Erstellt 30.07.11, 15:48h, aktualisiert 30.07.11, 15:55h
OPDENHÖVEL: Ich bin ja nicht in Köln geboren. Ich komme aus Ostwestfalen und kann den Schwarzen Peter gleich an meinen Vater weitergeben. Er war Gladbach-Fan, mein Großvater war Gladbach-Fan, ich hatte da als kleiner Junge keine Chance.
Gladbach ist in der vergangenen Saison fast abgestiegen. Wie sehr fiebern Sie da mit?
OPDENHÖVEL: Ich bin mit den Jahren emotionsloser geworden. Es bedeutet nicht, dass ich die Spiele in Gladbach nicht verfolge, aber es ist nicht so, dass ich bei Niederlagen ähnliche Reaktionen zeige, wie ich es als Kind gemacht habe.
Stefan Raab ist ja FC-Fan.
OPDENHÖVEL: Da gab es immer lustige Sticheleien und das kann auch gerne so weitergehen. Er hat mir vor dem Relegationsspiel viel Glück gewünscht. Ein sehr netter Zug von einem FC-Fan. Das ist ganz hohe Toleranzschule.
Haben Sie auch selbst Fußball gespielt?
OPDENHÖVEL: Ich habe sehr lange gespielt. Und in der Jugend für unsere beschaulichen regionalen Verhältnisse auch relativ erfolgreich. Fußball hat mich als Jugendlicher intensiv begleitet. Aber ab der B-Jugend – vor allem als ich auch mal gehört hatte, wie das klingt, wenn ein Wadenbein durch ist – war mir diese Treterei zu viel. Ich war eher ein Filigraner und kein Vorstopper, der mit 30 Meter Anlauf in den Gegner springt. Deshalb hab ich das mit dem Fußball auslaufen lassen.
Wenn Fußball Ihre Jugend so bestimmt hat, war Sportjournalist schon immer Ihr Traumjob?
OPDENHÖVEL: Das waren immer die Leute, die umsonst ins Stadion kamen und dann auch noch die Spieler befragen durften. Ich fand das faszinierend, so nah an meinen Helden zu sein. Als ich dann wusste, dass das auch ein Beruf ist, wollte ich das machen. Ich hab es aber nicht ernsthaft verfolgt, weil ich immer dachte, dass das nur für Menschen ist, die seit der 7. Klasse eine Eins in Deutsch haben – und damit konnte ich nicht dienen.
Wie kamen Sie darauf zurück?
OPDENHÖVEL: Als ich ein zweiwöchiges Studium an die Wand gefahren habe, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich mein Leben lang mit BWL zu tun haben möchte, habe ich mir überlegt, da war doch was früher. Mir war klar, dass ich dann auch irgendwann mal anfangen musste. Und so habe ich in der Sportredaktion der Tageszeitung eine Hospitanz gemacht. Nach einem Jahr bin ich zum Radio, da habe ich moderiert, Sportsendungen gemacht.
Wieso sind Sie dann doch wieder weg vom Sport und hin zur Unterhaltung?
OPDENHÖVEL: Das war nicht geplant. Man kann im Fernsehen nicht wirklich ernsthaft über Jahre hinaus akribisch planen. Ich habe mich irgendwann aus Jux bei Viva beworben. Und die haben mich komischerweise auch genommen. Dann ist es sukzessive passiert, dass ich Spaß an der Unterhaltung hatte. Aber diesen Traum, Sport, und vor allem Fußball zu machen, hab ich nie verloren. Das hatte ich immer im Hinterkopf.
Sie haben als Stadionsprecher für Gladbach gearbeitet. Warum?
OPDENHÖVEL: Das war für mich der Einstieg, den Bereich Sport in meiner Karriere zu intensivieren. Was man da an einem Spieltag machen muss, ist vergleichbar mit Fußballberichterstattung im Fernsehen.
Aber als Stadionsprecher sind Sie kein objektiver Berichterstatter.
OPDENHÖVEL: Natürlich ist man da viel subjektiver, das sehe ich ein, aber an dieser Stellschraube konnte ich schnell drehen. Als ich nach drei Jahren als Stadionsprecher für Arena gearbeitet habe, war es kein Problem den Schalter umzulegen. Aber es gibt keinen Kollegen, der nicht für irgendeinen Verein Sympathien hat, weil man diesen Job aus Leidenschaft macht.
Sie haben die Sportschau den Heiligen Gral genannt. Woher kommt diese Faszination?
OPDENHÖVEL: Da werden Kindheitserinnerungen bedient. Ich habe als Kind nicht viel Fernsehen geguckt, weil ich es nicht durfte und es auch nicht viel gab. Da ist man lieber mit dem Ball unterm Arm auf die Wiese gegangen und hat gepölt. Aber ein Pflichttermin war samstags die Sportschau. Man kam gerade aus der Wanne, hat den Fernseher angemacht, den guten Ernst Huberty begrüßt und sich gefreut.
Wie ist das Gefühl, bald selbst dort zu stehen?
OPDENHÖVEL: Ich weiß ja noch nicht, wie es sein wird. Ich schätze aber, dass mir da ein leichter Schauer über den Rücken laufen wird. Ich hab keine Angst, dafür mache ich den Job schon zu lange, aber ich werde andächtig innehalten, wenn der Vorspann läuft.
Ihre Stärke ist die Unterhaltung. In der Sportschau haben Sie nicht mehr so viel Spielraum wie etwa bei „Schlag den Raab“.
OPDENHÖVEL: Ja, das ist natürlich eine ganz andere Fläche. Aber das Paket ARD beinhaltet ja nicht nur die klassische Sportschau, sondern dehnt sich auch aus in Richtung Fußball-WM, -EM, Olympische Spiele. Das ist für jemanden, der gerne Sport macht, unschlagbar. Darüber hinaus war ja Bestandteil des Deals, dass ich ab nächstem Jahr auch eine Unterhaltungsshow mache. Nun kann ich bei der ARD keine fünfstündige Sendung machen, aber ich werde die Unterhaltung auf keinen Fall auslaufen lassen.
Wie sähe die für Sie perfekte Show aus?
OPDENHÖVEL: Ich würde natürlich gerne in dem Bereich weitermachen, den ich auch bisher gemacht habe. Quizelemente und auch sportive Sachen sollten nicht zu kurz kommen. Ich mag Sendungen, in denen auch optisch was passiert. Ich werde sicherlich keine Show moderieren, in der ich nur die Kandidaten begrüße, die festgetackert hinter einem Pult stehen.
Soll die Show wieder live sein?
OPDENHÖVEL: Sehr gerne live. Es wird definitiv mindestens live on tape sein. Ich werde nie eine Sendung machen, bei der man sagt: „Ob die gut ist oder nicht, sagen wir euch in zwei Wochen, wenn wir aus der Postproduktion kommen.“
Was gefällt Ihnen so an Live-Sendungen?
OPDENHÖVEL: Ich mag sie einfach sehr, sehr gerne. Das gibt für alle Beteiligten diesen Kick. Wenn was passiert, kann man darauf unmittelbarer reagieren. Und wenn was schiefgeht, finde ich das nicht dramatisch schlimm. Ich mag es gerne, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Man darf die Zuschauer nicht für dumm verkaufen, indem man irgendetwas schönredet. Zum Fernsehen gehört auch eine Prise Selbstironie. Mich selbst da zu wichtig zu nehmen, fände ich völlig falsch.
Ihr Name ist auch in der Nachfolgediskussion für „Wetten, dass..?“ gefallen. Hätten Sie sich vorstellen können, die Show zu übernehmen?
OPDENHÖVEL: Sicherlich hört man seinen Namen in so einem Kontext lieber, als wenn gesagt wird, wir brauchen noch ein achtes Mainzelmännchen. Wenn man mich gefragt hätte, ehrt mich, aber ich kann mir „Wetten, dass..?“ ohne Thomas Gottschalk nicht vorstellen. Diese Sendung ist so von Gottschalk geprägt, dass ich allen Nachfolgern nur viel Glück wünschen kann.
Und was sagen Sie zu Gottschalks neuem Show-Konzept für die ARD?
OPDENHÖVEL: Ich fand die Nachricht sehr überraschend, dass er noch mal in dieses umkämpfte Vorabend-Haifischbecken steigt. Der Mann hätte auch sagen können, ich lege mich in Malibu an den Strand. Das wäre völlig legitim gewesen, denn er hat alles erreicht in der Fernsehlandschaft. Ich finde es saumutig, dass er sagt, für den Schaukelstuhl bin ich nicht geboren. Dafür kann ich ihm nur Respekt zollen.
Ihre Trennung von Pro Sieben wirkte von außen betrachtet nicht sehr harmonisch.
OPDENHÖVEL: Beide Seiten sehen das völlig professionell. Pro Sieben sieht ein, dass man dieses Angebot nicht ablehnen konnte. Ich kann nachvollziehen, dass der Sender gesagt hat, dann machen wir jetzt sofort den Schnitt. Das ist für mich kein Problem. Ich habe Pro Sieben sechs tolle Jahre zu verdanken und die Möglichkeit, mich in großen Shows zu etablieren. Das war alles spitze.
Und wie hat Stefan Raab reagiert?
ODPENHÖVEL: Der hat mir gratuliert und gesagt: „Mensch Opdi, freu ich mich. Das ist doch das, was du immer machen wolltest.“
Das Gespräch führte Anne Burgmer
Zur Person: Matthias Opdenhövel
Matthias Opdenhövel: Ein neuer Mann für die Sportschau
Jubiläum: Die „Sportschau“ feiert 50. Geburtstag
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