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Saison 2010/11, 34. Spieltag

Abschied ist ein scharfes Schwert

Von Tobias Kaufmann und Thorsten Keller, 12.05.11, 10:30h, aktualisiert 23.11.11, 12:33h

Köln sucht den Super-Trainer und Gladbach sucht in Hamburg die drei Punkte, die es noch braucht zum Klassenerhalt. Die „Erzrivalen“ bilanzieren schon jetzt die Saison 2010/11- und verabschieden sich dann.

Bolzplatz: Kaufmann & Keller
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Bolzplatz: Kaufmann denkt gegen Keller - und umgekehrt. (Bild: Hennes)
Bolzplatz: Kaufmann & Keller
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Bolzplatz: Kaufmann denkt gegen Keller - und umgekehrt. (Bild: Hennes)
TOBIAS KAUFMANN: Guten Morgen, Thorsten. Glückwunsch zu Eurem sagenhaften Saisonendspurt. Ich sag's nicht gern, aber am Newsdesk vertraten eingefleischte FC-Kollegen die Ansicht, Gladbach habe sich inzwischen den Klassenerhalt redlich verdient. Und was ich noch weniger gern einräume: Ich habe nicht widersprochen.

THORSTEN KELLER: Danke für die Blumen. Drei Siege am Stück und kein Gegentor, das gab es bei Borussia glaube ich zuletzt, als dort Jupp Heynckes Trainer war. Was der Endspurt wirklich wert ist, sehen wir dann am Samstag gegen 17.15 Uhr. Aber um das Kompliment mal umzudrehen: Ich bin der Ansicht, Eintracht Frankfurt hat sich inzwischen den Abstieg redlich verdient. Wie dieser Club in der Rückrunde die Selbstzerstörungstaste gedrückt hat, davon kann selbst der FC noch was lernen.

KAUFMANN: Danke, zu dem Thema wissen wir schon genug. Und "Zwietracht Zankfurt" ist ja kein neuer Ehrentitel - aber es ist schon erstaunlich, dass der Frankfurter Weg, den wir in Köln und Gladbach seit Jahren bewundert haben (raus aus dem Fahrstuhl und seriös ins gesicherte Bundesliga-Mittelfeld verschwinden) nun wieder dahin führt, wo er angefangen hat: im Fahrstuhl. Wobei der letzte Spieltag eigentlich noch jede Menge Wendungen bereit hält. Theoretisch.

KELLER: Theoretisch könnte Gladbach sogar noch 15. werden. Ich glaube aber schon, dass Magath seine Wölfe noch irgendwie zum Auswärtssieg in Hoffenheim quält. Dann hat er ja auch wieder Graffite, also ein en richtigen Stürmer, auf dem Feld. Am Samstag hatte er nur Patrick Helmes, den großen weißen Bruder von Winfried Sanou.

Der Chancentod in deinem Stadion

KAUFMANN: Scheint eine größere Sippe zu sein. Sanous großer schwarzer Bruder Idrissou spielt ja bei Euch. Und Pitroipa gehört auch dazu. Der Chancentod-Clan, demnächst in Ihrem Stadion. Und wenn ein Kaltblüter wie Novakovic oder Cissé in Dortmund spielte, hätte der diese Saison die 50-Tore-Marke geknackt. Am 25. Spieltag. Deshalb könnte, theoretisch, Gladbach auch noch 17. werden. Ich höre schon das "ausgerechnet" des Reporters, nachdem Gekas oder gar die Schattengestalten Annanastidis oder Alditop den Mythos Daum reanimiert haben.

KELLER: Ja, aber an eine Auferstehung der Frankfurter von den Toten glaube ich nicht. Das sah schon am Samstag so aus, als hätten sie alle Hoffnung fahren lassen. Wenn selbst Christoph Daum, wie er am Samstag bekannte, nur noch "Phasen und Durchhalteparolen" zu bieten hat! Andererseits, das frage ich mal den Kölner, ist es jemals in Christoph Daums Trainerdarsteller-Karriere anders gewesen? Und wer wird nun Daums Nachnachnachfolger in Colonia? Du hast drei Wünsche frei.

KAUFMANN: Daum hat einiges gewonnen in seiner Karriere und einiges verbockt. Auch und vor allem in enorm wichtigen Spielen, von Unterhaching bis zum Saisonfinale 2010 in der Türkei. Du solltest ihn nicht unterschätzen, nur weil du ihn nicht magst. Als Nachnachnachfolger bin ich für Mike Büskens, Pele Wollitz oder auch Stale Solbakken, der im kicker auf die Spekulationsliste gesetzt wurde.

KELLER: Korrekt, man sollte weder Daum unterschätzen noch den Alkoholpegel der Dortmunder Spieler. Aber die Gladbacher auch nicht. Du darfst nicht vergessen: MG kann zumindest den Relegationsplatz aus eigener Kraft sichern. Unmittelbar nach dem Lautern-Spiel und dem kuriosen Bailly-Eigentor vor sieben Wochen hätte ich das für unmöglich gehalten.

KAUFMANN: Und ich erst. Aber was ist in dieser Saison schon vorhersehbar. Nimm den FC: Zwei Trainerwechsel, ein Kapitänswechsel, ein Managerwechsel, Fanproteste, Riesenknatsch in der Vereinsführung, Knatsch mit der Presse, Gerüchte über Finanzprobleme und was weiß ich nicht was haben wir diese Saison erlebt. Ergebnis: 41 Punkte nach 33 Spielen. In Worten: Einundvierzig. Letzte Saison wäre man damit zu diesem Zeitpunkt 11. gewesen und hätte 13 Punkte Vorsprung auf Platz 16 gehabt. Dieses Jahr ist der FC damit 13., der Abstand beträgt nur sechs Punkte und wir stehen trotzdem, punktgleich mit Bremen, vor Schalke und Wolfsburg. Kurz gesagt: Nur ein bisschen Chaos mehr und wir wären Letzter. Oder, andersrum: 50 Prozent Chaos weniger und wir stünden heute da, wo jetzt Hannover steht. Und dass ich das mal für einen schönen Traum halten würde...

KELLER: Ich hoffe sehr, dass sich Borussia unter Favre (und ohne Effenberg) in der kommenden Saison konsolidiert. Also in der ersten Liga. Das wäre mein Traum für die kommende "Bolzplatz"-lose Saison. Ein Jahr ohne therapeutisches Schreiben über die rheinischen Krisenclubs: Ich hoffe, wir und unsere Vereine halten das aus.

Seit Beginn der Saison 2007/08 haben Tobias Kaufmann und Thorsten Keller Woche für Woche exklusiv auf ksta.de ihre Erzrivalen-Kolumne "Bolzplatz" geschrieben. Jetzt verabschieden sich der Kölner und der Gladbacher in eine Kreativpause. Keller übt dann Ecken fangen, Kaufmann trainiert Tischfussball. Unseren Lesern danken wir für Lob und Kritik, fürs Verlinken und Weiterempfehlen – und für jahrelange, unverdiente Treue. (Die Darsteller verneigen sich und gehen ab)

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