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Die Partei

Lokalpolitik aus dem Pentagon

Von Frank Weiffen, 18.12.11, 18:18h, aktualisiert 18.12.11, 18:20h

Kommunalpolitik muss nicht zwangsläufig etwas mit mürrischen Hinterbänklern und satten Altpolitikern zu tun haben. Das beweist "Die Partei" - und zählt immer mehr Mitglieder.

Manuel Lindlar
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Manuel Lindlar. (Bild: Archiv)
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Manuel Lindlar. (Bild: Archiv)
Leverkusen - Um die Politikverdrossenheit sollen sich die andern mal kümmern. Im „Treffpunkt“, dem Treffpunkt der Partei „Die Partei Opladen“, fließt das Freibier. Wenn der Vorsitzende des Ortsvereins, Ratsherr Manuel Lindlar (23), in ausgelatschten Turnschuhen, Bluejeans und oben rum mit dem Billiganzug vom Textildiscounter auf die Sitzbank springt und eine Rede hält, brandet Applaus auf.

Diese Atmosphäre zwischen Party und Sparfachauszahlung macht das Parteitreffen kurz vor Weihnachten vielleicht nicht zum angekündigten Mega- sondern eher zum Gaga-Event. Aber es zeigt zumindest dies: Dass Kommunalpolitik nicht zwangsläufig mit mürrischen Hinterbänklern und satten Altpolitikern zu tun haben und vier Stockwerke über den Köpfen der Bürger gemacht werden muss.

Begeisterung

Um Lindlar herum sitzen knapp 50 junge Menschen – viele von ihnen sind nicht mal volljährig – und hängen begeistert an seinen Lippen. Für jede der Volksparteien wäre das ein Traum: Auf Bundesebene zerfällt gerade die FDP. In Leverkusen schwelt der Knatsch im Mehrheitsbündnis. Immer weniger gehen wählen. Und hier spricht ein 24-Jähriger gut gelaunt davon, Opladen wieder eigenständig machen und eine Mauer um Leverkusens größten Stadtteil ziehen zu wollen.

S.-O. Janz vom Bonner Pendant der „Partei“ – er fordert unter anderem den Klimawandel für die ehemalige Bundeshauptstadt sowie „die Aufhebung der widernatürlichen Einheit von Bonn und Beuel“ – ist auch gekommen. Als Freund und Unterstützer des Parteikollegen aus Leverkusen: Immer wieder ruft Janz „Hört, hört!“ und „Hurra!“ und liefert der Jugend an den Tischen damit Steilvorlagen für neue Jauchzer der Seligkeit. Spätestens als Lindlar ankündigt, „Die Partei Opladen GAU Leverkusen“ – das „GAU“ steht übrigens für „Größter Anzunehmender Unfall“ – ob stetig wachsender Mitgliederzahlen demnächst in „Die Leverkusen Partei“ umzubenennen, gibt es ohnehin kein Halten mehr: Die Kölsch-Gläser klirren, es wird gejohlt. Und selbst der Stargast des Abends muss jetzt nicht mehr nur sich selbst an der Theke fest-, sondern vor Begeisterung auch an sich halten: Leo Fischer. Fischer ist Chefredakteur des deutschen Satiremagazins „Titanic“ und als solcher Nachfolger von Martin Sonneborn, der 2004 die Redaktion verließ, um „Die Partei“ zu gründen.

10 000 Mitglieder

Aus einer fixen Idee sind mittlerweile über 10 000 Mitglieder bundesweit geworden, knapp 20 davon in Leverkusen. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: Christopher und Alexander (beide 16) zum Beispiel haben den Mitgliedsantrag gerade eben, nach dem ersten Freibier, ausgefüllt. Zehn Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr zahlen sie gerne. Das sind auf zwölf Monate hochgerechnet nur ein paar SMS oder sechs Kölsch weniger. „Aber dafür kann ich hinterher von mir behaupten, dass ich mich politisch engagiere“, sagt Christopher.

In „Die Partei“ sei das ja noch möglich. Unrecht hat er nicht: Am Kneipeneingang steht eine Urne, in die jeder seine Wünsche für Leverkusen, notiert auf einen Zettel, werfen kann. „Alle Vorschläge“, verspricht Lindlar, „kommen ins Parteiprogramm.“ Und dann wird er für einen Moment plötzlich doch ernst. „Natürlich steht die Satire im Vordergrund. Sie ist ein anerkanntes Stilmittel in der Politik“, sagt er. Aber: Wenn er Anträge wie etwa den „Mauer-Antrag“ in den Rat einbringe, dann wolle er den Politikern eben auch einen Spiegel vorhalten und zeigen: „Wir müssen die Bürger an der Politik beteiligen, ihre Interessen ernst nehmen und für mehr Transparenz in unserem Handeln sorgen.“

Eigenes Büro

Zur Not auch mit Gesprächen bei Freibier. Oder im eigenen Bürgerbüro, das er spätestens ab Februar bei sich zu Hause an der Ewald-Flamme-Straße einrichten wolle. „Da kann dann jeder, der etwas auf dem Herzen hat, vorbeikommen und seine Meinung sagen.“

Vorher aber steht noch ein anderer bedeutender Schritt auf dem Programm: Der Umzug in eine neue Stammkneipe für „Die Partei“. Der „Treffpunkt“ macht nämlich bald dicht. Die Sitzungen mit Freibier finden dann im „Pentagon“ an der Karlstraße statt. Lindlars Ankündigung dazu ist gewohnt treffsicher: „Demnächst ziehen wir ins Pentagon ein.“



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