Erstellt 07.09.11, 15:05h
Der Schweizer scheint am Niederrhein inzwischen der Mann für alle Fälle zu sein. „Ich bin Feuerwehrmann. Ich bin langfristiger Trainer. Mittelfristiger. Kurzfristiger. Ich bin ja jetzt alles“, sagte der Schweizer im Interview der Nachrichtenagentur dapd. Und grinst dabei. Eine Retourkutsche à la Favre für die Mechanismen des Geschäfts.
„Müssen um jeden Punkt kämpfen“
Deshalb hütet sich der Schweizer auch, in die Euphorie rund um den Borussia-Park mit einzustimmen. „Wir waren letzte Saison am Ende Tabellen-16. Das ist die Realität. Und deswegen müssen wir um jeden Punkt kämpfen - von Anfang an“, sagte Favre. Natürlich erkennt der 53-Jährige, dass sich der fünfmalige Meister unter seiner Führung vor allem in der Defensive deutlich verbessert hat. „Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir mit der gleichen Mannschaft spielen“, sagte Favre.
Der Klub hat auf dem Transfermarkt lediglich junge Spieler mit Perspektive verpflichtet, von denen noch keiner den Sprung in die Stammformation geschafft hat. Immerhin konnte die Borussia Leistungsträger wie den Brasilianer Dante und Marco Reus halten. „Was Marco in seinem Alter alles schon geleistet hat, ist unglaublich. Das ist wie auf der Playstation mit ihm manchmal“, sagte Favre über den Mann, der in der letzten Saison die Lebensversicherung des Klubs war.
Inzwischen steht unter Favre saisonübergreifend nur eine Niederlage aus den letzten elf Pflichtspielen. Die setzte es erst am vergangenen Spieltag beim FC Schalke 04 (0:1). „Wir haben gut angefangen. Wir erspielen uns schon mehr Torchancen, und das ist ein wichtiger Schritt“, sagte Favre über den erfolgreichen Saisonauftakt. Doch dieser Schritt ist nur einer von vielen, die noch folgen sollen. Denn der Schweizer hat einen Plan. Ähnlich wie Jürgen Klopp ihn hatte, als er ab 2008 aus Borussia Dortmund den amtierenden Meister formte.
Ein Perfektionist, der keiner sein will
Natürlich seien die beiden Vereine derzeit nicht zu vergleichen, räumt der Gladbach-Coach ein. Doch „mein Ziel ist, dass die Mannschaft defensiv wie offensiv gut spielt“, sagt der Perfektionist, der eigentlich keiner sein will. „Meine Philosophie ist Bewegung, technische Bewegung. Und man braucht Schnelligkeit, aber Schnelligkeit muss man interpretieren. Die braucht man bei der Ballannahme und auch im Lauf“, erklärte Favre.
Der frühere Coach von Hertha BSC Berlin bereitet sich akribisch auf jede Trainingseinheit vor, schafft neue Reize und will nicht nur seine Spieler, sondern auch sich selbst ständig verbessern. „Dazu brauche ich Zeit. Das geht nicht innerhalb einer Woche“, sagte Favre. Mike Hanke sieht das etwas anders. Der Stürmer sagte jüngst in einem Interview, in Gladbach könne etwas Großes entstehen. „Ja, ja, sie kennen ja die Spieler“, sagte sein Trainer nur. Und grinste wieder. (dapd)
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