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Nachschreibtermin

Zweite Wahl mitten im Abi-Stress

Von Heribert Rösgen, 20.05.11, 09:07h, aktualisiert 20.05.11, 16:27h

Nachdem Fehler bei den Abituraufgaben im Fach Mathematik aufgetreten waren, können nun die betroffenen Schüler entscheiden, ob sie eine „Zweite Chance“ wahrnehmen - ohne das Ergebnis der ersten Klausur zu kennen. Die Frist dazu läuft am kommenden Montag ab.

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Abiturienten aus 46 Schulen sind von den Fehlern in den Mathematikprüfungen betroffen. (Bild: dpa)
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Abiturienten aus 46 Schulen sind von den Fehlern in den Mathematikprüfungen betroffen. (Bild: dpa)
Köln - Der Anruf kam morgens um halb zehn - und der Schulleiter war am Apparat: So erging es am Donnerstag mehreren hundert Kölner Schülern, die kürzlich im Grundkurs Mathematik ihre Abitur-Klausur geschrieben hatten und von der Panne bei der Aufgabenstellung betroffen waren. Nun sind sie vor die Wahl gestellt, ob sie eine „Zweite Chance“ wahrnehmen wollen.

Wie im Jahr 2008 wurde vom Schulministerum im Fach Mathematik ein neuer Klausurtermin angesetzt, nachdem Fehler bei den gestellten Aufgaben aufgetreten waren und die Abiturienten erhebliche Probleme bekamen. Der damalige Fall machte als „Oktaeder des Grauens“ Schlagzeilen. Nun bereitete eine Analysis-Aufgabe im Mathe-Grundkurs-Abitur Kopfzerbrechen.

Bei der jetzt qua Ministeriumsbeschluss angebotenen „Zweiten Chance“ müssen die Schülerinnen und Schüler „rein nach Gefühl“ entscheiden, wie eine Schulleiterin im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger einräumte. Weder kennen die Schüler das Ergebnis der ersten Klausur noch besteht die Möglichkeit, dass – im Fall eines schlechteren Ergebnisses bei der zweiten Klausur – die erste Note fürs Abi gewertet wird. Dies wurde vom Ministerium von vornherein ausgeschlossen.

Zusätzlicher Stress

Seit gestern treten sämtliche der 36 Kölner Gymnasien und zehn Gesamtschulen mit den betroffenen Schülern in Kontakt. Pro Schule sind etwa 20 Abiturienten, die Mathematik als Grundkurs gewählt hatten, betroffen. Für die Schüler zusätzlicher Stress in einer entscheidenden Phase ihres Lebens, denn nächste Woche warten noch die mündlichen Prüfungen. Kommenden Montag läuft die Frist zur verbindlichen Erklärung ab, ob man am Donnerstag darauf die neu angesetzte Mathe-Klausur mitschreibt oder nicht.

Schulministerin Sylvia Löhrmann sprach im Zusammenhang mit der Mathe-Panne von „Irritationen“ und begründete ihre jüngst getroffene Entscheidung mit „pädagogischen Erwägungen“, um nicht das Gefühl entstehen zu lassen benachteiligt worden zu sein. Doch viele der betroffenen Schüler sind gerade jetzt sogar erst recht irritiert. Verunsichert und enttäuscht waren sie ohnehin schon. „Wer garantiert mir denn, dass in den neuen Aufgaben nicht wieder ein Fehler drin steckt“, sagt Denise Spitzbarth (19), für die der gesamte Vorgang „nicht zu entschuldigen ist“. Sie habe sich deshalb bereits entschieden, die neue Klausur nicht mitzuschreiben und lässt es lieber darauf ankommen, dass sie eine mündliche Nachprüfung machen muss. „Da weiß ich wenigstens, was auf mich zukommt. Bei den Klausuren scheint man ja davon nicht mehr ausgehen zu können“, meint sie enttäuscht.

Charlotte Kluth räumt zwar ein „schlechtes Gefühl“ nach der ersten Klausur ein, will sich aber einen neuen Klausurstress dennoch nicht antun. „Da hätte ich genau die gleiche Angst, dass es schiefgehen könnte.“ Ihre Mitschülerin Leonie R. (19) zeigte sich trotz einen „guten Gefühls“ nach der ersten Klausur völlig verunsichert. „Man fragt sich doch jetzt die ganze Zeit, ob die Entscheidung, nicht mitzuschreiben, wirklich richtig ist.“

Regelrecht Wut im Bauch habe sie aber darüber, dass zwei Jahre Pauken in der Oberstufe möglicherweise völlig unnütz gewesen sein könnten, nur weil einige Leute im Schulministerium ihren Job nicht richtig machen. „Diesen Stress braucht gerade jetzt eigentlich keiner“, meint sie verbittert.



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