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Ronald Pofalla

Machtmensch mit rauer Oberfläche

Von Thomas Kröter, 05.10.11, 13:08h

Angela Merkel hat Ronald Pofalla nicht als Rüpel vom Dienst eingestellt, sondern als geräuscharme Machtmaschine. Dass aus dem netten Rechtsanwalt vom Rhein einmal der „Pöbel-Pofalla“ werden würde, schien lange nicht ausgemacht.

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Ronald Pofalla. (Bild: dpa)
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Ronald Pofalla. (Bild: dpa)
Einen neuen Freund hat Ronald Pofalla durch seinen Schimpfanfall gewonnen. Ihm sei „ein deftiges Wort des Zorns immer lieber als eine scheinbar freundlich vorgetragene süßsaure Hinterhältigkeit“, kommentierte Joschka Fischer die Schmähattacke des Kanzleramtsministers auf CDU-Star-Dissident Wolfgang Bosbach. Seit er einen Bundestagspräsidenten „Arschloch“ nannte, gilt Fischer als Experte für parlamentarische Grobheiten.

Pofallas wichtigste alte Freundin ist weniger erfreut. Denn Angela Merkel hat den Rechtsanwalt vom Niederrhein nicht als Rüpel vom Dienst eingestellt, sondern als geräuscharme Machtmaschine - wie sein Vorgänger Thomas de Maizière eine war. Deshalb musste der 52-Jährige öffentlich zu Kreuze kriechen. „Ich ärgere mich selbst sehr über das, was vorgefallen ist, und es tut mir außerordentlich leid“, sagte Pofalla der „Bild“-Zeitung. Dass er am Morgen nach seinem Ausbruch Bosbach telefonisch um Entschuldigung gebeten hat, reichte seiner Chefin nicht. Merkel weiß, welche Sympathien Bosbach in ihrer Partei genießt.

Dass aus dem netten Ronald einmal der „Pöbel-Pofalla“ werden würde, schien lange nicht ausgemacht. Die „Frankfurter Allgemeine“ fand ihn 2006 einen idealen CDU-Generalsekretär für die große Koalition, denn er habe sich „weniger durch harte Attacken gegen den politischen Gegner hervorgetan, als vielmehr durch seine kommunikative Fähigkeiten nach innen". Höchst kommunikativ zeigte er sich auch in Bezug auf Helmut Kohl, den gefallenen Parteipatriarchen. Pofalla stand den Schwarz-Grünen von der „Pizza-Connection“ nahe, gewann schnell das Vertrauen der Anti-Kohl-Revolutionärin Merkel - und hielt gleichwohl Kontakt zum Idol seiner politischen Jugend. Er sorgte dafür, dass die Essener Anwaltskanzlei von Andreas Stephan Holthoff-Pförtner, für die er tätig war, den Altkanzler in der Spenden-Affäre vertrat.

Wahrscheinlich wuchs, zunächst unbemerkt, im Parteimanager der „neue“ Ronald Pofalla , der sich schon bald im christlich-liberalen Wunschbündnis präsentierte. Aus kleinsten Verhältnissen aufgestiegen, erst Sozialpädagoge, dann Jurastudent, machte er sich als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion in der Sozialpolitik einen Namen. Die Koalitionsverhandlungen auf diesem Gebiet führte er mit dem damaligen SPD-Chef Franz Müntefering - auf Augenhöhe. Aber das Arbeits- und Sozialressort ging an den Sozialdemokraten. Er wurde „nur“ Generalsekretär.

Eine Regierungsbildung später blieb wieder bloß ein „Nur“-Posten übrig: Kanzleramt, die Zentrale der Regierung. Aber der „Chef“ ist keiner aus eigenem Recht, sondern Leibeigener der Kanzlerin. Früh gab es Klagen über den herrischen Ton, in dem sich Pofalla „richtigen“ Ministern gegenüber äußerte. Zu Pofallas jüngstem Ausfall mag der aktuelle Euro-Stress beigetragen haben - aber eine Schicht tiefer köchelt ein Ehrgeiz, dessen Befriedigung er nun ein Stück weniger wahrscheinlich gemacht hat. Abhängiger von Merkels Gunst war er noch nie.



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