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Überschallflugzeug

In 90 Minuten von Paris in New York

Von Stefan Brändle, 19.06.11, 22:20h

EADS tüftelt an einem Supervogel, der mit Biokraftstoff aus Algen abhebt: dem „Zero Emission Hyper-Sonic Transportation“ also einem Überschalltransporter mit null Schadstoffausstoß. 2050 soll das Flugzeug startklar sein.

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So könnte er aussehen: Grafik des europäischen Überschallfliegers für bis zu 100 Passagiere. (Bild: afp)
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So könnte er aussehen: Grafik des europäischen Überschallfliegers für bis zu 100 Passagiere. (Bild: afp)
PARIS - Träume sterben nie. Das Concorde-Überschallflugzeug hat seinen Betrieb vor acht Jahren eingestellt, doch die Franzosen wollen jetzt einen Nachfolger bauen, wie in die Welt noch nicht gesehen hat: Eine zivile Maschine, die mit 4200 Stundenkilometern(Mach 4) um den Planeten donnert und Europa in anderthalb Stunden mit New York verbindet.

Vorgestellt wurde der Supervogel vom Airbus-Mutterunternehmen EADS in Paris, wo am heutigen Montag die Luftfahrtmesse von Le Bourget beginnt. Laut Jean Botti, Entwicklungsdirektor bei EADS, trägt das Projekt den wenig träumerischen Arbeitstitel ZEHST, was soviel heißt wie „Zero Emission Hyper-Sonic Transportation“, also ein Überschalltransporter mit null Schadstoffausstoß. Während die Concorde eigentlich eine Kerosinschleuder war, werde ihre Nachfolgerin unter dem Strich kein Kohlendioxid produzieren, heißt es.

Das Flugzeug soll sich beim Start normaler Triebwerke bedienen, die von einem aus Algen gewonnenem Biokraftstoff angetrieben werden. In der Luft schaltet die Maschine den Plänen zufolge auf ein Raketentriebwerk um, das mit Sauer- und Wasserstoff betrieben wird, sodass lediglich Wasserdampf ausgestoßen wird. Das Flugzeug soll damit eine Höhe von 32 Kilometern erreichen können. Herkömmliche Passagiermaschinen fliegen in etwa 10 000 Metern Höhe. Zum Landen werde das neue Flugzeug dann zur Erde gleiten und erst kurz vor der Landung wieder auf die normalen Triebwerke umschalten.

Der europäische EADS-Konzern mit Sitz in Paris und München, der Unternehmen und Aktionäre aus Frankreich, Deutschland, England und Spanien vereinigt, plant bereits die Umsetzung des Projekts.

Dazu hat er sich 2005 in aller Stille mit japanischen Partnern zusammengetan. Wie Botti vor Journalisten sagte, „hängt alles von der Finanzierung ab“. Mindestens zehn Jahre sind erforderlich, um nur schon die technische Grundlage zu erstellen. Angesichts des unerprobten Luftverhaltens müsste ein Jungfernflug zweifellos ohne Piloten und Passagiere stattfinden, sagte Botti. Mit einer Inbetriebnahme sei nicht vor 2050 zu rechnen.

Immerhin hat EADS schon so klare Vorstellungen von dem ZEHST, dass nun eine erste Computersimulation veröffentlicht wurde. Das Ganze sieht wie eine Mischung aus Concorde und Stealth-Bomber aus und soll zwischen 60 und 100 Passagieren Platz bieten. Der Druck auf die Passagiere soll durch drehbare Schalensitze vermindert werden.

ZEHST machts möglich: Wenn der Manager im Jahr 2050 in Tokio kurz einen Mittagstermin wahrgenommen hatte, ist er abends schon wieder bei der Familie. Statt elf Stunden Flug wie heute, braucht das Mach-4-Wunder nur noch knapp zweieinhalb Stunden von Europa in die japanische Hauptstadt.

Reine Zukunftsmusik? Auffällig ist, dass Airbus und EADS seit einigen Tagen mit futuristischen Projekten aufwarten. Jüngst etwa war es ein „durchsichtiges“ Flugzeug mit Panoramablick; in Le Bourget werden aber auch Modelle des elektrisch betrieben Propellerflugzeugs VoltAir oder des Helikopter-Flugzeug-Zwitters X3 zu sehen sein. Die spektakuläre Präsentation lenkt von aktuellen Problemen der europäischen Flugzeughersteller ab.

Airbus musste kurz vor Eröffnung der Airshow von Le Bourget bekanntgeben, dass zwei Fortentwicklungen seines Mittelstreckenfliegers A350 beträchtliche Verzögerungen erfahren: Die Kurzversion A350-800 kann nicht 2014, sondern erst 2016 in Betrieb genommen werden; die gestreckte Ausgabe A350-1000 braucht für ihre Fertigstellung ebenfalls zwei Jahre mehr – wegen Antriebsproblemen. Auch der Militärtransporter A400M muss wegen Motorproblemen auf einen Schauflug in Le Bourget verzichten. Dies ist nur der letzte Misserfolg in einer Serie von Rückschlägen. Aber die Überschallflieger sollen dann 2050 einwandfrei funktionieren.



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