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Remis gegen Gladbach

Leno hält für Bayer den Kopf hin

Von Christoph Pluschke, 16.10.11, 20:22h, aktualisiert 30.11.11, 21:22h

Bayer Leverkusen hat sich dank des späten Ausgleichstreffers von André Schürrle einen schmeichelhaften Punktgewinn bei Borussia Mönchengladbach gesichert. Beim Remis machte besonders Bernd Leno eine gute Figur.

Bernd Leno
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Bayer-Schlussmann Bernd Leno (Bild: afp)
Bernd Leno
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Bayer-Schlussmann Bernd Leno (Bild: afp)
MÖNCHENGLADBACH - Der Finger zwickte. Das Knie schmerzte. Der Schädel brummte. Aber Bernd Leno stand da und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Dem jungen Mann war klar, dass er einen guten, einen sehr, sehr guten Job gemacht hatte beim 2:2 seiner Leverkusener in Mönchengladbach. Nicht zuletzt seinem exzellenten Torhüter hatte es Bayer zu verdanken, dass man im Borussia-Park einigermaßen glimpflich davongekommen war.

Mitte der Woche hatte sich der 19-Jährige im Training den kleinen Finger der linken Hand ausgekugelt. Gerade noch rechtzeitig zum Abschlusstraining war der vom Ausrüster eigens angefertigte Spezialhandschuh eingetroffen. „Kurz vor dem Spiel hab’ ich dann noch ’ne Schmerztablette eingeworfen, dann sollte das schon irgendwie gehen “, sagte Leno.

Von wegen. Nach gerade mal zweieinhalb Minuten lag der Bayer-Keeper in Folge eines Zusammenpralls mit Marco Reus schreiend am Boden, aus einer tiefen Fleischwunde oberhalb des Knies quoll das Blut. Augenzeuge Hanno Balitsch signalisierte der Bank, dass ein Torwartwechsel wohl unvermeidlich sein würde. Ersatz-Schlussmann David Yelldell machte sich bereits warm, als Leno nach einer Erstbehandlung verbunden und verpflastert doch weitermachen konnte. Und wie!

Mit einer Vielzahl von Paraden ließ der Bayer-Torhüter die Gladbacher in der Folgezeit schier verzweifeln. Die spektakulärste Rettungstat aber vollbrachte er in der zweiten Minute der Nachspielzeit, als er nach einem kernigen Volleyschuss – abgefeuert von Reus aus gerade mal drei Metern Entfernung und mit einer Geschwindigkeit von 106 Stundenkilometern unterwegs – für seine Mannschaft buchstäblich den Kopf hinhielt, in der linken Gesichtshälfte getroffen wurde und k.o. ging. Den Schlusspfiff bekam er nach eigenem Bekenntnis nicht mehr mit. Als er sich wieder aufgerappelt hatte, habe er erstmal zur Anzeigentafel geschaut. „Da stand immer noch 2:2, also war ja alles gut“, erzählte Bernd Leno hinterher schmunzelnd und kommentierte seine heldenhafte Tat so pragmatisch wie möglich: „Ob ich den Ball nun mit dem Kopf oder mit den Eiern halte, ist doch egal – Hauptsache gehalten!“

Schmeichelhafter Punktgewinn

Noch ein anderer Jungspund wurde nach diesem äußerst schmeichelhaften Punktgewinn von den Bayer-Fans gefeiert: Andre Schürrle, 20 Jahre alt und Schütze des Ausgleichstores. Drei Minuten vor Schluss war er in der ihm eigenen unwiderstehlichen Art von links nach innen gezogen und hatte Gladbach-Keeper ter Stegen mit einem platzierten Schuss in den Winkel überwunden. Das hat man so schon oft von ihm gesehen, aber was soll’s? „Der Arjen Robben macht das auf der anderen Seite schon ein paar Jahre länger als ich, und bei dem klappt das doch auch immer wieder“, erklärte Schürrle in gleichfalls entwaffnender Offenheit.

Neben Lenos exzellenter Leistung und Schürrles ersehntem ersten Bundesliga-Tor für die Werkself fand Robin Dutt bei einer ersten Aufarbeitung des Geschehens noch einen dritten positiven Aspekt: „Dass wir in Unterzahl nochmal zurückgekommen sind.“ Wobei die numerische Unterlegenheit nach 68 Minuten aus einer Aktion resultierte, wie sie überflüssiger nicht sein konnte. Der „Blindheit“ hatte Gonzalo Castro den Linienrichter bezichtigt und dafür von Referee Wolfgang Stark die Rote Karte gezeigt bekommen. „Darüber wird noch zu reden sein“, kündigte Sportchef Rudi Völler an, was schon mal streng nach einer Geldstrafe roch.

Robin Dutt, der einen Tag zuvor noch öffentlich an die Disziplin seiner Spieler appelliert hatte („In der ohnehin schon angespannten Personalsituation dürfen wir uns durch unnötige Platzverweise nicht zusätzlich schaden“), rügte im Übrigen das taktische Fehlverhalten seines Teams nach und trotz der eigenen Führung durch Stefan Reinartz’ Tor zum 0:1 (20.). In der Diktion des Trainers hörte sich das so an: „Auf die Gladbacher Systematik mit dem Ein-Kontakt-Spiel im Mittelfeld haben wir keinen Zugriff bekommen.“

Folge der Zugriffslosigkeit waren die Gegentreffer durch Reus (65.) und Patrick Herrmann (72.), jeweils auf sehenswerte Vorarbeit des feinfüßigen Juan Arango. Dass es nicht deutlich mehr wurden, hatte – siehe oben – viel mit einem gewissen Bernd Leno zu tun.



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