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Bolzplatz

Dieser Stürmer mit den Haaren

Erstellt 23.11.11, 12:27h, aktualisiert 25.11.11, 11:44h

Sie sind wieder da: Pünktlich zum rheinischen Derby zwischen Köln und Mönchengladbach reaktivieren die Erzrivalen Tobias Kaufmann und Thorsten Keller ihre Kolumne. Die verbalen Blutgrätschen in Text und Video, exklusiv auf ksta.de

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Die Herren vom Bolzplatz: Thorsten Keller (weißes Trikot) und Tobias Kaufmann. (Bild: Hennes)
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Die Herren vom Bolzplatz: Thorsten Keller (weißes Trikot) und Tobias Kaufmann. (Bild: Hennes)
THORSTEN KELLER: Auf dem Weg zur U-Bahn wurde ich am Morgen von dem Herren ohne Haare da via Express-Händlerschürze schräg von der Seite angequatscht: SOLKBAKKEN: KEINE ANGST VOR GLADBACH. „Keine Angst vor Gladbach“ heißt auf norwegisch „Pfeifen im finsteren Wald“, oder?

TOBIAS KAUFMANN: Was hättest Du für die bessere Aussage gehalten? SOLBAKKEN: ANGST VOR GLADBACH? Das kann meinetwegen die Rheinische Post schreiben oder wie die Käseblätter im Bauernland heißen mögen. Aber, klar: dieses angeberische Getue steht Euch. Passt zur furchtbaren Raute und diesem Stürmer mit den Haaren. „Der Kölner pfeift im Walde, weil der wilde Lachbacher kommt, huuuuuhh!“ Erstaunlich, wie sich die Zeiten drehen. Vor drei Jahren war die Mehrheit auf Eurer eigenen Homepage noch sicher, dass Ihr das Derby verliert. Jetzt seid Ihr mal drei Monate raus aus dem Sumpf, da riskiert Ihr schon eine große Fohlenlippe. Aber wir werden ja sehen, wohin es am Freitagabend führt. Ich jedenfalls habe keine Angst. Die letzte Saison war eine Derby-Nahtod-Erfahrung, die absolut gelassen macht.

KELLER: Vor drei Jahren? Richtig, da hat der Karnevalsverein zuletzt gegen Gladbach gewonnen. In Gladbach. Damals im Tor: Heimeroth. Damals im Sturm: Rob Friend. Und auf der Trainerbank: Jos Luhukay. Das tragische Dreieck. Du musst zugeben, da sind wir mittlerweile mit Ter Stegen, Marco Reus und Lucien Favre zwei Klassen besser besetzt. Aber beschreib‘ doch bitte mal deine Derby-Nahtoderfahrung der Spielzeit 2010/11. Warum vermeidest du da den Plural? Es gab doch zwei Spiele. Und zwei Klatschen für Köln. Düpp-düpp-düpp…

KAUFMANN: …diddel-bä-bäh-bäh. Ihr habt es nach wie vor nicht verstanden. Ihr gewinnt die Derbys, ja, stimmt. Aber seit wir zusammen wieder aufgestiegen sind, habt Ihr die Spiele nach den gewonnen Derbys fast immer verloren – die Abschlusstabellen betrachtend – 106 Bundesliga-Punkte geholt. Wir 121. Wir stehen also jedes Jahr 5 Punkte vor Euch in der Tabelle. Das zählt.

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KELLER: Treffer versenkt! Dass es für einen Derby-Sieg in Köln oder Lederbusen auch nicht mehr als 3 Punkte gibt, das war der große Trugschluss der Ära Michael Frontzeck. Aber diese Ära ist ja nun beendet, ebenso wie beim FC das Zeitalter des heiligen Wolfgang Overath. In der Gegenwart ist Gladbach Dritter - und Köln führt auf der Mitgliederversammlung eine rheinische Schalke 04-Persiflage auf und stolpert fortan führerlos durch die Fußballlandschaft. Wolfgang Bosbach wäre ja mein Favorit als nächster FC-Präsident, aber wie soll der Mann das mit seinem Hauptjob als „Hart, aber fair“Maskottchen vereinbaren? Wann wirfst du eigentlich deinen Hut in den Ring, Herr Kaufmann mit den Haaren da?

KAUFMANN: Ich war beim Friseur, bin also durchaus amtsfähig. Selbstverständlich stünde ich, haupt- oder auch ehrenamtlich, dem FC zur Verfügung, das ist eine Herzensangelegenheit für mich. Ich habe aber keinen Hut. Ich hatte mal einen, als Student, aber das war so eine Macke und er ist inzwischen längst in Rumänien oder Burkina Faso – wo auch immer diese Altkleidersammlungen landen. Äh, wo waren wir stehen geblieben? Ach so, ja. Führer. Der FC ist ohne Overath nicht führerlos, sondern nur um eine Diva ärmer. Und das kann ja nicht schaden. Bei Euch ist ja auch nicht wichtig, wer hinter Favre und Specki Eberl Präsident ist. Wobei es wirklich schade ist, dass Effe es nicht machen durfte.

KELLER: Effenberg & Matthäus als Duo Infernale in MG. Das ist wohl der feuchte Traum eines jeden FC-Fans. Es gibt dazu diesen Hit der Toten Hosen: „Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft.“ Ich wünsche mir das: Den Gladbacher Remix am Freitag im Stadion zu hören. „Es kommt die Zeit, in der das Wasser wieder steigt.“

KAUFMANN: Die kommt sicher, so wenig Wasser wie der Rhein derzeit führt. Der Vorteil daran ist: Es liegen Steine rum. „Und wir schmeißen Stein auf Stein, auf die Elf vom Niederrhein …“ Du siehst: Auf dem Niveau kann ich auch. Aber lassen wir die Hooligan-Träume doch mal beiseite. Mir reicht ein schönes Classico Rustico auf dem Rasen. Mit vielen blauen Flecken auf Fohlen-Beinen und drei satten, runden Punkten auf dem Kölner Konto.

KELLER: Dafür müssten die Geißböcke zunächst mal eine Reus-Bremse vor ihrem Strafraum installieren. Vielleicht in Gestalt des Ailton-Doubles Jemal. im Verbund mit dem hüftsteifen McKenna? Die sind doch zu langsam, um unserer Nummer 11 vor oder hinter das Schienbein zu treten. Und die Kampfschweine im defensiven Mittelfeld, Lanig und Petit, sind gesperrt oder nicht fit. Trotzdem: Drei Punkte für Köln sind möglich, falls Borussia, als gefühlter Favorit, zu überheblich ins Spiel gehen sollte. Aber genau davor wird Lucien Favre die Mannschaft warnen und an das Relegations-Drama gegen Bochum erinnern: „Vor sechs Monaten waren wir (beinahe) tot“.

KAUFMANN: Womit wir wieder am Anfang wären. Mir ist jetzt auch wieder die Schlagzeile eingefallen, die ich mir auf dem Weg zur U-Bahn ausgedacht hatte. FAVRE: ANGST VOR KÖLN.



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