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Rohstoffe

Spekulation schürt den Hunger

Von Tobias Schwab, 18.10.11, 13:45h, aktualisiert 18.10.11, 21:56h

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert von der Finanzbranche, die Spekulation mit Agrar-Rohstoffen sofort zu beenden. Die Banken seien Mitschuld am mörderischen Preisanstieg. Auch Josef Ackermann wird heftig kritisiert.

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Foodwatch wirft Banken vor, durch Spekulationen die Preise von Agrarprodukten in die Höhe zu treiben. (Bild: dpa)
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Foodwatch wirft Banken vor, durch Spekulationen die Preise von Agrarprodukten in die Höhe zu treiben. (Bild: dpa)
BERLIN - Für Foodwatch ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein „Hungermacher“. So jedenfalls ist die aktuelle Studie der Verbraucherorganisation über Spekulationen mit Agrarrohstoffen überschrieben, in der Ackermann stellvertretend für die Zunft der Investmentbanker frontal angegangen wird. Als Chef eines der größten Institute und Vorsitzender des Weltbankenverbandes IIF trage Ackermann „persönlich Mitschuld daran, dass Menschen in den ärmsten Ländern Hunger leiden und daran sterben“, sagte Foodwatch-Chef Thilo Bode bei der Vorstellung des Reports.

Die vom Wissenschaftsjournalisten und Buchautor Harald Schumann für Foodwatch erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Investmenthäuser wie die Deutsche Bank und Goldman Sachs sowie die Verwalter von Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen durch ihre Wetten auf Mais, Soja und Weizen die Preise treiben. „Die These der Finanzindustrie, dass Spekulation keinen Einfluss auf die Preise hat, ist nicht zu halten“, sagte Schumann.

Sinn der Wetten, so Studienautor Schumann, sei es ursprünglich gewesen, Händler gegen Preisschwankungen abzusichern. Bei dieser „nützlichen Spekulation“ schließen zum Beispiel Agrarhändler Verträge (Futures) über Warenlieferungen zu einem festen Preis und einem festen Termin in der Zukunft ab – was der Planungssicherheit dient. Bis zur Jahrtausendwende wurde dasGros solcher Verträge von Produzenten und Verarbeitern geschlossen. Doch nach dem Platzen der Internet-Blase entdeckten Banken die spekulativen Rohstoff-Papiere als sichere Anlage. Die Deregulierung der Finanzmärkte machte den Rohstoff-Handel auch für institutionelle Anleger lukrativ, die kein Interesse an der Preisstabilität im physischen Handel haben, sondern vor allem auf langfristige Renditen aus sind.

„Eine Preiserhöhung um nur wenige Prozent entscheidet über Leben und Tod“, sagte Bode. Da die Menschen in den ärmsten Ländern bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden müssten, hätten Preissteigerungen oft schnell fatale Folgen. Der Foodwatch-Chef zitierte eine Weltbank-Studie, nach der während der Hochpreisphase 2007/2008 weltweit rund 100 Millionen Menschen mehr an Hunger leiden mussten. In einem offenen Brief fordert Foodwatch deshalb Deutsche-Bank-Chef Ackermann auf, sich nicht länger einer effektiven staatlichen Regulierung der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu widersetzen, sondern sie aktiv zu unterstützen. Das Frankfurter Institut selbst solle beispielhaft vorangehen und in seinen Fonds auf jeglichen Handel mit Agrarrohstoffen verzichten. Foodwatch bezieht sich dabei auf ein Versprechen der Deutschen Bank selbst. Im Bericht des Instituts über „gesellschaftliche Verantwortung“ heißt es, das Geldhaus wolle „ökologisch und sozial möglichst verantwortlich“ handeln. Doch dieser hehre Anspruch, so der offene Brief, stehe bislang in krassem Gegensatz zur Geschäftspolitik der Bank.

Auch an die europäischen Regierungen adressiert Foodwatch Forderungen. „Die Zockerei im Rohstoff-Kasino muss durch Spielregeln eingedämmt werden“, sagte Bode. Abhilfe kann nach Ansicht von Foodwatch nur ein Ausschluss institutioneller Investoren von Rohstoffgeschäften schaffen. Die Verbraucherorganisation macht sich zudem dafür stark, Publikumsfonds für Agrar- und Energierohstoffe zu verbieten.

Die Deutsche Bank zeigte sich zumindest am Dienstag nicht einsichtig. Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen, so das Institut, seien vor allem auf Wetterereignisse, die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern sowie den wachsenden Bedarf an Biodiesel zurückzuführen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch indes will den Druck auf das Institut jetzt erhöhen. Verbraucher können sich miteiner E-Mail an der Kampagne „Hände weg vom Acker, Mann“ beteiligen.



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