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Moscheebau

Das Vertrauen wurde enttäuscht

Erstellt 29.10.11, 11:42h, aktualisiert 28.02.12, 12:15h

Als im Kölner Rat der Moscheebau beschlossen wurde, war von „Vertrauen“ die Rede. Davon ist heute nichts zu spüren. Soll die jüngste Ditib-Pressekonferenz mit ihrem Kasernenhofton für das künftige Miteinander stehen? Ein Kommentar von Peter Pauls.

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Die neue Moschee in Ehrenfeld. (Bild: Schwarz)
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Die neue Moschee in Ehrenfeld. (Bild: Schwarz)
Vor wenigen Tagen hat Fritz Schramma in der Zeitung lesen müssen, was die Bauherrin der Kölner Zentralmoschee ihm und den anderen Mitgliedern ihres eigenen Moschee-Beirates eigentlich persönlich hätte mitteilen müssen. Die „Türkisch-Islamische Union Ditib“ hat ihren Architekten Paul Böhm gefeuert – den Mann, der eine „kölsche Moschee“ bauen wollte. Den Moschee-Beirat hatte die Ditib als Zeichen des guten Willens eingesetzt, um Offenheit gegenüber Ängsten in Köln zu zeigen. Nun ignoriert sie ihn.

Der frühere Kölner Oberbürgermeister ist nicht irgendwer. Stets hat Fritz Schramma sich für den Bau dieser Moschee eingesetzt. Das hat er in der freundlichen und auf Miteinander zielenden Weise getan, die Köln liebenswert macht. Dass persönliche Schicksalsschläge sein Engagement so wenig beeinträchtigten wie der Widerstand seiner eigenen Partei, der CDU, hat Schramma mit sich ausgemacht. Über die Person hinaus gibt er dem positiven Votum Kölns also ein Gesicht und steht für diese Stadt, deren Rat am 28. August 2008 den Moscheebau genehmigte. Dieses wuchtige Gotteshaus mit seinen 55 Meter hohen Minaretten und dem Gebetsraum für mehr als tausend Menschen, prominent platziert an der Eingangstür zum ehemaligen Arbeiterviertel Ehrenfeld. Wer Schramma und seine Mitstreiter ignoriert, der sagt, wissentlich oder nicht, dass er solche Befürworter nicht ernst nimmt. Oder nicht mehr braucht.

Unwürdige Episode

Seinerzeit war im Rat von „Vertrauen“ die Rede, von der Hoffnung auf ein offenes Gotteshaus und interkulturellen Dialog. Davon ist heute nichts zu spüren. Den eigenen Beirat brüskiert die „Ditib“, deutscher Arm des türkischen Religionsministeriums. Und soll die jüngste Ditib-Pressekonferenz mit ihrem Kasernenhofton, abgelehnten Fragen und der nach 45 Minuten abgebrochenen Veranstaltung für das künftige Miteinander stehen? Woraus speisen sich der ablehnende Tonfall und die Attitüde, es mit einer feindlichen Umgebung zu tun zu haben? Wer in diesem Land mit türkischen Journalisten so umginge wie die Ditib mit Kölnern, müsste – zu Recht – mit gravierenden Vorwürfen rechnen. Schramma, der Beirat und die Kölner Öffentlichkeit verdienen diese Behandlung nicht. Das ist, wenngleich noch Episode, unwürdig.

Der Streit zwischen Bauherrin und ihrem Architekten Böhm, einem Experten für Sakralbauten, ist schwer zu beurteilen. Beide Seiten haben gewichtige Argumente vorgetragen. Nach Sachlage werden Gerichte sie bewerten. Die Ditib, vor allem aber die Stadt Köln mit ihren Bürgern aller Nationalitäten können froh sein, wenn man um einen Baustopp herumkommt – und eine neue Grundsatzdebatte.

Die Diskussion um den Bau der Moschee ist Vergangenheit. Ob der Islam eine „archaische Hirtenreligion“ ist, wie es damals hieß, wird heute nicht mehr erörtert, und wer es wagt, die Pläne der „Ditib“ zu kritisieren, wird hoffentlich nicht mehr mit Rechtsextremisten in einen Topf geworfen. Unübersehbar steht das Gotteshaus im Rohbau an der größten Einfallstraße Kölns, und Abertausende passieren es täglich. Es ist tragisch, dass das Ziel einer „kölschen Moschee“ heute, wo die handelnden Personen das Gespräch miteinander verlernt haben, offenbar weiter entfernt ist als damals, als es um eine Idee ging. Entsteht in Köln nun eine türkische Moschee? Wir möchten das nicht annehmen. So brüsk und barsch wie die Ditib kennt man Türken nicht.



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