Erstellt 05.12.11, 12:39h, aktualisiert 05.12.11, 12:41h
Tatsächlich hätte das Resümee an diesem Spieltag auch lauten können: Gladbach gewinnt 1:1. Zum einen ist ein Punktgewinn nach einem 0:1-Rückstand gegen das seit neun Spielen ungeschlagene Jugendensemble des BVB eben ein gefühlter Sieg. Zum anderen aber haben die Mönchengladbacher der Fußballwelt eindrucksvoll gezeigt, dass sie auch ohne den zuletzt überragenden Marco Reus überzeugen und in der Lage sind, mit einer der besten Mannschaften der Bundesliga zu konkurrieren. "Dass Marco Reus nicht einfach so zu ersetzen ist, ist klar. Aber wir haben es sehr gut gemacht", sagte der junge Torwart ter Stegen und machte mit einer leicht genervten Tonlage deutlich, dass man sich in Mönchengladbach nicht auf den am Zeh verletzten Reus reduzieren lassen will. Zu Recht, wie dieser Nachmittag gezeigt hat.
Lewandowski trifft erstmals auswärts
Ter Stegen wollte lieber über die vorangegangenen 90 Minuten reden, in denen seine Mannschaft nach anfänglichen Problemen über einen Großteil der Spielzeit gezeigt hatte, wie man Jürgen Klopps Hochgeschwindigkeitsfußballer aus dem Ruhrgebiet bremsen kann. Wie es eben so ist, wenn zwei der besten Defensiven der Bundesliga aufeinandertreffen, durften die 54.047 Zuschauer zwar viele ansehnliche Kombinationen sehen - die meisten Angriffe endeten jedoch an den stabilen Abwehrreihen um Dante und Stranzl auf Gladbacher oder Hummels und Santana auf Dortmunder Seite. Der BVB kam gegen die im Kollektiv leidenschaftlich und gut strukturiert verteidigenden Gastgeber erst nach einem Eckball zur Führung: Mario Götze zirkelte auf den sprungstarken Robert Lewandowski, der seinen zehnten Saisontreffer erzielte (40.).
"In der zweiten Halbzeit wollten wir mehr zeigen, das war dringend nötig", sagte der Gladbacher Trainer Lucien Favre hinterher. Bis Hanke mit einem Distanzschuss den Ausgleich erzielte (72.), dümpelte die Begegnung im zweiten Durchgang zeitweise vor sich hin. Für den größten Aufreger sorgte auch im Borussia-Park Werder Bremens Angreifer Markus Rosenberg mit seinem Treffer zum 1:1 bei Bayern München. Die Information auf der Videowand ließ die Fans beider Teams ihre Rivalität vergessen und für einen kurzen Moment Frieden schließen. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass die beiden Mannschaften auf dem Rasen - offenbar angetrieben von den plötzlichen Jubelstürmen auf den Rängen - auch wieder für Höhepunkte sorgen wollten.
Die Sache mit der Backpfeife
"Beide Teams hätten auch das 2:1 machen können", sagte Favre. Klagen wollte er aber nicht: "1:1 gegen Dortmund, ich bin zufrieden." Das war auch sein Kollege Jürgen Klopp, der Mike Hanke nach dem Schlusspfiff auf ungewöhnliche Art und Weise zu seinem Treffer gratuliert hatte: mit einer Backpfeife. "Das war glatt Rot", forderte Hanke - noch immer lächelnd.
Später zollte Klopp seinen Respekt dann auch mit Worten. "Falls es einen Beweis gebraucht hat, dass Gladbach da oben hingehört, dann war er das heute", sagte der Coach des BVB - und hatte noch vor dem Betreten des Mannschaftsbusses mit dem Spiel abgeschlossen: "1:1. Weiter geht's."
Eigentlich waren sich also schon alle einig, bis Mats Hummels sich als erster Dortmunder Spieler äußerte. "Wenn man 1:0 führt und hinten wenig zulässt, ist ein Unentschieden natürlich nicht wirklich zufriedenstellend", sagte der Nationalspieler. Auch auf die Frage, ob ihm die Rolle als Jäger des FC Bayern München besser gefallen würde als die Tabellenführung, fand er eine klare, wenn auch wenig überraschende Antwort: "Nee, die beste Position ist Erster." Er fühlte sich, das war unübersehbar, an diesem Samstagnachmittag als Verlierer.
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