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Fussballerinnen

Kampf gegen das Mannweiber-Klischee

Erstellt 15.06.11, 12:00h

Kurz vor der Weltmeisterschaft rücken die Frauenfußballerinnen immer mehr ins Rampenlicht. Sie kämpfen gegen ein Image, das die von Männern dominierte Fußballwelt ihnen verpasst hat: lesbische Mannweiber mit Haaren an den Beinen.

Sie präsentieren in der „Brigitte“ die neusten Accessoires und werben für die Haarpflege-Marke Schwarzkopf. Die Rede ist nicht von „Germany’s next Topmodels“, sondern von der Frauennationalmannschaft. Je näher die Weltmeisterschaft rückt, desto mehr rücken die Spielerinnen ins Rampenlicht. Und zwar nicht in Stollenschuhen und Fußballtrikots, sondern mit ondulierten Locken, lackierten Fingernägeln und in Abendgarderobe.

Auch in Interviews werden die Sportlerinnen nicht müde, ihre Weiblichkeit zu betonen. „Vor den Spielen fahren wir meist frühzeitig ins Stadion, denn unsere Trainerin gibt uns dort noch mal die Chance, uns zurechtzumachen. In der Kabine stehen dann viele von uns mit Mascara, Eyeliner und Haarspray vorm Spiegel“, sagte Mittelfeldspielerin Simone Laudehr der „Bild-Zeitung“.

Kim Kulig, ebenfalls Mittelfeld, gibt im „Kicker“ zu Protokoll: „Ich ziehe mich gerne modisch an, schminke mich immer.“ Die große Leidenschaft von Abwehrspielerin Verena Faißt ist Shoppen: „Das ist wie Essen und Trinken – das braucht eine Frau einfach“, sagt Faißt und lässt sich dazu im roten Abendkleid ablichten.

Die selbst ernannte „Tussi“ Fatmire Bajramaj wird in der „Welt“ mit den Worten zitiert, sie schminke sich „selbst, wenn wir im Wald joggen gehen. Weiblichkeit gehört zum Frauenfußball“. Ach ja, Bajrama spielt im Mittelfeld – aber das scheint in diesem Zusammenhang Nebensache zu sein.

Nun ist es keine große Überraschung, dass Frauen um die 20 sich schminken und für Mode interessieren – die meisten tun das. Warum also haben die Fußballerinnen offensichtlich das Gefühl, sie müssten das bei jeder sich bietenden Gelegenheit betonen? Die Antwort gibt Julia Simic vom FC Bayern: „Mich nervt der Satz: » Du siehst ja gar nicht aus wie eine Frauenfußballerin.« Dahinter steht dieses unzutreffende Bild der unattraktiven Fußballerin.“

Um dieses Bild gerade zu rücken, zog sich Simic für die aktuelle Ausgabe des „Playboy“ aus („WM-Vorspiel mit scharfen Schüssen“). Genauso wie Kristina Gessat, die im vergangenen Jahr U-20 Weltmeisterin wurde, ist sie dort im durchsichtigen Leibchen zu sehen. „Wir wollen mit unseren Playboy-Bildern ja auch genau dieses Mannweiber-Klischee widerlegen“, erklärt Gessat. Und Simone Laudehr betont: „Wir sind nicht mehr die sogenannten Brecher, wie man die Spielerinnen von vor zwanzig Jahren vielleicht noch bezeichnet hat.“

Untentspannte Auftritte

Es ist dieser Rechtfertigungsdruck, der die Auftritte der Fußballerinnen so unentspannt macht – egal ob halbnackt oder in Abendrobe. Sie kämpfen gegen ein Image, das die männerdominierte Fußballwelt ihnen verpasst hat: lesbische Mannweiber mit Haaren an den Beinen. Ein Kampf, den sie nur verlieren können. Denn entweder, sie ignorieren solche Zuschreibungen und werden zwangsläufig weiter in diese hässliche Ecke gedrängt. Oder sie arbeiten mit Wimperntusche und Nagellack eifrig dagegen an und legen – quasi als Wiedergutmachung für das Eindringen in eine Männerdomäne – noch eine Extra-Schicht Make-up auf. Doch mit dieser Überbetonung ihrer Weiblichkeit bedienen sie, ob sie wollen oder nicht, soziale Erwartungshaltungen. Und schießen so ein Eigentor. Es ist unerheblich, ob sie freiwillig in diese Falle tappen oder von Marketing und Medien dazu genötigt werden. Denn das Phänomen sagt ohnehin mehr über unsere Gesellschaft aus als über Fußballerinnen: Frauenfußball wird inzwischen zähneknirschend akzeptiert. Aber nur, wenn die Damen adrett anzusehen sind.

Die Geschichte der Vorbehalte gegenüber fußballspielenden Frauen ist genauso lang wie die der Beziehung zwischen Männern und Fußball. Über Generationen gehen Väter mit ihren Söhnen ins heimische Stadion. Und erfährt ein Mann, dass er einen Sohn bekommt, hört man noch im Jahr 2011 den Satz: „Toll, dann kann ich ja mit ihm zum Fußball!“ In keiner anderen Sportart ist eine Kultur der Männlichkeit derart fest verankert. Um das zu erkennen, muss man noch nicht mal auf den Frauenfußball blicken. Es genügt zu wissen, wie angstbesetzt das Thema Homosexualität bei Fußballern ist.

Im Jahr 1955 beschloss der DFB, das Fußballspielen mit Damenmannschaften zu verbieten. „Diese Kampfsportart“ sei „der Natur des Weibes im wesentlichen fremd“, so dass „Körper und Seele unweigerlich Schaden erleiden“ und das „Zurschaustellen des Körpers Schicklichkeit und Anstand verletzt“.

Als die deutsche Frauen-Nationalmannschaft im Jahr 1989 die Europameisterschaft gewann, gab es für jede Nationalspielerin ein Kaffeeservice als Siegprämie. Ein Jahr später wurden die deutschen Männer Weltmeister. Prämie: 145 000 Mark. Immerhin: sollten die deutschen Frauen diese Weltmeisterschaft gewinnen (und die Chancen dafür stehen gut), gibt es dafür statt Service 60 000 Euro. 250 000 Euro hätten die Männer bekommen, hätten sie die den Weltmeister-Titel im vergangenen Jahr geholt. Historisch betrachtet holendie Spielerinnen also auf – was ihre Erfolge in den letzen Jahren angeht, sind sie den Männern längst überlegen. Vielleicht liegt hier der Grund für die Angst, dass Frauen nun auch noch ausgerechnet eine der letzten männlichen Bastionen schleifen könnten.

„Wie hoch ist der Anteil an lesbischen Spielerinnen im Frauenfußball heute?“ will der Playboy wissen. „Ich weiß gar nicht, warum das immer so ein Thema ist. Der Sport sollte im Vordergrund stehen“, sagt Kristina Gessat. Dem ist nichts hinzuzufügen. Was zählt, ist auf dem Platz.



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