Erstellt 19.10.11, 10:09h, aktualisiert 19.10.11, 19:45h
Doch es ist ein anderer Auftritt Boninsegnas, der ihn beim deutschen Fußballpublikum unsterblich unbeliebt macht und die deutsch-italienischen Beziehungen in diesem Sport nachhaltig versaut. Es geschieht am 20. Oktober 1971. 28 Minuten sind im Europapokal der Landesmeister zwischen Borussia Mönchengladbach und Inter Mailand gespielt, als eine Cola-Dose von der Haupttribüne auf das Spielfeld fliegt und den italienischen Stürmer touchiert. Ob die Büchse leer oder voll gewesen ist, wo und wie heftig sie Boninsegna genau getroffen hat, all das ist mit 40 Jahren Abstand nicht mehr zu beweisen - und längst zur Glaubenssache geworden. Auch den Werfer hat die Polizei nie ermittelt.
„Ich konnte ganz klar sehen. dass die Dose ihn nicht am Kopf getroffen hat“, beteuert Volker Klüttermann, damals Ordner am Bökelberg. Sein Fazit: „Reine Schauspielerei.“ Das sieht auch Boninsegnas damaliger Gegenspieler Luggi Müller so: Erst auf Zuruf eines Mitspielers habe sich der Stürmer fallen lassen wie ein gefällter Baum. Als der Inter-Mannschaftsarzt und ein Betreuer aufs Feld kamen, „da wollte Boninsegna aufstehen, aber der italienische Betreuer drückte ihn wieder runter.“
Der niederländische Schiedsrichter Jef Dorpmans unterbricht die Partie und diskutiert mit seinen Assistenten über einen Abbruch. Sieben Minuten später pfeift er das Spiel wieder an. Während der ausgewechselte Boninsegna angeblich in der Kabine ohnmächtig wird und seine „Platzwunde“ versorgen lässt, wird sein Team auf dem Feld in die Einzelteile zerlegt. Angetrieben von einem überragenden Günter Netzer, siegt Borussia Mönchengladbach mit 7:1. „Es war das schönste Fußballspiel, das der Bökelberg je gesehen hat“, schwärmt noch heute Ulrik Le Fevre, der dänische Sturmpartner von Jupp Heynckes.
Doch der Jubel über die Gladbacher Gala währt nur eine gute Woche. Am 29. Oktober annulliert die UEFA das Spiel – und ordnet eine Wiederholung „in einem neutralen Land“ an. Gespielt wird schließlich am 1. Dezember in West-Berlin, das Spiel endet 0:0. Weil Borussia das Rückspiel in San Siro mit 4:2 verloren hat, kommt Inter eine Runde weiter. Die Elf von Hennes Weisweiler fühlt sich betrogen um ihre größte Nacht.
Die Spiele in Mailand und Berlin zementieren das Image der Italiener als ruchlose Treter. „Mit unzähligen brutalen Fouls rächen sie sich für das Debakel von Gladbach“, schreibt die Westdeutsche Zeitung. Herausragend auch in dieser Disziplin: Roberto Boninsegna. Kurz vor Schluss des Wiederholungsspiels bricht er Luggi Müller das Schienbein.
Nachspiel: Zum 40. Jahrestag des Büchsenwurfs bemüht sich Borussia Mönchengladbach, das Corpus Delicti aus dem Exil an den Niederrhein zu holen. Schiedsrichter Dorpmans hatte die Coladose nach Spielende von der Polizei überreicht bekommen, nach Hause mitgenommen und sie später seinem Club Vitesse Arnheim vermacht. Dort ziert sie nun das Vereinsmuseum. Borussia-Manager Max Eberl will mit den Niederländern über die Ablösemodalitäten verhandeln. „Wir setzen alles daran, die Dose in unseren Besitz zurückzuholen.“
Bildergalerie: Inter, Juve etc: Heiße Nächte im Europapokal
Linktipp: Interview mit Schiedsrichter Jef Dorpmans (auf torfabrik.de)
Was im Fußball vor 40 Jahren und heute
20.10.2011 | 13.05 Uhr | michaschreibt
bleibt, sind die Schauspieleinlagen, die ohne Einführung von Videobeweisen sicherlich noch lange Bestand haben dürften. Boninsegnas Schicksal ist,…
Italien
20.10.2011 | 10.57 Uhr | hennes16
Ich erinnere mich noch an diese beiden Spiele, als wäre es gestern gewesen. Danach war mein bis dato neutrales bis freundschaftliches Verhältnis zu…
Italien und Fussball...
19.10.2011 | 22.49 Uhr | klatschtant
Ich bin ja ein großer Liebhaber Italiens - der Küche, der Sprache, der Landschaft, des Lebensstils...
Aber Italien und Fussball, das ist seit…
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