Von Christian Leinweber, 15.06.11, 13:05h
Wer ruhige Musik macht, oder wer einfach nur zuhören will, der kann auf lautstarke Unterhaltungen während eines Akustikkonzerts gut verzichten. Für Menschen, die dort den Mund nicht halten können, hat Bacchet zu Recht wenig Verständnis: „Wenn man auf diese Art stört, ist das pure Ignoranz.“ Mit Ignoranz sollte man Hello Piedpiper auch nicht begegnen, sonst kommt man nämlich nicht in den Genuss seiner wunderschönen Songs. Rund 15 Stücke hat Bacchet im Repertoire, die er in den kommenden Wochen auf einem Album verewigen will. Im Gegensatz zu den nur mit Akustikgitarre vorgetragenen Live-Versionen seiner Songs sind die Studioversionen angereichert mit Schellenkranz und Melodica, Akkordeon und Gitarrenkoffer, den Bacchet als Bassdrum umfunktioniert hat. So erschafft der Singer / Songwriter eine dichte Atmosphäre, in deren Zentrum sein eindringliches Gitarrenpicking und sein warmer Gesang stehen. Rhythmisch treibend kommt der sehnsüchtige High-and-Lonesome Roller „Life in Autarky“ daher, und „Like the Lion in the Morning Time“ ist ein Folk-Kleinod im Walzertakt. Hello Piedpiper entführt mit seinen Stücken in die Weiten amerikanischer Landschaften, ohne dabei Lagerfeuerromantik zu bedienen. Zudem hat er ein Gespür für wohltemperierte, leicht psychedelische Melodien, die niemals einfach nur traurig oder einfach nur fröhlich sind. Vielmehr strahlen sie eine Gelassenheit aus, wie etwa die Werke des britischen Folksängers Nick Drake.
Aus England kommt auch die Formation, die für Bacchet über die Jahre hinweg ein Quell der Inspiration war: The Beatles. Aber auch Bob Dylan, der schwedische Singer / Songwriter The Tallest Man on Earth, und die Briten The Leisure Society haben den Musiker inspiriert: „Alles, was ich gut finde, hat auch einen Einfluss auf mich“, so Bacchet. „Und es wird nicht weniger.“ Seine Songs schreibt er zumeist aus einem inneren Bedürfnis heraus, er lässt seine Ideen, wie er sagt, einfach fließen: „Die besten Songs sind die, die in einer Stunde fertig sind – die sind nicht mit dem Kopf komponiert, sondern da kommen Melodie und Gitarrenlinie aus dem Bauch heraus.“ Bacchets Anspruch beim Songwriting: Die Stücke müssen ihm auch selber gefallen. Schließlich muss er sie live immer wieder spielen, eine halbherzige Komposition passt da nicht ins Programm. Auch anspruchsvolle Texte sind Bacchet wichtig, mit wenig originellen Themen will er sich darin nicht beschäftigen. „Ich habe zum Beispiel keine Lust, Lieder über Liebeskummer zu schreiben“, sagt er. Stattdessen thematisiert er Gesellschaftszustände, macht aufmerksam auf Dinge, die um uns herum passieren. „The Pawn that beats the Drake“ etwa ist ein Text über ein Volk, das sich gegen eine restriktive Regierung auflehnt, „War“ ein Lied über einen imaginierten Krieg zwischen den Menschen und der Natur, die sie zerstören. Hier singt Bacchet: „Red Lights flash we see them come, Vengeance is what they seek. Sending us to Kingdom come, cause that is where we meet. (Roter Lichter blitzen, wir sehen sie kommen, Rache ist’s, was sie suchen. Sie schicken uns ins Jenseits, denn dort werden wir uns treffen).
Bacchet gelingt es eindrucksvoll, seine zum Teil kritischen Botschaften nicht in Plattitüden zu verpacken, sondern in poetischen Metaphern zu verbergen. Für die Zukunft hat sich der Mann einiges vorgenommen: Neben der bereits erwähnten Veröffentlichung seiner Debütplatte will er im September auch eine zehntägige Deutschlandtour zusammen mit dem amerikanischen Singer / Songwriter Justin Sane bestreiten. Bacchets ungewöhnlicher Künstlername wurde übrigens inspiriert von Crispian St. Peters 60er Jahre Hit „The Pied Piper“, der regelmäßig im Auto von Bacchets Eltern auf Reisen nach Italien lief. „Soweit ich mich erinnern kann, ist das der erste Song, den ich richtig gut fand, und der aus mir einen Musikenthusiasten gemacht hat“, schildert Bacchet. Vielleicht wird es irgendwann einmal jemandem mit einem Lied von Hello Piedpiper so gehen. Die Kraft, schlummernden Enthusiasmus für Musik in Menschen zu wecken, haben seine Songs.
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