ZeitungsanzeigenAbo | Mediadaten
Schriftgröße

Schäden

Lange Risse durchs ganze Haus

Von Markus Clemens, 10.10.11, 19:08h

Das Haus von Wolfgang Müller bekommt immer mehr große Risse. Der Bedburger hält den Tagebau für die Ursache, doch RWE sieht sich nicht in der Verantwortung. Seit Jahren liegen Müller und das Unternehmen schon im Clinch.

Riss in Hauswand
Bild vergrößern
An der Front des Hauses an der Kölner Straße sind meterlange Risse zu sehen. (Bilder: Christ)
Riss in Hauswand
Bild verkleinern
An der Front des Hauses an der Kölner Straße sind meterlange Risse zu sehen. (Bilder: Christ)
Risse im Haus
Bild verkleinern
Rechtsanwältin Doris Vorloeper-Heinz und Wolfgang Müller finden auch im Keller des Gebäudes überall Risse.
Risse im Haus
Bedburg - Wenn Wolfgang Müller in seinem Wohnzimmer sitzt, fühlt er sich zunehmend mulmig. Risse durchziehen die Wände, „sie werden immer größer, das ganze Haus ist in Bewegung“, hat er beobachtet. Doch anders als bei zahlreichen seiner Nachbarn kommt ein Gutachten von RWE Power zu dem Schluss, dass es sich beiden deutlich sichtbaren Rissen nicht um Bergschäden handelt. „Dabei war das Haus komplett ohne Risse, als wir es 1984 gekauft haben.“ Seit Jahren liegen Müller und das Unternehmen nun schon im Clinch. Jetzt will sich der 60-Jährige zur Wehr setzen.

Mittlerweile hat er die Unterstützung einer Anwältin sowie des Markscheiders und Sachverständigen für Bergschäden, Peter Immekus, eingeholt. „Viele Risse werden immer größer, andere sind neu“, hat der Ingenieur beobachtet. Er betont, dass – anders als RWE Power behauptet – Setzungsschäden zu beobachten seien. Zudem seien geologische und tektonische Störungen in dem Bereich von Bedburg bekannt. Rechtsanwältin Doris Vorloeper-Heinz wirft RWE Power vor, mit ihrem Gutachten „selektiv“ gearbeitet zu haben mit dem Ziel, „Bergschadensansprüche zu vereitlen“.

Aueböden

Unterdessen hat Müller ein eigenes Gutachten über den Boden an und unter seinem 1876 erbauten Haus durchführen lassen. Klar ist, dass im Bereich des Hauses an der Kölner Straße das Grundwasser wegen der nahen Tagebaue massiv abgesenkt wurde. Dies, so der Gutachter, sei in dem Fall nicht so schlimm, wenn es gleichmäßig geschieht. Vorloeper-Heinz betonte dagegen in einem Schreiben an RWE Power, dass unterhalb des Hauses humose Aueböden festgestellt worden sind. „Bei Grundwasserentzug reagieren sie mit ungleichmäßigen Setzungen an der Oberfläche.“ Der Grund: Wenn diesen Böden die Feuchtigkeit entzogen werde, würden sie sich nach und nach zersetzen. RWE Power habe dagegen erklärt, dass dort keine solchen Böden vorlägen. Auch bei RWE Power ist der Fall der Familie Müller bekannt. „Wir haben fundierte Untersuchungen durch ein akkreditiertes Fachbüro durchführen lassen“, erklärt Unternehmenssprecher Manfred Lang. Der Untergrund sei untersucht worden, die Schlussfolgerungen seien eindeutig. Sein Unternehmen bleibe dabei, dass es sich nicht um Bergschäden handelt.

Müller hat unterdessen sogar Befürchtungen, irgendwann nicht mehr in seinem Haus wohnen zu dürfen. Erst vor einigen Monaten hatte er die Bauaufsicht des Rhein-Erft-Kreises im Haus, weil die Standsicherheit seines Balkons nicht länger gewährleistet war. „Es gibt keine Hinweise, dass unsere bergbaulichen Maßnahmen zu den Schäden geführt haben“, hatte RWE Power damals betont. Müller musste den Balkon mit eigenen Mitteln sanieren, immerhin 8000 Euro wurden fällig. Hätte er das Geld nicht gehabt, hätte sein Haus in letzter Konsequenz geschlossen werden können. „Nicht jeder kann sich so etwas leisten“, kritisiert er. Schlichtung Diplom-Ingenieur Immekus ist jemand, der deshalb schon lange die Umkehr der Beweislast fordert. Denn derzeit müssen Hausbesitzer nachweisen, dass die Schäden an ihrem Haus durch den Tagebau kommen. Er fordert deshalb, dass RWE Power künftig nachweisen muss, eben nicht für die Schäden verantwortlich zu sein. Guido van den Berg, Vorsitzender der Kreis-SPD betont dazu, dass diese geforderte Umkehr Teil des rot-grünen Koalitionsvertrages sei. „Er ist auf Antrag unseres Kreisverbandes dort hineingeschrieben worden.“ Van den Berg erklärt, dass er noch in der laufenden Legislaturperiode umgesetzt werden soll. RWE-Power-Sprecher Lang betont, dass Experten seines Hauses das neue, von Müller in Auftrag gegebene Gutachten prüfen würden. „Sollten dort neue Fakten für uns erkennbar werden, wird RWE sofort ein Gespräch mit Familie Müller suchen.“ Wolfgang Müller plant nun, die Schlichtungsstelle beim Regierungspräsidenten anzurufen. Dort werden sich dann neue Sachverständige mit seinem Fall beschäftigen. Auch eine Klage gegen RWE Power will er derzeit nicht ausschließen.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Umfrage

Benzinpreisrekord - Tanken Sie noch voll?
Die Benzinpreise haben neue Höchststände erreicht. Der Liter Diesel kostet im Schnitt 1,51 Euro, Super liegt bei 1,62 Euro. Wie gehen Sie mit der Preispolitik der Mineralöl-Konzerne um?

Anzeige





Special


Bildergalerien


RHEINLAND WETTER



ksta-blogs.de



Blog zur ksta.tv-Sendung



Aktion


Aktion





Aktuelle Verkehrsinfos


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Future Islands

27. Februar 2012,
Gebäude 9

 

Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Meistgelesene Artikel


Stadtmenschen Community


Extra


Die 5 beliebtesten Pausenspiele

Mahjongg Fortuna
Zuma
Zuma »
1507 Spieler
Bookworm
Bookworm »
1263 Spieler
Bubble Shooter
Bubble Shooter »
1034 Spieler
Bejeweled 2
Bejeweled 2 »
956 Spieler

Brutto / Netto Rechner

Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.) Steuerklasse

Dienste