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Restaurant-Kritik

Kalb und Thymian-Gnocchi

Von Helmut Gote, 27.06.11, 11:17h

Das "Wein am Rhein" bleibt Kölns bestes Weinrestaurant. Die Weinkarte mit vielen offenen und Flaschenweinen ist eine Fundgrube. Den Gast erwartet aber auch leckeres Essen - ob Überraschungsmenü oder à la carte.

Wein am Rhein Gastro-Kritik
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Neuer Küchenchef, neue Sommelière, alte Klasse: Das „Wein am Rhein“ (Bild: Max Grönert)
Wein am Rhein Gastro-Kritik
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Neuer Küchenchef, neue Sommelière, alte Klasse: Das „Wein am Rhein“ (Bild: Max Grönert)
Es ist doch immer wieder erstaunlich und beeindruckend, mit welch freundlicher Gelassenheit und geradezu gemütskölschem Optimismus à la et hät noch immer jotjejange Werner Bouhs, der Inhaber dieses etwas versteckt hinter dem Hauptbahnhof gelegenen Weinrestaurants, grundsätzliche Veränderungen souverän meistert. Kaum sind Anfang des Jahres sein Küchenchef Philipp Schneider und Sommelière Veronika Bauer, die in den ersten beiden Jahren nach der Eröffnung maßgeblich zur sehr gelungenen Entwicklung und dem auch qualitativ verdienten Erfolg des Lokals beigetragen haben, in trauter Gemeinsamkeit nach Bayern entschwunden, da sind schon die Nachfolger angetreten.

Die informative Kompetenz und immer gut gelaunte Art, die richtigen Weine zum jeweiligen Essen zu empfehlen, der neuen Sommelière Melanie Panitzke werden Sie vielleicht schon aus ihrer Zeit bei "Fischers Weingenuss und Tafelfreuden" kennen. Markus Schulz, der neue Küchenchef, war jahrelang zweiter Mann hinter Erhard Schäfer im "Maître im Landhaus Kuckuck" - auch eine vertrauensbildende Referenz, was die zukünftigen Leistungen des gesamten Küchenteams angeht.

Tatsächlich gibt es keinen Grund, sich als Gast und Weintrinker irgendwelche Sorgen um den zukünftigen Genuss in Kölns nach wie vor bestem (und vom Weingenuss-Führer Fürst Metternich sogar zur besten Wein-Bar Deutschlands 2011 gekürten) Weinrestaurant zu machen. Der gesamte Service läuft wie immer entspannt und aufmerksam, die großartige Weinkarte mit vielen offenen und noch mehr Flaschenweinen ist nach wie vor eine Fundgrube, in der Sie sich von Frau Panitzke bestens beraten lassen. Da füge ich nur noch hinzu, dass Sie sich keinesfalls den perfekt gereiften 2004er Pfälzer Riesling entgehen lassen sollten, den es exklusiv nur hier gibt.

Sardinen auf Brotsalat

Beim Essen ist die generelle Stilistik der Gerichte dieselbe geblieben: sehr gute Grundprodukte, große handwerkliche Sorgfalt und klare Strukturen auf dem Teller ohne überflüssigen Firlefanz. Beim preiswerten Überraschungsmenü (4 Gänge 43 Euro) kann man sich davon bei erstklassigen Sardinen auf einem Brotsalat mit feinem Olivenöl und einer samtig leichten Spargelcremesuppe mit knackigen Gamberetti und Brunnenkresse überzeugen, gefolgt von einem Kalbsrücken, mit Niere dazu, in aromatischem Jus und Frühsommergemüse mit frischen grünen Bohnenkernen als Beilage.

À la carte sind schon die großzügig portionierten Vorspeisen durchweg so verlockend, dass man sich kaum entscheiden kann. Das Carpaccio von taufrischen Jakobsmuscheln mit in Tempurateig knusprig gebackenem grünem Spargel und einigen Tupfen dezent abgeschmeckter Sardellenmayonnaise als geschmacklicher Brücke zwischen den beiden unterschiedlich temperierten Komponenten ist eine wahre Hymne an eleganten Purismus (18,20 Euro). Der große, mit Kaninchenragout gefüllte Raviolo (14,90 Euro) braucht nur den kurz gedünsteten Blattspinat und einige Pinienkerne zur harmonischen Abrundung. Und das mächtige, sehr saftige Kotelett vom Bigorreschwein im allerdings etwas zu kräftigen Jus ist mit perfekten Thymian-Gnocchi und Artischockengemüse ein mediterranes Gasthausgericht auf höchstem Niveau.

Die klassisch ausgeführte Patisserie von Julia Floß ist eine schiere Wonne. Die umwerfenden armen Ritter aus Brioche mit einer Vanillesauce, die man besser nicht machen kann, stehen immer auf der Karte (9,80 Euro), aber auch nach dem Törtchen aus Piemonteser Haselnüssen, eingelegten Kirschen und Holunderblüten-Eis (11,90 Euro) möchte man die sofortige Garantie, dass diese Pâtissière niemals das Haus verlässt. Werner Bouhs, übernehmen Sie!

Das Restaurant

Wein am Rhein
Johannisstraße 64
50668 Köln, Innenstadt

Tel.: 0221/91248885

Öffnungszeiten:
Di.-Fr. 12 Uhr bis 14.30 Uhr und ab 18.30 Uhr, samstags ab 18.30 Uhr



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