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Jörg Uckermann

Ratsherr wegen Betruges angeklagt

Von Detlef Schmalenberg, 02.09.11, 11:28h

Die Staatsanwaltschaft hat den Pro-Köln-Ratspolitiker Jörg Uckermann wegen Betruges, Urkundenfälschung, Geldwäsche und Begünstigung einer Straftat angeklagt. Auch die Stadtverwaltung erhebt neue Vorwürfe gegen Uckermann.

Jörg Uckermann
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Pro-Köln-Politiker Jörg Uckermann. (Archivbild: Grönert)
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Pro-Köln-Politiker Jörg Uckermann. (Archivbild: Grönert)
Köln - Er liebt den großspurigen und selbstverliebten Auftritt, demnächst steht er jedoch vermutlich wieder einmal vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Köln hat den rechtsextremen Ratspolitiker Jörg Uckermann wegen Betruges, Urkundenfälschung, Geldwäsche und Begünstigung einer Straftat angeklagt. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Spitzenfunktionär der Partei „Pro Köln“ die Taten gemeinsam mit seinem Bruder begangen haben, der sich noch wegen zahlreicher weiterer Delikte verantworten muss.

Im Oktober 2009 ist die Wohnung von Jörg Uckermann durchsucht worden. Die Ermittlungen richteten sich in erster Linie gegen seinen Bruder. Der soll mit gefälschten Unterlagen eine Immobilie und zahlreiche andere Wertgegenstände erworben haben. Zudem soll er gegenüber einem Insolvenzberater eingeräumt haben, „Lohnabrechnungen, Kontoauszüge, Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen“ seiner bankrotten Firma gefälscht zu haben – um sich dann mit Hilfe von Scheinidentitäten unter anderem Kredite zu erschwindeln. So heißt es in Unterlagen, die dem Stadt-Anzeiger vorliegen. Unter dem Decknamen „Marin Müller“ sei beispielsweise auch ein Pkw gekauft worden.

Unfall soll sich nie ereignet haben

Exakt diesen Wagen habe er bei einem Unfall beschädigt, soll Jörg Uckermann im August 2008 seiner Kfz-Versicherung gemeldet haben. Die Assekuranz zahlte schließlich mehr als 7.000 Euro. Doch der angebliche Unfall habe sich in Wahrheit nie ereignet, forderte die Versicherung das Geld später zurück und erstattet Anzeige. Ermittlungen der Polizei hatten dem Vernehmen nach zuvor ergeben, dass die Rechnung, die zur Regulierung des angeblichen Schadens eingereicht worden war, vermutlich aus einem anderen Verkehrsunfall stammte.

Wie zu erfahren war, folgte die Staatsanwaltschaft jetzt dieser Einschätzung. Eine entsprechende Anklage sei beim Amtsgericht bereits eingegangen, bestätigte eine Justizsprecherin auf Anfrage.

Jörg Uckermann, der im Mai 2010 auch als Landtagskandidat für „Pro NRW“ angetreten ist, muss sich nicht nur wegen des vermuteten Versicherungsbetruges verantworten. Dem Vernehmen nach soll er seinem Bruder auch geholfen haben, einen Teil ergaunertes Geld für sich zu behalten.

Ein windiges Immobiliengeschäft

Die abenteuerlich anmutende Geschichte soll sich nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wie folgt abgespielt haben: Als angeblicher Bevollmächtigter des erfundenen „Marin Müller“ kaufte der Bruder mit einer gefälschten Bankbürgschaft für 2,15 Millionen Euro im Sommer 2009 ein Grundstück und Mietshaus in Ehrenfeld. Der frühere Eigentümer der Immobilie verpflichtet sich notariell, bis zur Zahlung des Kaufpreises zwischenzeitlich angefallene Mietzahlungen in Höhe von fast 30.000 Euro vorab an den „Neueigentümer Marin Müller“ zu überweisen.

Als aber im August 2009 wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung das Büro von Uckermanns Bruder von der Steuerfahndung durchsucht wurde, soll dieser noch am selben Tag 10.000 Euro des erschwindelten Geldes auf ein Konto von Jörg überwiesen haben. Der ultrarechte Kommunalpolitiker wiederum habe, so das Ergebnis des Ermittlungen, seinem Bruder die zu dem Konto gehörende EC-Karte ausgehändigt, mit der dieser etwa 9.000 Euro wieder abhob. Nach Ansicht der Fahnder wusste Jörg Uckermann um die „Umstände“ des angeblichen Immobilienkaufs und wollte seinem Bruder durch die Überlassung seines Girokontos dabei helfen, die Geldflüsse zu verschleiern und die erbeutete Summe in Sicherheit zu bringen.

Die Vorwürfe gegen ihn und seinen Bruder seien „bösartig erfunden“, sagte Jörg Uckermann am Donnerstag auf Anfrage. Nach seinem „jetzigen Kenntnisstand“ müsse er davon ausgehen, dass es sich bei der Staatsanwaltschaft „um eine Verleumdungsbehörde“ handele.

Weitere Vorwürfe gegen Uckermann

Jörg Uckermann wurde vom Landgericht Köln im Juni 2011 in einem anderen Zusammenhang bereits wegen der Abgabe einer falschen Eidesstattlichen Versicherung zu einer Geldstrafe verurteilt. Etwa ein Jahr zuvor hatte ihn das Amtsgericht in einer mittlerweile rechtskräftigen Entscheidung wegen Körperverletzung verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hat der ultrarechte Politiker im Mai 2008 im Bezirksrathaus Ehrenfeld eine politische Gegnerin getreten.

Es gibt noch weitere Vorwürfe gegen den "Pro"-Politiker. Die Stadtverwaltung hat ihn angezeigt, weil er als Mitglied der Bezirksvertretung Ehrenfeld zu Unrecht Verdienstausfall-Zahlungen beantragt und erhalten haben soll. Er soll die Gelder auch in Monaten kassiert haben, in denen er wegen einer Erkrankung gar nicht gearbeitet hat, sondern vom Tagesgeld seiner Krankenversicherung lebte. Insgesamt soll es sich um mehrere tausend Euro handeln. „Die Ermittlungen in der Sache dauern an“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.



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