem Rheinland. Von mir aus darf auch Wolfsburg in die Relegation. Aber soviel Gerechtigkeit gibt es nicht in der Welt.

KAUFMANN: Jedenfalls nicht im Fußball. Aber man soll nicht undankbar sein. Ein Kölner Klassenerhalt bei Gladbacher Abstieg würde mir als Geschenk des Fußballgotts schon reichen. Den Treffer der Navy Seals mit eingerechnet, wär's dann wirklich kein schlechter Mai.

KELLER: So wird es sein. Und José Mourinho heuert als neuer Trainer beim "Real Madrid des Nordens" an.



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