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Kunst

„Ich will Leute süchtig machen“

Von Susanne Kreitz, 28.12.11, 21:04h

Foto-Handys, Smartphones und iPad: Heutzutage kann jeder jederzeit fotografieren. Aber wer will sich das alles ansehen? Und wie gehen engagierte Fotografen damit um? Antworten gibt es in der Lichtblick School der Galerie Lichtblick.

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In der Galerie Lichtblick zeigt Wolfgang Zurborn Fotoarbeiten aus Kursen der vor einem Jahr gegründeten Lichtblick School. Wichtig ist die Arbeit an Projekten, nicht einzelnen Bildern. (Bild: Rakoczy)
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In der Galerie Lichtblick zeigt Wolfgang Zurborn Fotoarbeiten aus Kursen der vor einem Jahr gegründeten Lichtblick School. Wichtig ist die Arbeit an Projekten, nicht einzelnen Bildern. (Bild: Rakoczy)
Nippes - „Es wird so viel fotografiert – und so wenig angesehen.“ Foto-Handys, Smartphones und iPad: Fotografieren ist zum Massenphänomen geworden, aber wer will sich das alles ansehen? Und wie gehen engagierte Fotografen damit um? „Viele fragen sich: Wo stehe ich eigentlich mit meinen Bildern, was mache ich damit?“, sagt Wolfgang Zurborn, dessen Galerie Lichtblick, die er gemeinsam mit Tina Schelhorn betreibt, ihren 25-jährigen Geburtstag feiert. Seit einem Jahr gibt es nun auch die „Lichtblick School, Seminare und Workshops für Künstler, Profifotografen und Amateure“.

Zurborn glaubt, dass gerade wegen der Fülle das Interesse gestiegen ist, Orientierung zu finden und Kriterien für die eigene Arbeit zu entwickeln. In der Nippeser Galerie sind jetzt die Ergebnisse des ersten Jahres ausgestellt, „The Theatre of Real Life vol. 1 und 2“, 17 Beiträge aus zwei Kursen.

„Viele reisen den Seminaren hinterher“

Der Widerspruch reales Leben und Theater hat Zurborn gereizt, „denn auch eine Dokumentation ist immer inszeniert“. Die Teilnehmer sind zwischen 20 und 65 Jahre alt, viele haben sich nach dem ersten Kursus gleich für den nächsten angemeldet. Die Interessenten kommen längst nicht alle aus Köln, „viele reisen den Seminaren hinterher“, erzählt Zurborn, der auch in anderen Städten unterrichtet. „Man muss die Leute süchtig machen“, deklariert er seine ganz spezielle Werbemethode. Die Kurse finden sonntags statt, Gastdozenten wie Harvey Benge aus Neuseeland und Paulo dos Santos aus Portugal gehören zum Team.

„Intuition kann man nicht verordnen“, Konzeption aber schon, deshalb liegt der Schwerpunkt darauf, die Qualitäten des Fotografen oder seiner Bilder herauszuarbeiten. „Es gibt vielleicht mal ein Schlüsselbild“, wichtiger seien aber die Werkzyklen, die Konzeption für eine längere Foto-Strecke.

Fotografieren ist scheinbar einfacher geworden, auch billiger.

Eindrucksvolles Beispiel sind die Aufnahmen von Werner Mansholt, entstanden im Senegal, betörende Momentaufnahmen, fast wie gemalt, fast wie eine Theaterinszenierung. Aber nichts ist gestellt, nichts inszeniert, Mansholt hat den Moment festgehalten und Position, Architektur, Mensch und Licht zu einer Komposition werden lassen, ein Gemälde mit der Kamera.

Ähnliches gilt für „Esperanto“ von Linn Seeger, eine Straßenszene als Spiegelung in einem Schaufenster. Die Künstlerin Bogi Bell hat während eines Krankenhausaufenthalts mit dem Smartphone Aufnahmen gemacht, die kleine dichte Schwarz-Weiß-Serie habe ihr auch geholfen, das Erlebte zu verarbeiten, so Zurborn.

Fotografieren ist scheinbar einfacher geworden, auch billiger. Doch gerade Ältere haben Schwierigkeiten mit den veränderten Produktionsbedingungen, deshalb gehören Technik-Seminare zum Angebot, vom Chip bis zum Druck. Wie man ein Fotobuch erstellt, ist ebenfalls Teil des Lehrangebots. Und in 25 Jahren Galerie-Tätigkeit haben sich zahlreiche internationale Kontakte entwickelt, es gibt den Austausch mit einer Schule in Florenz, im Juni helfen die Kölner beim Aufbau eines großen Festivals in Georgien.



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