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Museumsnacht

Acht Stunden durch die laue Nacht

Von Martin Boldt, 07.11.11, 09:15h, aktualisiert 07.11.11, 15:44h

Unterwegs zu Helden, Trommlern und jeder Menge Kunst schlenderten Tausende durch die Nacht: Bei der zwölften Auflage der "Langen Nacht der Kölner Museen" gab es für die Besucher wieder zahlreiche Schätze zu entdecken.

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Geballte Ladung Kunst: Die Schau „Panoptikum“ im Wallraf-Richartz-Museum präsentiert Schätze aus dem Depot. (Bild: Worring)
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Geballte Ladung Kunst: Die Schau „Panoptikum“ im Wallraf-Richartz-Museum präsentiert Schätze aus dem Depot. (Bild: Worring)
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Nur Pinocchio durfte nicht ins Museum Ludwig. (Bild: Worring)
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Trommler Lahcen Jmouh im Museum für Ostasiatische Kunst. (Bild: Worring)
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Köln - Die „Lange Nacht der Kölner Museen“ bietet maximalen Kunstgenuss zum kleinen Preis. Wir machen den Selbstversuch: Wie viel Kultur passt in acht Stunden Lebenszeit?

18.17 Uhr: Die nächtliche Entdeckertour ist bestens vorbereitet. Kamera-Akkus geladen, bequeme Schuhe an den Füßen. Jacke und Regenschirm hätte ich allerdings zu Hause lassen können. Die Nacht ist mit milden Temperaturen gesegnet.

18.25 Uhr: Das Kombiticket gibt es am Roncalliplatz, wo gerade ein Dutzend Aktivisten gegen Atomtransporte demonstriert. Der Blick ins Programmheft verspricht 45 Stationen und 300 einzelne Programmpunkte. Alleine auf der Schäl Sick gibt es in diesem Jahr fünf Neuzugänge.

18.31 Uhr: Ich entscheide mich, mit der City-Tour zu starten, da hier viele Museen zu Fuß erreichbar sind. Erste Station ist die Sonderausstellung „Ägyptische Gärten“ im Römisch-Germanischen Museum. Während die Nachwuchssängern Mariam mit rauchiger Stimme ihr Lied anstimmt, bleibt Zeit, die uralten Exponate – Vasen und Tafeln mit Hieroglyphen – genauer zu mustern. Detaillierte Modelle zeigen, wie die Gartenanlagen der Kultstätten einst ausgesehen haben könnten.

19 Uhr: Die Schlange zu den Ausgrabungen am Dom ist bereits 50 Meter lang. Also ab ins direkt angrenzende Museum Ludwig. Auf dem Weg zur Installation „Cut! Cut! Cut!“ von Cosima von Bonin bleibe ich bei der Sonderausstellung „Ich und Ich und Ich und Ich“ mit Porträtfotografien von Pablo Picasso hängen. Der Mann war – nennen wir es beim Namen – ein Poser, der gerne seinen Oberkörper zur Schau stellte. Den stärksten Eindruck hinterlässt ein Bild des Künstlers samt Indianerkopfschmuck.

19.17 Uhr: Cosima von Bonins Installation selbst ist reichlich farbenfroh: Der Raum ist gefüllt mit Wohninterior in XXL und bevölkert von faulem Getier: Austern chillen auf der Schaukel und Gummikraken machen es sich auf einem Hochbett bequem.

19.20 Uhr: Ein kurzer Blick auf Salvatore Dalís „La gare de Perpignan“, dann geht es schnellen Schrittes weiter zum Praetorium. Die Demonstranten auf dem Roncalliplatz sind verschwunden. Jetzt feiern an gleicher Stelle junge Männer auf dem Bierbike einen Junggesellenabschied.

19.32 Uhr: Der Ausflug in die Unterwelt an der Budengasse lohnt sich. Drei Pantomimen bespielen die römischen Überreste. Zu sphärischen Klängen wandern sie durch das Publikum und zaubern mit ihren geheimnisvollen Bewegungen ein Lächeln auf die Gesichter der Anwesenden.

19.40 Uhr: Während der Hauptdarsteller Milan Sladek es schafft, nur mit Gesten und Mimik eine Geschichte zu erzählen, erzählt mir eine Frau, dass ihr eine Kunstform zu kurz kommt: Anders als vor zwei Jahren gebe es kaum Tanzvorführungen.

20.01 Uhr: Nach einem kurzen Abstecher in das Zelt der Archäologischen Zone am Historischen Rathaus steht als Nächstes das Wallraf-Richartz-Museum auf dem Plan. Im Obergeschoss läuft gerade Poetry-Slam. Vor dem „Martyrium des Heiligen Sebastians“ erfahre ich hier von einem der Poeten namens Florian Cieslik einiges über Heldentum.

20.16 Uhr: Schon einmal vor Ort, lasse ich es mir nicht nehmen, das „Panoptikum“ zu besuchen. Die dicht gehängten Schätze aus dem Depot erschlagen einen auf den ersten Blick. Die meiste Aufmerksamkeit erhält die Fälschung eines Van-Gogh-Bildes, an der Kuratorin Ludmila Piters-Hofmann die Ungereimtheiten entlarvt.

20.44 Uhr: Ich entscheide mich für die Tour durch den Kölner Süden und steige in einen der zahlreichen Shuttle-Busse, die in dieser Nacht im Viertelstundentakt fahren. Der Bus ist voll, vor allem junge Leute scheinen das Angebot zu nutzen.

20.55 Uhr: Weil ich Schokoladen- und Olympiamuseum bereits ausgiebig kenne, steige ich erst an der Köln International School of Design aus. Neben der Gemeinschaftsarbeit „Sinus 264“ von Christian Wonner, André Sheydin und Tanja Steinebachs, einem Werk, an dem die Besucher die 132 an einer Angelschnur befestigten Stäbe selbst in Form bringen können, überrascht auch die zweckentfremdete Verwendung von Zeitungen – der „Kölner Stadt-Anzeiger“ als Sitzmöbel.

21.18 Uhr: Die Gothaer Versicherung am Arnoldiplatz 1, der südlichste Ausläufer, ist erreicht. Hier dreht sich eine Nacht lang alles um Fälscher und Kunsträuber. Wer mag, kann sich von Fotograf Michael Pallgen als Mona-Lisa-Fälschung fotografieren lassen. Ein netter Gag, den ich gerne mitmache, darf man das Foto doch anschließend mitnehmen.

21.57 Uhr: Das Museum für Ostasiatische Kunst am Aachener Weiher ist mein persönliches Highlight. Das scheint aber auch vielen anderen so zu gehen. Den Kampf um die letzten Sitzkissen für die Bunji-Taiko-Demonstration nehme ich gar nicht erst auf. Die Riesentrommel, wahrscheinlich Japans ältestes Instrument, die der Marokkaner Lahcen Jmouh schlägt, lässt den Raum erzittern.

22.16 Uhr: Im zweiten Teil der Darbietung erhöht sich die Schlagzahl. Sechs Musiker prügeln im Gleichklang mit ihren dicken Holzschlägern auf die Trommelfelle ein. Trotz der Anstrengungen scheint das Ganze bestens geeignet zum Stressabbau.

22.51 Uhr: Jetzt geht es auf die rechte Rheinseite. In der Linie 1 treffe ich mehrere deprimierte FC-Fans, die gerade aus Bremen zurückgekehrt sind.

23.32 Uhr: Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich das Odysseum, das zum ersten Mal bei der langen Nacht mitmacht. Allmählich macht sich jedoch geistige Erschöpfung breit. Nicht nur bei mir. Die Vielfalt der interaktiven Wissenschaftsspielereien wirkt zu dieser Uhrzeit schlicht überfordernd.

0.02 Uhr: Statt selbst zu forschen und Aufgaben zu lösen, schaue ich lieber anderen zu: Gelegenheit dazu gibt die Show der ARD-Wissenschaftssendung „Kopfball“. Das Moderatorenpaar wirkt ebenfalls ermattet, gibt aber alles, um den Saal zu begeistern.

0.53 Uhr: Nach einer Fahrt in einem hoffnungslos überfüllten Bus erreiche ich das Museum Schnütgen. Mehr als ein Schnelldurchlauf entlang der 225 aus aller Welt nach Köln zurückgeholten Werke ist leider nicht mehr drin. Die Beine streiken, der Kopf raucht.

1.15 Uhr: Etwas Berieselung tut da gut. Im Käthe Kollwitz Museum am Neumarkt neigt sich der Stummfilmabend mit Klavierbegleitung dem Ende zu. Ein Lob an die Helfer der Museumsnacht. Sie sind immer noch freundlich, trotz der fortgeschrittenen Zeit.

2.09 Uhr: Endstation ist das Museum für Angewandte Kunst. Die Ausstellung „Reihenhausmannskost“ entpuppt sich als Geheimtipp zu später Stunde. Zeitrafferaufnahmen zeigen das Leben an deutschen Familien-Esstische.

Was von all den Eindrücken am Ende hängen bleibt? Das wird sich zeigen. Ein wenig Schlaf wäre jetzt aber sicher ein guter Anfang.



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