Von Stephan Propach, 29.08.11, 15:16h, aktualisiert 29.08.11, 15:44h
Ein gutes Essen mit einem Obstbrand zu beenden, das war die einzige Verbindung, die Ginsberg bis vor wenigen Jahren zu Bränden und Geisten hatte. Auf die Idee, professionell selbst zu brennen, stieß er im Internet. Und während gleichzeitig das alte Haus von Grund auf renoviert, 14 Container Schutt herausgekarrt und zwölf Tonnen Lehmbaustoffe neu eingebracht wurden, reifte der Entschluss, die erste kleine Obstbrennerei im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis aufzubauen.
Das nötige Fachwissen holte sich Frank Ginsberg in Österreich und Baden-Württemberg an der Staatlichen Obst- und Weinbauschule Wien und der Universität Hohenheim bei Stuttgart. Zusätzlich schulte der Hersteller der Brennanlage den Berufsanfänger. Nachdem auch die Verhandlungen mit der Branntweinmonopolverwaltung erfolgreich abgeschlossen waren und die Denkmalschutzbehörde zugestimmt hatte, konnte es in Rosbach losgehen.
Schon im Herbst des vergangenen Jahres galt es, tonnenweise Äpfel und Birnen zu reinigen, Pflaumen zu entsteinen und Maische zum Gären anzusetzen. Die eine oder andere Arbeitswoche seit Mitte September kam da im „Nebenjob“ schon mal weit über 60 Stunden. Schließlich richtet sich frisches Obst nicht nach üblichen Arbeitszeiten. Inzwischen hat die Saison 2011 für Ginsberg auch schon begonnen. „Dieses Jahr ist alles früher“, diese Erfahrung der Gärtner teilt er. Und weil er sich schon vor Wochen auf den Listen der Obsthöfe eingetragen hat, sind die ersten Früchte bereits geliefert worden. In Frage kommt für den Windecker Schnaps nur frisches Obst. Fallobst bleibt außen vor. Und weil er auf Qualität weit oberhalb der Supermarkt-Schiene setzt, kauft Ginsberg nur reine Sorten, wie die Orthenauer Pflaumen, die er vom Niederrhein bezieht. Birnen kommen aus der Region Meckenheim, Äpfel aus dem Bergischen. Das eigentliche Brennen beginnt in diesem Jahr wieder erst im Oktober. Wenn die Maische vier Wochen gegoren ist und die natürliche Süße der Früchte in Alkohol umgesetzt wurde, wird an der Bergstraße der moderne Ofen angeheizt. Über mehrere Stationen gewinnt Ginsberg in einem kompliziert anmutenden Destillationsvorgang den begehrten Alkohol. „Verwertbar ist nur der Mittellauf“, verrät er. Was ganz zu Anfang des Verfahrens aus dem Gerät laufe, sei ungenießbar, was am Ende nachfließe ebenfalls.
Versteuern muss Ginsberg den Alkohol jedoch unabhängig von der Qualität. Jeder Tropfen, ob er nun in die Tanks für den Ausschuss läuft, aus dem Hähnchen für das Probierpintchen oder in den Behälter für das kostbare Endprodukt, wird erfasst, regelmäßig von einem Mitarbeiter des Hauptzollamtes Köln abgelesen und abgerechnet. 13,03 Euro Alkoholsteuer pro Liter sind dann in Nordrhein-Westfalen fällig – etwa fünf Euro mehr als in Süddeutschland, weiß Ginsberg. Damit er erst gar nicht in die Versuchung kommt, auch nur ein Tröpfchen Alkohol am Zoll vorbei abzuzweigen, hat die Behörde die Anlage aus Kupfer und Edelstahl in dem Rosbacher Bauernhaus mit genau 80 Plomben versiegelt.
Beobachten kann Frank Ginsberg den Brennvorgang über angebaute Scheinwerfer. Gästen will er diese Einblicke auch gewähren – allerdings erst, wenn er sich selbst die nötige Routine beim Brennen angeeignet hat. Auch beim Filtern und Abfüllen ist er noch lieber allein. Im Rahmen einer Verköstigung können die hochprozentigen Erzeugnisse der Windecker Brennerei allerdings auch jetzt schon probiert werden. Während seiner Öffnungszeiten und erstmalig auch beim Tag des Offenen Denkmals am 11. September zeigt der Dorfbrenner Besuchern Haus und Destillier-Anlage.
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