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Relegation

Vereinte Arbeit am Mythos

Von Andreas Morbach, 25.05.11, 10:58h, aktualisiert 25.05.11, 11:08h

Im Hinspiel der Relegation musste der VfL Bochum gegen Gladbach eine schmerzliche Niederlage hinnehmen. Doch von Frust will Trainer Friedhelm Funkel nichts wissen - und verspricht den Fohlen einen erbitterten Kampf.

Christoph Dabrowski
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Bochums Kapitän Christoph Dabrowski (hinten). (Bild: dpa)
Christoph Dabrowski
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Bochums Kapitän Christoph Dabrowski (hinten). (Bild: dpa)
BOCHUM - Die Botschaft auf der Tafel vor dem Bochumer Trainingsgelände ist schlicht. Eine Westernlandschaft, dazu am rechten Rand ein paar Hochöfen und Fabrikschlote im Halbschatten – und auf der linken Seite, deutlich größer, ein Holzpfosten mit Wegweisern: Drei an der Zahl, die nach Dortmund, München und Gelsenkirchen weisen. Und ein vierter, abgeknickt, auf dem Aachen steht. Aachen, das ist Zweite Liga – und in die möchten die Bochumer heute Abend Alemannias Nachbarn Mönchengladbach zerren. Und dafür im entscheidenden Duell mit der Borussia die eigene, stolze Serie – direkter Aufstieg in die Bundesliga nach jedem ihrer bislang sechs Abstiege – fortschreiben.

Vor dem ersten Relegationsspiel, das Gladbach durch ein Last-Second-Tor 1:0 gewann, streute Friedhelm Funkel als Lockerungsübungen für sein Team noch einen gemeinsamen Kinoabend und einen ausgiebigen Besuch beim Tennisturnier in Düsseldorf ein. Aber erstens lauerten strenge Dopingkontrolleure seinen Spielern im Kino-Foyer abends um halb elf auf. Zweitens hat der 57-Jährige nun den ureigensten Charakter seiner Kicker entdeckt. „Wir sind Fußballer“, betont Funkel. Deshalb schauten sich die Bochumer das Rückspiel zwischen Osnabrück und Dresden um das letzte Zweitligaticket an.

Eine Abteilung weiter oben hat sich an Borussias Favoritenstellung durch das Hinspiel kaum etwas geändert. Außer, dass die Funkel-Elf erfreut, ja fast erstaunt über ihren respektablen Auftritt war. „Das war unser bestes Saisonspiel, uneingeschränkt“, lobt der VfL-Trainer, dessen Teams nie für ihre Offensivkunst bekannt waren, der jetzt aber großen Spaß am verbalen Angriff entwickelt hat.

„Entscheidend ist, Topleistungen im richtigen Moment abzurufen“, sagt Funkel. Das hat Bochum im Borussia-Park hinbekommen. Daher hat Funkel den meist mühevollen Marsch seiner Elf auf Relegationsplatz drei längst eingemottet – viel lieber warnt er nun den vom emsigen Schweizer Lucien Favre betreuten Erstligisten: „Das wird ein spannendes Spiel – mit einem Ausgang, der völlig offen ist.“

Zumal die Bochumer ihre Fans zurückerobert haben. „Die Mannschaft, der Verein, die Anhänger und die Stadt sind wieder zu einer Einheit geworden“, sagt Sportchef Thomas Ernst. Unter den 29.000 Zuschauern in der rappelvollen Bochumer Arena werden heute – ungewöhnlicherweise – maximal 4000 Borussen-Fans sein.

„Unsere Freude auf das Spiel ist riesengroß. Das ist noch mal ein Highlight, selbst für mich alten Hasen“, schwärmt Kapitän Christoph Dabrowski. Während Funkel kühl erklärt: „Die Ausgangslage hat sich überhaupt nicht geändert. Auch wenn es 0:0 ausgegangen wäre, hätten wir ein Tor schießen müssen und hätten keines kassieren dürfen.“ Ehe er anschließend seine ausgeklügelte Taktik für den Abend ausgibt: „Wir werden Vollgas spielen – mit einer kontrollierten Offensive.“ Den Bochumer Optimismus kultiviert auch der 32-jährige Dabrowski, der betont: „Was in Mönchengladbach passiert ist, hat uns stolz gemacht.“ So stolz und zuversichtlich, dass sie für morgen um 12 Uhr einen Empfang mit der Bochumer Oberbürgermeisterin auf dem Rathausbalkon vereinbart haben.

Zu ungewöhnlicher Stunde will der VfL mit seinen Fans also auf jeden Fall feiern. Als Erst- wie als Zweitligist – wobei der Trainer bei all den Parallelen zwischen Bochum und Mönchengladbach in Sachen Saisonverlauf einen entscheidenden Unterschied ausgemacht hat. Beide Klubs haben sich nach schwerem Start aus dem Schlamassel herausgearbeitet. „Bloß“, kommentiert Funkel genüsslich, „dass Borussia Mönchengladbach dafür den Trainer wechseln musste – und der VfL Bochum nicht.“



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