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Oskar Lafontaine

„Grüne sind eine Mogelpackung“

Erstellt 02.06.11, 22:44h, aktualisiert 03.06.11, 08:19h

Der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine hat die Grünen heftig attackiert. Die Partei würden sich nur ökologisch geben, denn sie befürworteten Energiegroßprojekte, sagte der 67-Jährige. Zugleich lehnten die Grünen Kriege nicht ab.

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Oskar Lafontaine. (Bild: ddp)
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Oskar Lafontaine. (Bild: ddp)
BERLIN - Die Linke muss sich nach Ansicht ihres früheren Vorsitzende Oskar Lafontaine stärker Umweltfragen zuwenden. Auf dem Politkongress „Marx is Muss“ sagte der 67-Jährige am Donnerstagabend in Berlin-Kreuzberg, die Linke müsse ein bewusstes Verhältnis zur Natur aufbauen. Seine Forderung machte er vor allem am Philosophen Karl Marx fest, der 1875 in seiner „Kritik des Gothaer Programms“ Arbeit als „Stoffwechsel mit der Natur“ bezeichnet hatte. Lafontaine bezeichnete die Partei Die Grünen im gleichen Atemzug als „gewaltige Mogelpackung“.

„Wer nicht gelernt hat, den Frieden mit der Natur herzustellen, wie soll der mit den Menschen Frieden schließen“, sagte Lafontaine. Die Arbeiter müssten wieder den verantwortlichen Umgang mit der Natur im Arbeitsprozess erlernen. Da sie jedoch zur Tätigkeit für andere verpflichtet seien und sich nicht im Besitz der Produktionsmittel befänden, sei ihnen dies momentan noch unmöglich.

Die Grünen würden sich nur ökologisch geben, denn sie befürworteten irrigerweise Energiegroßprojekte wie die Wüstenstrom-Initiative Desertec, sagte Lafontaine. Zu diesem „Irrsinn“ zähle auch die Zustimmung zu großen Überlandleitungen. „Damit machen sie den hundert Jahre alten Fehler, auf Großprojekte zu setzen statt auf kleinteilige, dezentrale Lösungen.“ Zugleich lehnten die Grünen Kriege nicht ab. „Aber wer den Umweltschutz will, muss zuerst die Menschen schützen und kann nicht Krieg mit Streubomben befürworten.“ Die Grünen seien auf einem „Irrweg“, sagte Lafontaine. „Ich rufe die Linke auf, sich mit ihnen sachlich auseinanderzusetzen.“

Ebenfalls scharfe Kritik übte er an den Gewerkschaften. Im Kampf gegen sinkende Löhne, schrumpfende Renten und gegen den Abbau sozialer Leistungen hätten sie ihre eigentlich Funktion nicht mehr erfüllt. Als Mittel zur Durchsetzung „gewerkschaftlicher Methoden zur Durchsetzung der Gerechtigkeit“ müsse daher auch Generalstreik erlaubt sein.

„Warum haben wir hier in Deutschland keinen Generalstreik mehr“, frage Lafontaine. In anderen Ländern Europas wäre dieses Instrument normal. Als „Gefahr“ bezeichnete Lafontaine, der sich selbst mehrfach als praktizierenden Gewerkschafter bezeichnete, die Konkurrenz und Methoden anderer Gewerkschaften, ohne beispielsweise christliche Gewerkschaften namentlich zu erwähnen.

Der viertägige Berliner Kongress wird vom Berliner Verein „marx21“ veranstaltet. Der Verein ist Teil eines gleichnamigen Netzwerks. Dieses wird im Berliner Verfassungsschutzbericht 2010 erwähnt. „marx21“ versteht sich als ein „Netzwerk für internationalen Sozialismus“. Laut Verfassungsschutz fordert es in seinen politischen Leitsätzen die Abschaffung der demokratischen Ordnung durch die Überwindung des Kapitalismus. Lafontaine sprach zum Thema „Die Systemfrage stellen! Welches Programm braucht Die Linke?“.

Klare Absage an „Sozialismus von oben“

Der Politiker erteilte dem „Sozialismus von oben“ nach dem Muster der ehemaligen DDR eine klare Absage. Sozialismus müsse die Bevölkerung „von unten mitnehmen“, wolle er erfolgreich sein. Die Diktatur des Proletariats, wie sie im Osten praktiziert worden war, sei ein Irrtum gewesen, räumte Lafontaine ein.

Lafontaine hatte sich 2010 wegen einer Krebserkrankung aus der Bundespolitik zurückgezogen und sich auf die Rolle als Fraktionschef der Linken im saarländischen Landtag beschränkt. Nach seiner Genesung mehren sich Stimmen, die sich angesichts der anhaltenden Führungsquerelen bei den Linken für seine Rückkehr an die Parteispitze aussprechen. (dapd)



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