Von Gudrun Klinkhammer, 23.11.11, 17:09h
Bernward Micken, stellvertretender Schulleiter am CFG und aktives Mitglied bei „JudiT.H“, einer Gruppe, die der Geschichte der Juden im Schleidener Tal nachgeht, moderierte die rund zweistündige Veranstaltung. Das Motto des Abends: „Null Toleranz den Intoleranten“. Christoph Ude, Pfarrer der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde im Schleidener Tal, begrüßte die Besucher.
Vom neuen Bündnis sollen Zusammenhänge erklärt und, wenn nötig, auch Protestveranstaltungen organisiert werden. Ude: „Anscheinend gibt es deutliche Defizite auf der Seite des Staates.“ Bereits jungen Menschen werde Hausaufgabenhilfe aus der rechten Szene angeboten, um sie so anzuwerben. Das Bündnis soll deshalb als Korrektiv wirken. Dazu Ude wörtlich: „Lasst euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit dem Guten.“
Leider salonfähig geworden
Peter Schongen vom Regionaldekanat der Region Eifel vertrat Regionaldekan Erik Pühringer. Schongen fächerte die Historie des Bündnisses auf: „Als der Zug der Erinnerung im Frühjahr durch das Schleidener Tal rollte, erlebten wir rechtes Gedankengut. In diesem Zusammenhang entstand auch die Idee zum Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt.“ Ralf Woelk, Vorsitzender der DGB-Region Nordrhein-Westfalen Süd-West, erklärte: „Die Justizbehörden scheinen auf dem rechten Auge irgendwie blind zu sein.“ Micken stimmte dem zu und meinte, dass ein gewisses Gedankengut leider inzwischen salonfähig geworden sei.
Michael Klarmann, freier Journalist und Kenner der rechten Szene, hielt ein Referat. Die Vertreter der Rechten würden immer jünger, so seine Beobachtungen. Bereits 16-Jährige seien selbstbewusst und radikal, Jungen wie Mädchen. Weder an der Kleidung noch an anderen Statussymbolen könne die Zugehörigkeit eindeutig festgemacht werden. Neo-Nazis treten teilweise sogar wie Linke oder Banker auf.
Per Aufkleber oder Straßenschmierereien, wie vor kurzem in Schleiden-Herhahn, werden die „Reviere“ markiert. Rechte Zentren im Kreis Euskirchen sind laut Klarmann Kall, Gemünd, Hellenthal, Bad Münstereifel und Euskirchen. Bei der zweifachen Zerstörung des jüdischen Denkmals in Blumenthal habe es sich um Anschläge gehandelt. Einen „Materialfehler“, der beim ersten Anschlag als Grund für die Zerstörung in Erwägung gezogen wurde, schließt Klarmann eher aus. Über Internetseiten, die von Suchmaschinen teilweise geblockt, aber dennoch einsehbar sind, agiert die rechte Szene im Netz. Klarmann: „Diese speziellen Internetseiten liegen auf einem Server in der Türkei, dort können sie nicht strafrechtlich verfolgt werden.“
Regelmäßig Konzerte
Konzerte der Rechten finden in der Region regelmäßig statt. Dafür werden meist unter dem Vorwand, eine Geburtstagsparty feiern zu wollen, Grillhütten und Pfarrheime gemietet. Ein Anziehungspunkt sei auch nach wie vor die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Inzwischen haben sich auch Mischszenen in der Region gebildet, denen rechtsextreme Russlanddeutsche angehören. Klarmann zeigte Embleme und Fotos, auf denen zunächst harmlos erscheinende Symbole, aber auch Menschen mit Masken und Hauben zu sehen waren. Dass die rechtsextremen Gruppierungen nicht per Gesetz verboten werden, finden Fachleute „mehr als komisch“.
Moderator Bernward Micken fasste den Abend so zusammen: „Wir sind sensibel geworden.“ Als absolutes „Unding“ bezeichnete er die im Gemünder „KunstForumEifel“ geplante Peiner-Ausstellung. Für diese klare Stellungnahme erhielt der Moderator viel Applaus. Während der Gründungsveranstaltung konnten sich die Anwesenden in Listen eintragen und somit den Willen zur Mitarbeit bekunden. Ein Orgateam, bestehend aus fünf Personen, wirdzunächst die Geschicke des Bündnisses leiten. Per Akklamation wurden diese Personen benannt. In einzelnen Arbeitsgruppen werden Themenfelder wie „Bildung, Aufklärung und Prävention“, „Planung von Veranstaltungen“, „Jugend und Bildung“, „Integration“ und „Sport und Kultur“ in Angriff genommen. Die Teilnehmerlisten werden in den kommenden Tagen ausgewertet und die möglichen Mitarbeiter angeschrieben.
Über die evangelische Kirche sollen die Finanzen des Bündnisses abgewickelt werden, über Spenden wird sich die Vereinigung finanzieren. Die Infrastruktur in Form von Räumlichkeiten stellen das Regionaldekanat, aber auch das CFG und die Stadt Schleiden zur Verfügung. Das Dürener Bündnis gegen Rechts stand dem Eifeler Bündnis Pate.
@ frank
24.11.2011 | 11.24 Uhr | Demontjoie
Ich gebe Ihnen bis auf eine Punkt Recht und möchte dies mit einer Frage an die Initiatoren auf einen Punkt bringen. Wo waren z.B die konservativen,…
Ich hätte da mal eine Frage
23.11.2011 | 21.28 Uhr | frank_1021
Ein sehr aufschlussreicher Bericht aber so oft ich ihn auch lese, eine Frage bleibt - woran erkenne ich eigentlich einen Rechten wenn er aussieht wie…
schade das hier zum Schluss doch noch Parteipolitik reinkam
23.11.2011 | 20.11 Uhr | Demontjoie
Ich habe mich zur Mitarbeit bereiterklärt, weil dieses Bündnis aus der Mitte der Gesellschaft kam. Kirchen und Gewerkschaften. Ich war erfreut, das…
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